new icn messageflickr-free-ic3d pan white
25.04.2020 Berlin: 5. Corona-"Hygienedemo" gegen Infektionsschutzmaßnahmen | by RechercheNetzwerk.Berlin
Back to album

25.04.2020 Berlin: 5. Corona-"Hygienedemo" gegen Infektionsschutzmaßnahmen

Erneut folgten Hunderte dem Aufruf des erst kürzlich gegründeten Vereins "Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ zu einer sogenannten „Hygienedemo“ auf den Rosa-Luxemburg-Platz. Unter dem Motto „nicht ohne uns“ richtet sich die Demonstration gegen die Infektionsschutzmaßnahmen, die von der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Epidemie erlassen wurden. Diese werden vom Verein um Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp nicht nur als unzulässige Einschränkung der Grundrechte interpretiert, sie sehen hinter den Infektionsschutzmaßnahmen eine Strategie zur Installation eines neuen Faschismus. Damit ziehen sie eine breite Mischszene an, die an krudeste Verschwörungserzählungen in Bezug auf das Corona-Virus glaubt. Das Spektrum reicht von Esoteriker:innen, Impfgegner:innen, fundamentalistischen Jusus-Jünger:innen, Neonazis, Reichsbürger:innen bis hin zu Menschen, denen jeder politische Kompass verloren gegangen ist. Vereint sind sie im Glauben, dass Politiker:innen Anweisungen elitärer Zirkel unterstehen und willkürlich zum Schaden der Bevölkerung Entscheidungen treffen würden, wobei die Motive dahinter widersprüchlich sind. Gemeinsam jedoch ist ihnen ein antimodernes Weltbild, das Wissenschaft als von oben gesteuert ablehnt und die Natur in Opposition dazu als das Natürliche romantisiert.

Mehrfach wurden Maßnahmen gegen die Epidemie mit NS-Methoden gleichgesetzt oder auf Plakaten die Shoah relativiert, sowie das Virus mit antisemitisch aufgeladenen Welterklärungsmodellen verharmlost oder negiert.

 

 

Eine Vielzahl an rechten Medienportalen bereiten das Geschehen vor Ort medial auf und vermitteln das Bild eines Polizeistaates, in dem Bürger:innen entrechtet und verprügelt würden. Dabei wird ignoriert, dass Demonstrationen schon immer nach Regeln verlaufen und aufgelöst werden können, sofern diese missachtet werden. Diese Veranstaltung glich einer Corona-Party und die Teilnehmenden widersetzten sich allen Infektionsschutzmaßnahmen.

Aufforderungen der Polizei, die Abstandsregelungen einzuhalten wurden mit Gelächter und Buhrufen beantwortet. Als die Polizei nach etlichen Ansagen die Ansammlung aufzulösen begann, warfen sich die Teilnehmenden auf den Boden oder leisteten erheblichen Widerstand.

 

 

 

Waren bekannte Protagonisten des rechten Spektrums bisher eher unter den sogenannten „alternativen Medien“ vertreten, befanden sich diese Woche erstmals auch NPD- und AfD- Funktionäre unter den Teilnehmenden. Darunter waren der Landesvorsitzende der NPD Andreas Käfer, sowie der stellvertretende Parteivorsitzende und ehemalige Europaabgeordnete Udo Vogt, die von Mitgliedern der NPD- Jugendorganisation Junge Nationalisten begleitet wurden. Aus dem Spektrum der AfD hatte sich die Fraktion Marzahn sowie der Landtagsabgeordnete aus Brandenburg Lars Günther eingefunden.

 

Damit stehen diese Demonstrationen genau für dasein, was sie vordergründig vorgeben, zu bekämpfen.

 

 

Mittlerweile werden bundesweit Netzwerk-Gruppen aufgebaut und versucht Ableger zu gründen. Auch in rechten Telegram-Gruppen wird für diese Demo mobilisiert. Die seit dem 18.04. Demo-begleitend von den Berliner Organisatoren herausgegebene Zeitung "Demokratischer Widerstand -Nicht ohne uns" wird inzwischen auch bundesweit verteilt.

 

Die Fotos unterliegen dem Copyright. Sie sind in druckbarer, hochauflösender Qualität ohne Wasserzeichen vorhanden und können für kommerzielle wie unkommerzielle Zwecke erfragt werden.

 

recherchenetzwerk.berlin@yahoo.com

1,319 views
0 faves
0 comments
Uploaded on April 25, 2020