26.04.2014 Berlin - Neonaziaufmarsch

by Sören Kohlhuber

Mit 100 Neonazis wollte Sebastian Schmidtke heute in Berlin durch Kreuzberg laufen. Aufgrund von Blockaden durch etwa 3-4000 Menschen war ihm dies nicht möglich.

Die Neonaziszene weiß inzwischen, dass Aufmärsche in Berlin frustig sind und waren zwar aus allen Herren Orten (Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordhrein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Thüringen) vertreten, aber gerade aus Berlin war die Mobilisierung mehr als mangelhaft. Auch die Zielsetzung in Berlin ist nun kein Aufmarsch mehr – wie 1945 kämpfen die Neonazis um jeden Meter in Berlin.
Heute waren es etwa 170 Meter und schon sah sich Sebastian Schmidtke als Gewinner. Nie hätte er gedacht, dass sie so weit kommen würden und ihnen ist es zu verdanken, dass das Thema Migration und Kreuzberg wieder auf der Presseagenda stand.
Bereits zu Beginn kam es zu Rangeleien zwischen anwesenden Journalisten und Neonazis. Besonders die Neonazis aus Dortmund und Dortmund um den Hooligan und Rechte-Mitglied Siegfried Borchardt mussten hier vom eigenen Ordnerdienst zurückgezogen werden.
Aus den Kreisen der Dortmunder Neonazisszene folgte der erste Redebeitrag. In diesem soll der Redner mit den Worten „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ sich volksverhetzend geäußert haben. Mehrere Berliner Abgeordnete zeigten ihn an und er wurde kurz in Gewahrsam genommen.
Nachdem Sebastian Schmidtke feststellte, dass „doch einige Gegendemonstranten“ unterwegs seien packte er ein und meldete unter dem Verweis eines Polizeibeamten „die Route kennen sie ja“ später einen spontanen Aufmarsch vom Bhf Adlershof zum Bhf Spindlersfeld an. Die Route ist bereits vor Jahren von Neonazis in abgewandelter Form bei den „Jugend braucht Perspektiven“-Demonstrationen immer wieder genutzt worden. Dort konnten die Neonazis ohne nennenswerten Gegenprotest laufen.

Der Gegenprotest konzentrierte sich auf Kreuzberg und formulierte den Tag daher als Erfolg, da ein Durchlaufen des symbolträchtigen Bezirkes nicht stattfand.
Bereits früh fanden sich auf der Heinrich-Heine-Straße mehrere hundert Menschen ein und verhinderten so einen Durchmarsch bis zum Moritzplatz.
Eine Stunde vor Aufmarschbeginn entwickelten sich spontane Katz-und-Maus-Spiele in den Nebenstraßen. Dort wurden mehrere Polizeiabsperrungen überrannt. Es gab wenige Festnahmen und vor allem auf Polizeiseite Verletzte durch eigenes Pfefferspray.
Nach dem die Neonazis am Versammlungsort ankamen brachen einige Gegendemonstranten direkt unter der S-Bahnbrücke am Bhf Jannowitzbrücke durch konnten aber die zweite Reihe Hamburger Gitter nicht überwinden. Die Polizei drängte sie wieder zurück.
Parallel während die Neonazis los liefen kam es in der Rungestraße zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gegendemonstranten. Die Gegendemonstranten warfen mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik, die Polizeikräfte antworteten mit Pfefferspray und Schlagstock. Dabei nahm die Polizei mindestens 10 Personen fest. Über den ganzen Tag verteilt gab es mehr als 50 Festnahmen.
In Anschluss an dem erfolgreichen Verhindern des Aufmarsches durch Kreuzberg folgte eine Jubeldemo durch den Bezirk, der sich aber laut Polizei nur noch wenige hundert Menschen anschlossen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Unterstützung erhielt sie durch die Bundespolizei und einer kleinen Gruppe Beweis- und Festnahme Einheiten aus Erfurt. Mittelpunkt der Fotojournalisten war allerdings ein finnischer Beamter, mit finnischer Uniform und Berliner Helm, welcher zum Hospitieren anwesend war.
Unter der S-Bahnbrücke am Bhf Jannowitzbrücke war die Berliner Polizei mit zwei Reihen Hamburger Gitter und Hundestaffeln im Einsatz. Die Hunde waren wieder mal äußerst aggressiv und griffen eigene Beamte und Journalisten immer wieder z.T. auf Kopfhöhe an.

Die Fotos unterstehen dem Copyright. Die Bilder sind auch in druckbarer also hochauflösender Qualität vorhanden und können erfragt werden.

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