Srebrenica / Potočari - Bestandsaufnahme 2018 fotografiert fotografiert von York Wegerhoff
Klare Luft durchzieht die Straßen von Srebrenica. Das Bellen der wilden Hunde und das Hacken von Holz sind in diesen warmen Frühlingstagen zu hören. Das Städtchen liegt am östliche Rand von Bosnien-Herzegowina in einem engen Tal umgeben von Wäldern. Der Satz aus dem Buch „Srebrenica – Notizen aus der Hölle“ von Emir Suljagic „Von allen Orten der Welt wird es zuerst in Srebrenica dunkel“, bekommt mit der geographischen Tallage eine zweite Bedeutung. Die Infrastruktur ist mit neuen Straßen, einem kleinen Krankenhaus, einer neuen Polizeistation und einem modernen Sportgelände inmitten des Ortes wieder hergestellt. Zwischen der wieder aufgebauten Moschee mit ihrem Minarett und der ebenfalls wieder errichteten orthodoxen Kirche steht das Gebäude der OSZE.

Diejenige, die nach ihrer Flucht zurückgekehrt sind, bezeichnen die Stadt als tote Stadt, nicht mit Bezug auf die vielen getöteten Menschen, sondern weil die junge Generation fortgeblieben ist oder fortgeht. „Wir Alten sterben und schließen damit die Häuser hinter uns ab. Neue Menschen kommen nicht nach.“ Es gibt kaum wirtschaftliche Zukunfts- und Arbeitsperspektiven in der Gegend, ein gesamt bosnisches Problem.
Der Versuch von vor über 10 Jahren den Naturtourismus in Srebrenica zu etablieren ist gescheitert. Touristische Bauvorhaben in Form von riesigen Hotels sind im Rohrbau oder als leerstehendes Gebäude gestrandet. „The never open hotel“ in mitten des Ortes neben dem Supermarkt ist ein überdimensionales Relikt von fehl-geplanter Investition. Die Natur mit den Bergen, den dichten Wäldern und den klaren Bergbächen bieten eine gute Grundlage für diese Pläne. Die dreijährigen Belagerung der sogenannten Enklave Srebrenica von 1992 - 1995 mit vielen Toten in den umliegenden Wäldern sowie den Hinrichtungen von tausenden ausgemergelten und wehrlosen muslimischen Männern im Juli 1995, bietet dagegen eher eine schlechte Ausgangsposition für Tourismus, der auf Erholungsurlaub ausgelegt ist.

Das Gedenken an den Genozid von Srebrenica, ist in Bosnien und Herzegowina ein stark diskutiertes Thema mit großer Spannbreite von verschiedenen Ansichten. Außer Frage steht hier die Verurteilung des Massenmords. Im alten UN Lager des holländischen Bataillons in Protogari ist eine sehr informative und mit vielen Fotografien bewegende Ausstellung zum Thema zu sehen, die im Untertitel auch das Versagen der internationalen Gemeinschaft benennt.
In der Föderation taucht Srebrenica als Mahnung an die Opfer und die Verurteilung des serbischen Kriegsverbrechens auf. In der Republik Srpska wird das Thema eher mit Schweigen bedacht und die eigenen Opfer des Krieges und die Kriegsverbrechen der kroatischen Armeen sowie der Brigaden der Lilien ins Spiel gebracht. Alle Kriegsverbrechen sind zu verurteilen und zu verachten.
Vielleicht wäre es ein symbolischer Anfang eines neuen gemeinsamen Umgangs mit der jüngsten Geschichte und eine neue Ebene der Versöhnung, ähnlich eines Kniefalls, wie der von Willy Brandt am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos, neben der serbische Fahne an der Polizeistation in Srebrenica auch die Nationalfahne Bosnien-Herzegowinas zu hissen und an jedem 11. Juli beide für drei Tage auf Halbmast zu setzen.

weitere Aufnahmen unter: Bosnien und Herzegowina - Bestandsaufnahme 2018 │Pt.1

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