11.03.2017 Dessau: Neonazistischer "Trauermarsch"
Unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ fand am 11.03.2017 in Dessau die alljährliche geschichtsrevisionistische Veranstaltung anlässlich der Bombardierung der Stadt kurz vor Kriegsende 1945 statt. Dessau wurde als wichtiger Industriestandort mit Sitz eines großen Rüstungsbetriebs von den Allierten bombardiert, was Neonazis in einen Opfermythos umdeuten und gleichzeitig heroisch zugunsten der Nationalsozialisten aufladen.

Aufgerufen zu dieser Veranstaltung hatten die in Dessau aktiven „Freien Nationalisten/Dessau-Anhalt“ mit Alexander Weinert, der als Anmelder fungiert. Ca. 100 Neonazis folgten dem Aufruf, unter ihnen Mitglieder der Brigade Halle, Neonazis aus Magdeburg und Niedersachen, sowie Aktivisten der DIE RECHTE, NPD und Identitäre. Die Hauptredebeiträge wurden von den Neonazi-Urgesteinen Thomas „Steinar“ Wulff aus Hamburg und Dieter Riefling aus Hildesheim, sowie Maik Müller aus Dresden gehalten. Ein kürzerer Beitrag kam vom Dessauer Neonazi Swen Behrendt.

Während Steinar Wulff in seiner Rede den Nationalsozialismus verherrlichte und antisemitische Stereotype bediente - er sprach unter anderem von ehrlicher deutscher Arbeit, die er einer international agierenden "raffenden Hochfinanz" gegenüberstellte - ließ Dieter Riefling wissen, dass die Deutschen den 2. Weltkrieg nie verloren hätten, man sich im Gegenteil immer noch im fortwährenden Kriegszustand befände, der nur von einer Waffenruhe unterbrochen sei. Folglich forderte er auf, sich zu erheben und sich den Sieg, auch mit Gewalt zu holen.

Die Route der Nazis führte dieses Jahr nicht durch das Zentrum der Stadt, sondern direkt am historischen Bauhaus-Gebäudekomplex vorbei, dessen Schließung im April 1933 von den Nationalsozialisten erzwungen wurde. Werke von einigen Bauhaus-Künstlern und -Lehrer wurden später beschlagnahmt und als „Entartete Kunst“ diffamiert. Vor diesem Hintergrund war die direkt vor dem Haupteingang stattfindende Zwischenkundgebung, die Steinar Wulff für seine antisemitischen Hetztiraden nutzte, umso widerlicher.

Das abschließende strenge Ritual am Ende der Route vor dem südlichen Dessauer Friedhof III, wo mit einem Fackelappell das NS-Heer verherrlicht wurde, wurde wieder von Dieter Riefling moderiert, der sich in der Rolle des militärischen Einpeitschers sichtlich gut gefiel.

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