18. Juni 2016, Merseburg
18. Juni 2016, Merseburg: Mit NS-Revolutionsträumereien bis in Plattenbau geschafft
Seit 2010 veranstalten Neonazis in Merseburg jährlich eine Demonstration anlässlich des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR. Dabei versuchen sich stets als die Erben der Aufständischen zu gerieren, da sie sich in der heutigen Bundesrepublik so unfrei fühlen wie die BürgerInnen der damaligen DDR. Abnehmende Teilnehmerzahlen haben sowohl die Neonazis als auch die Gegenproteste vom Bündnis „Merseburg gegen Rechts“ zu verzeichnen. Gegen die 125 Neonazis gingen laut Veranstalterangaben etwa 250 Personen an unterschiedlichen Punkten in der Stadt auf die Straße.
Bei den Neonazis vom „Kollektiv Mitteldeutschland“ (selbst zuletzt als „Kampfbündnis Mitteldeutschland“ bezeichnet) haben sich diesmal verstärkt Personen eingereiht, die seit Monaten in Merseburg-West gegen Asylpolitik demonstrieren. Die „besorgten Bürger“ sind augenscheinlich bei den Neonazis angekommen. Bei Forderungen nach „Nationalem Sozialismus“ und Parolen wie „Ein Hammer, ein Stein, ins Arbeitslager rein“, „Ein Baum, ein Strick, ein Antifa-Genick“ oder „Antifa Hurensöhne“ ist der Merseburg-West-Mob grinsend mit dabei.
Jennifer Rodrian („Nationales Kollektiv Anhalt“) moderiert als Versammlungsleiterin die Veranstaltung. Sie versucht bei der Zwischenkundgebung in Merseburg-West die Anwesenden zur Ordnung und Geschlossenheit der Veranstaltung und zum selbst auferlegten Rauchverbot zu ermahnen: „Kameraden, die meinen, sich Eis holen zu müssen, bei Netto, können direkt da drin bleiben“, fügt sie an, nachdem Dessauer und Hallenser Teilnehmende im Supermarkt verschwanden. Applaus bekommt die Neonazistin für die zweischneidige Erkenntnis: „Auch wenn wir heute lange nicht die Anzahl sind, … sind wir heute weiter gelaufen, weiter gekommen in dieser rotversifften Stadt als die letzten drei Jahre zusammen.“
„Ihr wollt Krieg, dann könnt ihr Krieg gerne haben“, eröffnet Alexander Kurth (Die Rechte Sachsen) seine Rede mit einer Ansage in Richtung der Mitarbeitenden des Ordnungsamtes Saalekreis, die als Versammlungsbehörde vor Ort sind. In Merseburg „steht das schlechte Gewissen des Regimes auf der Straße, es steht hier im Kampf um die Freiheit und für die Wahrheit“, fabuliert Kurth zur Selbstverortung des eigenen Dunstkreises gegenüber der hier herrschenden „Unfreiheit“ und „gegen dieses Schweinesystem“. „Dieses System wird solange unseren Widerstand ertragen müssen, bis es hinweggefegt ist“, verkündet der Leipziger. Auch die PolizeibeamtInnen sollen sich mal wieder entscheiden, ob sie auf der Seite eines „Regimes“ oder „auf der Seite des anständigen Deutschlands“ stehen möchten – gemeinsam mit dem hier angetretenen, Parolen grölenden Mob, der „Widerstand“ leiste „gegen diese asoziale Asyldiktatur, gegen dieses menschenfeindliche System der Schande“. Endlich hat mal jemand das dumpfe Gefühl vom Abgehängt-sein und der Überforderung mit der gesellschaftlichen Realität klarzukommen in Sätze aneinander gereiht. Der anwesende Mob applaudiert.
„Freiheit wird nicht erbettelt, sie wir erkämpft“, schwelgt der Neonazi – angelehnt an die Aufstände vom 17. Juni 1953 in der DDR – in Revolutionsfantasien. Für diesen Kampf solle man auch bereit sein, „staatlichen Terror“, Gewalt „von ihren neobolschewistischen Schutztruppen“ oder Haftstrafen in Kauf zu nehmen. „Die menschlichen Stolpersteine der Anti-Demokratie … krakeelen ‚Nazis raus‘ und meinen uns Deutsche“, nimmt Kurth auf Gegendemonstranten Bezug.
Am Schluss seiner Rede platziert er noch „Kampfesgrüße aus Niedersachsen“ von Dieter Riefling, der kürzlich erst aus „der Systemhaft entlassen“ wurde. Unter Anderem eine Straftat bei einer Merseburger Demonstration hatte den Neonazi ein paar Monate hinter Gitter gebracht. Das „Kollektiv Mitteldeutschland“ hatte für die Demonstration einen „Überraschungsgast“ angekündigt. Riefling sagte aber kurzfristig wieder ab. Mit „Blockflöten der etablierten Volksvergifter“ und anderen Schmähungen tituliert Alexander Kurth u.a. „Die Grünen“ und einen aus Merseburg stammenden Landtagsabgeordneten.
