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08.10.2016 Berlin: Querfront-Bündnis demonstriert für Frieden | by RechercheNetzwerk.Berlin
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08.10.2016 Berlin: Querfront-Bündnis demonstriert für Frieden

Am 08.10.2016 fanden in Berlin zwei verschiedene Demonstrationen statt, die sich beide selbst in den Kontext einer Friedensbewegung stellen. Während die von Teilen der Linkspartei unterstützte Demonstration der etablierten Friedensbewegung unter dem Motto "Die Waffen nieder - Kooperation statt Nato-Konfrontation" lief, zelebrierte ein ultrarechtes Bündnis aus dem Kopf der Endgame-Gruppe, Frank Geppert und dem Betreiber eines braunen Querfrontblogs Stephan Steins unter einem neuen Label "Friedensbewegung Bundesweite Koordination (FbK)" das ewige Motto "Raus aus der Nato!“

 

Bereits die Organisation der Demonstrationen war von Überschneidungen und einem verharmlosenden Umgang mit den Rechten gekennzeichnet, so dass der die Webseite der Altfriedensbewegten schmückende Beisatz "Auf unserer Demonstration gibt es keinen Platz für völkische Ideologien, Rassismus und Rechtspopulismus" zum Lippenbekenntnis und zur Farce verkam. Beispielsweise hatte der ohnehin schon mit den "Montagsdemos für den Frieden" kooperierende Sprecher des Dachverbands der etablierten Friedensbewegung, Reiner Braun, nicht nur intensiv bei dem bei Rechten beliebten Ken Jebsen für seine Demonstration geworben, beide Veranstaltungen nutzten zum Verwechseln ähnliche Logos und hatten ihren Start- und Endpunkt zur selben Zeit jeweils nur einen Steinwurf voneinander getrennt. Der Treffpunkt für die Demonstration um Frank Geppert und Stephan Steins war die Weltzeituhr am Alexanderplatz. Die Demonstration der Altfriedensbewegten, die am Ende ca. 5000 Teilnehmer_innen lockte, traf sich an der Ecke Alexanderplatz/ Otto-Braun-Straße.

 

Erstere zog, wie erwartet, eine gruselige Melange von ca. 300 Teilnehmer_innen an, darunter bekannte Gesichter der Mahnwachen-Szene, Bärgida- Aktivist_innen, Endgame-Anhänger_innen, Compact-Fans, die antisemitischen Politgruppen "Antiimperialistische Aktion“ und die "Mütter gegen den Krieg", sowie mindestens einen bekannten Neonazi und zwei Männer mit antisemitischen Schildern, wovon eins die Shoah leugnete.

Immer wieder verirrten sich auch Altfriedensbewegte in diese krude Gruppe. Nicht wenige liefen am Ende auch mit und verhalfen dieser Gruppierung zu einer größeren Teilnehmer_innenzahl. Der Mann mit dem Schild, das die Shoa leugnete, wurde nach Hinweisen aufgefordert, die Leugnung durch Hochklappen eines Teils des Textes zu verbergen. An dem verbleibenden antisemitischen Inhalt und dem sich auf der Rückseite befindenden Zitat Horst Mahlers störte sich die Demo-Leitung dagegen nicht.

Als Hauptredner dieser Veranstaltung kann man den Palästinenser Said Dudin bezeichnen. Er sprach die gesamte Wegstrecke als auch auf der Abschlusskundgebung vor der US-Amerikanischen Botschaft. Weitere Redeanteile hatten der Versammlungsleiter Frank Geppert, der Mahnwächter Thorsten Hartmann und auch Julian Sigel von der Antiimperialistischen Aktion, die den Aufzug mit einem großen Transparent vorne anführte. Immer wieder ertönten auf dieser Demonstration Chöre wie „Ami go Home“, „Mit Baschar bis zum Sieg - gegen Terror gegen Krieg“ oder auch Solidaritätsrufe mit einer Intifada.

 

Frank Geppert, der sich unwidersprochen als Teil des großen Friedensbündnisses der etablierten Friedensbewegung versteht und inszeniert, beendete die Veranstaltung rechtzeitig mit der Aufforderung, die auf der anderen Seite des Brandenburger Tores eintreffende Demonstration der etablierten Friedensbewegung mit der eigenen Präsenz zu unterstützen und die angekündigte Rede von Sahra Wagenknecht anzuhören. So kam es dann zur absurden, aber vorhersehbaren Situation, dass beide Veranstaltungen am Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor zu einer Menschenmenge verschmolzen. Ein Schild, das Merkel an den Galgen wünschte, wurde dabei von den Altfriedensbewegten ebenso toleriert wie die Aufforderung Merkel und Obama nach Den Haag zu schicken. Einzig und alleine eine kleine Gruppe Antifaschist_innen störte sich an dem Schild mit dem Mahler-Zitat und nahmen es dem Träger ab. Anschließend versuchten sie ihn und den ebenfalls in die Menschenmenge eingetauchten Dietmar Gröper (Identitäre/ Afd) aus der Kundgebung zu drängen. Dieser Versuch jedoch scheiterte nicht zuletzt an der Polizei, die den extremen Rechten sogar Polizeischutz boten und ihr Bleiben absicherten. Die restlichen namenhaften Rechten waren zu dieser Zeit bereits komplett in der Menschenmenge verschwunden. Dass es unbemerkt bliebt ist wenig glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass gerade Reiner Braun dieses Spektrum von vielen Veranstaltungen her gut kennt. Erst am 1. Oktober sprach er genau vor diesem Publikum auf einer Kundgebung von Ken Jebsen.

 

Die Fotos unterliegen dem Copyright. Sie sind in druckbarer, hochauflösender Qualität ohne Wasserzeichen vorhanden und können für kommerzielle wie unkommerzielle Zwecke erfragt werden.

 

recherchenetzwerk.berlin@yahoo.com

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Taken on October 8, 2016