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25.10.2020 Berlin: Verschwörungsideologische "Querdenken"-Versammlung | by RechercheNetzwerk.Berlin
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25.10.2020 Berlin: Verschwörungsideologische "Querdenken"-Versammlung

Während die Infektionszahlen steigen und weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie diskutiert werden, versammelte sich erneut eine dicht gedrängte Menschenmenge ohne Rücksicht auf den Infektionsschutz auf dem Alexanderplatz um unter dem Motto „Europa steht auf - wir alle für den Wandel“ die Pandemie für beendet zu erklären. Nach einer Auftaktkundgebung mit den Rednern Markus Haintz und Ralf Ludwig war ein Aufzug nach Friedrichshain zum ehemaligen Kino Kosmos angekündigt. Dort sollte ursprünglich der Kongress "World Health Summit“ stattfinden, der aber der Pandemie wegen als Online-Veranstaltung umgeplant worden war.

 

Schon kurz nach Beginn kam es auf dem Alexanderplatz zu tumultartigen Szenen, da die Polizei den Aufzug wegen grober Verstöße gegen die Auflagen nicht laufen lassen wollte. In der Folge löste der Veranstalter die Versammlung auf, woraufhin größere Gruppen Polizeiabsperrungen durchbrachen und nahezu unbegleitet nach Friedrichshain marschierten. Ein anderer Teil wurde von der Polizei aufgehalten, worauf etliche sich extrem aggressiv durchzusetzen versuchten. Es kam zu Rangeleien, Polizeifahrzeuge wurden blockiert, in Gewahrsam genommene Personen versucht zu befreien, eine Frau biss einem Beamten in die nackte Hand, JournalistInnen wurden bedrängt und bedroht.

 

Währenddessen hatten es über Tausend Leute nach Friedrichshain geschafft und veranstalteten dort unter Inkaufnahme, das Virus weiter zu verbreiten, eine Art Open Air-Feier. Die Polizei schaute diesem Treiben lange tatenlos zu. Erst als eine Bühne aufgebaut worden war und sich ein weiterer Aufzug dazugesellt hatte - mittlerweile waren es über 2000 dichtgedrängte Menschen, die sich selbst feierten - wurde die Polizei aktiv und versuchte, die Versammlung aufzulösen. Die Demonstrierenden hakten sich daraufhin ineinander und drängten sich noch enger zusammen. Eine Pipi Langstrumpf tanzte begleitet von Trommeln und Tröten zu dem immer wiederkehrenden Ruf „Freiheit, Frieden, keine Diktatur“ im Takt. Die Polizei hatte erhebliche Probleme dem Treiben ein Ende zu bereiten. Erst gegen Einbruch der Dunkelheit war die Versammlung weitgehend aufgelöst, wobei ein großer Teil der Versammelten sich bereits selbstständig schon wieder auf den Weg Richtung Alexanderplatz gemacht hatte.

 

An dieser Versammlung nahmen erneut jede Menge verschwörungsideologische AktivistInnen mit im Netz gekauften Presseausweisen teil, die Polizeimaßnahmen behinderten und das Bild eines Unrechtsstaats live via Youtube vermittelten. Teilweise hatten sich diese auch Schilder um den Hals gehängt und tanzten parolenrufend durch die Menge. Auch Afd-PolitikerInnen, ReichsbürgerInnen und Neonazis waren erneut vor Ort, darunter war auch eine Gruppe, die das rassistische-verschwörungsideologische COMPACT-Heft verkaufte, sowie der langjährige Nazi-Kader Maik Eminger, ein überzeugter Anhänger der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie und Zwillingsbruder des als wichtigsten Unterstützers des NSU geltenden André Eminger.

 

 

Die Fotos unterliegen dem Copyright. Sie sind in druckbarer, hochauflösender Qualität ohne Wasserzeichen vorhanden und können für kommerzielle wie unkommerzielle Zwecke erfragt werden.

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Uploaded on October 26, 2020