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09.05.2020 Berlin: Rechtsoffene "Hygienedemo" verlagert sich auf den Alexanderplatz | by RechercheNetzwerk.Berlin
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09.05.2020 Berlin: Rechtsoffene "Hygienedemo" verlagert sich auf den Alexanderplatz

Über tausend Menschen haben am letzten Samstag in Berlin gemeinsam mit gewaltbereiten Neonazis an einer nicht-angemeldeten Versammlung am Alexanderplatz gegen die Corona-Infektionsschutzmaßnahmen teilgenommen. Die Demonstrierenden hatten sich vorher an der Weltzeituhr getroffen und waren gemeinsam zum Rosa-Luxemburg-Platz gelaufen, wo die rechtsoffene, verschwörungsideologische „Hygienedemo“ des Vereins „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ stattfinden sollte. Dort aber sahen sie sich mit weiträumigen Absperrungen konfrontiert, die wegen der Abstandsregeln nur in kleinen Gruppen passiert werden konnten. Außerdem war der Platz von einer antifaschistischen Gegenkundgebung #ReclaimRosaLuxemburgPlatz besetzt. Etliche verzogen sich bald schon zurück auf den Alexanderplatz, wo es schnell zu einer auch aggressiven Ansammlung aus Verschwörungsideologen, Impfgegnern, rechtsoffenen Bürgern, christlichen Fundamentalisten und gewaltbereiten Neonazis kam. Während die einen die gewaltvolle Eskalation mit der Polizei suchten, schienen andere sich in einer Art Open-Air-Party zu fühlen. Dazwischen drängten sich Menschen, die eigentlich zum Einkaufen auf den Alexanderplatz gekommen waren. Die Polizei versuchte mit Appellen an die Vernunft die Menge zu zerstreuen. Das gelang aber erst nachdem eine Hundestaffel auf den Platz geführt und Tränengas eingesetzt wurde. Es kam zu etlichen Ingewahrsamnahmen.

 

Wie die Wochen zuvor verklärten und verharmlosen die Demonstrierenden das Corona-Virus auf Basis von Verschwörungserzählungen zu einer Kampagne von Bill Gates, der den Menschen mutwillig schaden wolle, sagen sich in ihrer Freiheit beschränkt, stellten NS-Vergleiche an oder relativierten die Shoah. Auch neonazistische Shirts und Tattoos waren dieses Mal mehrfach zu sehen. Die Infektionsgefahr, die insbesondere für Risiko-Gruppen hoch ist, wird von den Teilnehmenden ins Lächerliche gezogen und das Aufbegehren gegen Infektionsschutzmaßnahmen zum Akt des Widerstands erklärt.

 

Aus dem Parteiensprektrum hatte sich die AfD-Fraktion aus Berlin-Marzahn auf dem Rosa-Luxemburg-Platz eingefunden, die aber auf dem Alexanderplatz nicht mehr gesichtet wurde. Anders als der AfD-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller, der ein Plakat mit einem Zitat Gustav Heinemanns bei sich trug, mit dem er auf das Widerstandsrecht anspielte. Damit ging er die Polizei offensiv an. Daneben hatten sich verschiedene Protagonisten neonazistischer Kleinstgruppen und Bündnisse eingefunden, sowie vereinzelt auch Parteimitglieder der NPD vor Ort waren. Außer Carolin Matthie (AfD) hatten sich dieses Mal kaum rechte Youtuber in das Geschehen eingemischt. Der NS-Propagandist Nikolai Nerling, der seit der vierten „Hygienedemo“ von diesen Veranstaltungen filmt, war dieses Mal nicht vor Ort. Er hatte sich nach Stuttgart begeben, wo zeitgleich Ken Jebsen vor Tausenden zu gleichem Thema aufgetreten ist.

 

Die Fotos unterliegen dem Copyright. Sie sind in druckbarer, hochauflösender Qualität ohne Wasserzeichen vorhanden und können für kommerzielle wie unkommerzielle Zwecke erfragt werden.

 

 

RechercheNetzwerk.Berlin@yahoo.com

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Uploaded on May 11, 2020