Speyer im 1. Weltkrieg
Im Jahr 2014 jährt sich der Beginn des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. Bereits jetzt werden in Fachkreisen und weit darüber hinaus Überlegungen angestellt, sich des epochalen Ereignisses "1. Weltkrieg" in Ausstellungen und Publikationen zu erinnern. Die vorliegende Zusammenstellung von Fotos und anderen Dokumenten aus Beständen des Stadtarchivs Speyer will zeigen, welche Auswirkungen der Krieg auch an der "Heimatfront" hatte, für Speyer und seine Bewohner.
Besonders in Kriegszeiten liegen "Eros" und "Thanatos" (Liebe und Tod) nah beieinander: Die Postkarten der verliebten Soldaten und andere Dokumente zeigen, wie romantische Verklärung die harte Realität des Krieges verzerren konnte. Das Album versteht sich insofern auch als Beitrag des Stadtarchivs zum Online-Projekt „Valentine’s Day 2012 in archives“
Twitter-Hashtag: #loveheritage;
askarchivists.wordpress.com/2012/01/21/valentines-day-201...

Zugleich soll zur weiteren Beschäftigung mit der Thematik 1. Weltkrieg in Bezug auf Speyer angeregt werden. Besonders die noch wenig aufgearbeiteten Aktenbestände des Archivs lohnen eine Durchsicht und Auswertung!

Speyer im 1. Weltkrieg:
Der Ausbruch des 1. Weltkriegs im August 1914 wurde in Speyer, wie in ganz Deutschland, euphorisch aufgenommen. Nach Verkündung des Kriegsbeitritts des Kaiserreiches und der Mobilmachung zog die Pionierkapelle der Speyerer Garnison, begleitet von einer Menschenmenge, patriotische Lieder spielend durch die Stadt. Keinem der Beteiligten dürften die weitreichenden Folgen des sich anbahnenden Konfliktes bewusst gewesen sein. Man war der Meinung, zu Weihnachten seien die Soldaten wieder in der Heimat.
Speyer sollte aufgrund mehrerer Faktoren besonders vom Krieg beeinträchtig werden. Einer davon liegt in der Rolle als Garnisonsstadt. Seit dem Einzug des 2. bayerischen Pionierbataillons im Jahr 1874 gehörten die Soldaten fest zum Stadtbild. Eingesetzt an fast allen Schauplätzen des 1. Weltkrieges, unter anderem in Lothringen, Flandern, Polen und Rumänien, erlitten die Speyerer Pioniere enorme Verluste. Insgesamt fielen 1790 Soldaten des Bataillons. Ein weiterer Aspekt ist die Lage Speyers in relativer Nähe zur Westfront. Dies führte zu einer Nutzung der Stadt für Lazarette, schon 1915 befanden sich 12 davon im Stadtgebiet. Untergebracht in öffentlichen Gebäuden, Schulen und auch in Privathäusern wurden so bis zu 2700 Verwundete gleichzeitig versorgt. Bei ohnehin schon rationierten Lebensmitteln und Rohstoffen nach der Umstellung auf die Kriegswirtschaft war die Versorgung der Lazarette ein zusätzlicher Aufwand für die Bürger. Auch nach Kriegsende wurde die Stadt aufgrund der von der Front zurückkehrenden Soldatenströme Drehscheibe und Durchgangspunkt von Menschenmassen.
Mit den Pfälzer Flugzeugwerken war in Speyer kriegswichtige Industrie untergebracht. Diese erlebten in ihrer Rolle als Rüstungsbetrieb einen Aufschwung und erhöhten ihre Belegschaft drastisch. Die Niederlage Deutschlands setzte diesem Aufstieg ein jähes Ende. Politisch sorgte der Kriegszustand dafür, dass die Stadt Speyer dem Kommandanten der Festung Germersheim untergeordnet wurde. Während der Kriegsjahre war die kommunale Verwaltung dadurch stark beschnitten. Aus Furcht vor Sabotage und Spionage, sowie zur Unterstützung der eigenen Truppen, mussten die Bewohner der Pfalz eine ganze Reihe alltäglicher Einschränkungen auf sich nehmen. Brücken und Bahngleise durften beispielsweise nur begrenzt betreten werden, der private Personenverkehr kam zum Erliegen. Die Tatsache, dass Speyer zu den wenigen deutschen Städten gehörte, die Ziel französischer Fliegerangriffe wurde, zeigt, dass die Sorge nicht völlig unbegründet war.
Der Wandel im öffentlichen Leben vollzog sich auch durch den wachsenden Bedarf an Soldaten. Nachdem sich, vor allem zu Kriegsbeginn, viele junge Männer begeistert freiwillig gemeldet haben, wurden auch Reservisten eingezogen. Unter ihnen befand sich der damalige Bürgermeister Dr. Ernst Hertrich, der im Oktober 1916 gefallen ist. Die Gesamtzahl der Opfer schwankt durch unterschiedliche Angaben. Zwischen 463 und 483 Speyerer Bürger kehrten nicht von den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs zurück.

(Virtuelle Umsetzung und Texte: Tobias Maus)
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