Was kostet die Energiewende?

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    Die Entwicklung der Strompreise ist zentrales Thema vieler Diskussionen zur Entwicklung des Energiemarktes im Allgemeinen wie auch zu den Kosten der Energiewende im Speziellen. Viele Analysen konzentrieren sich dabei vor allem auf die Kosten, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), also durch die Förderung der erneuerbarer Energien, entstehen. Diese Fokussierung greift jedoch zu kurz. Denn erstens bildet die EEG-Umlage nicht den einzigen Stromkostenbestandteil mit steigender Tendenz, zweitens wirken die geförderten Strommengen im Großhandelsmarkt für Strom preisdämpfend und drittens beinhaltet die EEG-Umlage auch eine ganze Reihe von industriepolitisch motivierten Umverteilungsmechanismen.

    Die Grafik zeigt den Energiewende-Kosten-Index des Öko-Instituts, der verschiedene Einflussfaktoren auf den Strompreis in der zeitlichen Entwicklung von 2003 bis 2015 abbildet. Wichtig ist es, zwischen der allgemeinen Stromkostenentwicklung und der auf die Energiewende zurückzuführenden Kosten zu differenzieren. Die allgemeine Stromkostenentwicklung wird durch die massiv gestiegenen Kosten für Brennstoffpreise auf den globalen Märkten sowie die Umverteilungseffekte getrieben, die entstehen, weil energieintensive Industrie und große Stromverbraucher keine bzw. deutlich geringere Abgaben für EEG- und Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Umlage zahlen müssen.

    Zu den Kosten, die der Energiewende zuzurechnen sind, gehören neben der Förderumlage für die Erneuerbaren (deutsche Politik), die Kosten für CO2-Zertifikate aus dem Emissionshandel (EU-Politik).

    Der Energiewende-Kosten-Index zeigt in der Gesamtbewertung der Energie- und Klimaschutzpolitik, dass die Strompreise aufgrund der Energiewende bis 2013 um 3,9 Cent pro Kilowattstunde gestiegen sein werden. Davon entfällt ein Anteil von 0,7 Cent auf die Kosteneffekte des CO2-Emissionshandels. Insgesamt entfällt auf die mit der Energiewende verbundenen Netto-Kosten aktuell ein Anteil von etwa 55 Prozent der seit 2003 zu bilanzierenden Kostensteigerungen, die im Rahmen des Energiewende-Kosten-Index berücksichtigt werden. Die andere Hälfte der Kostensteigerungen ist auf Preissteigerungen bei fossilen Brennstoffen und industriepolitisch motivierte Ausnahmen zurückzuführen.

    Die Darstellung macht im Einzelnen deutlich, dass:

    • seit dem Jahr 2003 die Brennstoffpreise massiv gestiegen sind. Für den Durchschnitt einer typischen Beschaffungsstruktur für Endkundenlieferungen ergibt sich ein Preisanstieg von etwa 2,1 Cent pro Kilowattstunde Strom (ct/kWh).

    • die energiepolitisch motivierten Ausnahmen für die Industrie 1,2 ct/kWh ausmachen.

    • bedingt durch die zurzeit niedrigen CO2-Preise die CO2-Kosten für den Durchschnitt der hier unterstellten Beschaffungsstruktur derzeit nur 0,7 ct/kWh betragen.

    • korrigiert um die Umverteilungseffekte durch die Privilegierung signifikanter Kundengruppen die Summe aus EEG-Umlage und KWK-Umlage im Zeitraum 2003 bis 2012 um 3,5 ct/kWh gestiegen ist.

    • die Kosten dämpfenden Effekte der erneuerbaren Energien und der KWK auf den Großhandelsmärkten für Strom aktuell mit einer Größenordnung von 0,3 ct/kWh veranschlagt werden können.

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