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Budapest Keleti | by MichaelGubi
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Budapest Keleti

Bahnhof Keleti, Budapest. 3.September 2015: Flüchtlinge schlafen im Atrium des Bahnhofsvorplatzes.

 

Die im Jahr 2015 stetig anwachsenden Flüchtlingsströme aus Asien führten gegen Ende August zu chaotischen Umständen am Budapester Bahnhof „Keleti pályaudvar“ (kurz: Keleti; Ostbahnhof). Tausende Flüchtlinge* (zum Großteil aus Syrien und anderen asiatischen Ländern) strandeten auf ihrem Weg in eine erhoffte bessere Zukunft an diesem Ort. Obwohl Ungarn als Mitgliedsland der Europäischen Union nach geltendem europäischen Recht (Dublin-III-Verordnung) für das Asylverfahren dieser Menschen verantwortlich gewesen wäre, bevorzugten die meisten Flüchtlinge zum Stellen ihres Asylantrags eine Weiterreise nach Westeuropa, hier insbesondere nach Deutschland**, da sie sich dort bessere Aussicht auf eine positive Beurteilung ihres Asylgesuches erhofften***.

 

Aufgrund der dynamischen, teils auch chaotischen Entwicklung der Ereignisse ist eine umfassende Berichterstattung schwer möglich. Hier sind einige wichtige Ereignisse der letzten Tage aufgeführt.

 

-Montag, 31. August 2015: Etwa 2000 Menschen schaffen es den Railjet 64 nach Wien zu besteigen. Am Nachmittag kommen sie dort an und reisen zum Großteil gleich nach München weiter.

-Dienstag, 1. September 2015: Die Polizei sperrt den Bahnhof Keleti, nachdem sie ihn zuvor geräumt hat. Der Zugverkehr kommt für einige Stunden zum Erliegen, wird dann aber wieder aufgenommen. Den Bahnhof dürfen ab diesem Zeitpunkt nur noch Personen mit gültigem Ausweis und einer EU-Aufenthaltsberechtigung betreten.

-Donnerstag, 3. September 2015: Gegen 9 Uhr morgens zieht die Polizei ihre Mannschaften von den Eingängen des Bahnhofs ab, woraufhin tausende Menschen den Bahnhof stürmen. In der Hoffnung auf einen Zug Richtung Westen kämpfen hunderte Menschen um Plätze auf den im Bahnhof abgestellten Zügen. Der internationale Bahnverkehr Richtung Westen wurde jedoch schon zuvor aus „Gründen der Sicherheit“ auf unbekannte Dauer eingestellt. Nachdem sich diese Nachricht herumgesprochen hat, beruhigt sich die Lage wieder.

Um etwa 12 Uhr fährt ein Zug Richtung Ödenburg (Sopron) nahe der österreichischen Grenze mit 2 Stunden Verspätung auf die geplante Abfahrtzeit ab. In der Hoffnung auf einen Anschlusszug nach Österreich befinden sich etwa 500 Migranten auf diesem Zug. Doch bereits im Bahnhof Bicske etwa 30 Kilometer westlich von Budapest wird dieser Zug von der Polizei angehalten. Reisende mit EU-Aufenthaltsberechtigung werden aus dem Zug eskortiert und zu einem später ankommenden Zug geleitet, welcher die geplante Fahrt fortsetzt. Aus Protest weigern sich die meisten Migranten den Zug zu verlassen und sich wie von der Polizei geplant in ein Flüchtlingslager bringen zu lassen.

 

-Freitag, 4. September 2015: Einige tausend Migranten beginnen einen Fußmarsch vom Bahnhof Keleti über Straßen und Autobahnen Richtung Westen.

Im Tags zuvor in Bicske aufgehaltenen Zug verlassen die letzten Migranten den Zug und werden von der Polizei in ein Flüchtlingslager transportiert.

Am Abend gibt die ungarische Regierung bekannt die Migranten vom Bahnhof Keleti sowie die bereits zu Fuß losmarschierten Personen mit Bussen zur österreichischen Grenze bringen zu wollen.

-Samstag, 5. September 2015: Im Lauf des Tages kommen bis zu 10000 Flüchtlinge in Österreich an. Zunächst erreichen die meisten die Grenze zu Fuß nach einem mehreren Kilometer langen Fußmarsch, nachdem sie in Ungarn von Bussen in Grenznähe gebracht worden sind. Im Verlauf des Tages überqueren die Grenze auch immer mehr Flüchtlinge in Zügen aus Ungarn, welche sie zu diesem Zeitpunkt anscheinend wieder ungehindert besteigen dürfen.

 

* Eine genaue Schätzung ist aufgrund der örtlich wie auch zeitlich unübersichtlichen Verhältnisse schwer möglich.

**Deutschland schien Ende August und Anfang September die Traumdestination der meisten Menschen am Bahnhof Keleti. Unzählige auf Schildern und Wände geschriebene Botschaften und skandierte „Germany“-Sprechchöre zeugten davon. Zum Teil dürfte dafür die Aussage von Kanzlerin Merkel verantwortlich sein, dass Deutschland syrische Flüchtlinge nicht mehr in die gemäß Dublin-Abkommen verantwortlichen Länder zurückschicken werde.

***Da ein beträchtlicher Teil der am Budapester Bahnhof verweilenden Flüchtlinge auf ihrer Flucht bereits das EU-Mitgliedsland Griechenland passiert hat, wäre für diese Flüchtlinge eigentlich Griechenland zuständig. Aber auch hier bevorzugen die meisten Flüchtlinge die Weiterfahrt in ein finanziell besser aufgestelltes EU-Mitgliedsland um dann dort einen Asylantrag zu stellen.

 

 

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Taken on September 3, 2015