Mit beständig monoton-krächzender Stimme quält auch Michel Fischer (Die Rechte Thüringen) mal wieder dieselben Worthülsen durch das Megafon, die in unterschiedlicher Aneinanderreihung wieder und wieder auf Demonstrationen von ihm zu hören sind.
Der Hallenser Michael Schneider versucht sich ebenso im Ablesen eines Redebeitrags und beklagt eine „gezielte Hetzjagd auf uns Deutsche“. Wenn „Kameraden“ in Halle / Neustadt eine „mit Kopftuch verschleierte Person“ zur Rede stellen wollten, mussten die Kameraden sich plötzlich „mit wahllosen Gegenständen versuchen zu verteidigen“. Letztlich folgten Anzeigen gegen die Kameraden, bejammert Schneider, obwohl man doch nur „sich und seine Familien vor diesen Berserkern beschützen“ wollte. Er stammelt weiter von mangelnder Bildung, Untergang, Werteverfall und von „schwulen und pädophilen Bastarden, die uns da oben regieren wollen“. Die eigenen Kinder solle man „nicht alles glauben“ lassen, „was man ihnen in den Schulen versucht beizubringen und zeigen tut“.
[Man hat mal wieder den Eindruck, dass diese propagierte Bildungsverweigerung von manchen Menschen erfolgreich praktiziert wird.]
„Die Idioten auf der anderen Seite der Stadt, dieses rotverseuchte und ungewaschene antifaschistische Jugend, angeführt und bezahlt von den sogenannten Gutmenschen, Refugees-Welcome-Deppen und IG-Metallern“, will Schneider nicht unberücksichtigt lassen. Er schließt ab mit Durchhalteparolen für die „lieben Volksgenosse“, sich von Staat und Polizei nicht brechen zu lassen.
Von versuchtem „Abwerben“ und „Einschüchtern“ von Kameraden durch den Verfassungsschutz im Vorfeld der Demonstration lamentiert Jennifer Rodrian (Anhalt-Bitterfeld), um entgegen zu halten: „Unsere Vorfahren sind bei minus 30 Grad zum Teil erfroren im Krieg. Sie haben gekämpft, sie sind gefoltert worden und haben sich nicht brechen lassen. Sie haben nicht aufgegeben und haben keinen verraten. Dann können wir mit dem bisschen Schikane umgehen.“ „Die Revolution beginnt auf der Straße. … Jetzt, wenn wir anfangen zu kämpfen und dafür ist es ein für alle Mal Zeit“, schwadroniert Rodrian als Versammlungsleiterin zum Abschluss der Zwischenkundgebung.
Nicht als „Nationaldemokraten“ sondern als „Nationale Sozialisten“ will man sich verstanden wissen, beton Robert Klug (Anhalt-Bitterfeld) als Redner. Er will nicht mit PEGIDA verwechselt werden und ist auch „kein Israel-Freund“ – sondern „deutscher Volksgenosse und Nationaler Sozialist“. „Wir gehen nicht auf die Straße, um Freundschaft mit Israel zu haben“, auch nicht um Prozente oder Plätze in Parlamente zu bekommen, stellt Klug seine Ablehnung von demokratischem Parlamentarismus klar. Auch Klug kommt nicht an diversen Diffamierungen gegen „Die Grünen“ und den lokalen Landtagsabgeordneten vorbei. Heute, bringt er in gebrochenen Sätzen zum Ausdruck, stehe man „für Selbstbestimmung“ und eine „deutsch-nationalsozialistische Regierung“ auf der Straße.
[Ja, er hat tatsächlich: „deutsch-nationalsozialistische Regierung“ gesagt]
Daniela Hermann (Die Rechte Sachsen, Bautzen/ mittlerweile Dessau) versucht sich an einem historischen Diskurs zum 17. Juni 1953. Ein Passant fühlt sich vom Bahnsteig aus genötigt, den Neonazis mitzuteilen, dass ihre Darstellung der Geschichte falsch sei. Hermann ist irritiert. „In den letzten Jahrzehnten hat sich nicht viel geändert“, so Hermann. Nur „sind die Repressalien anders heute“. Sie schwadroniert von „Berufsverboten“, „Wegnahme der Kinder“ und „Druck auf Familie, Freunde und Bekannte“ dem man heute ausgesetzt sei. „Wir sind die Generation, die es in der Hand hat, diesen Kampf zu führen … und wenn es das Letzte ist, was wir tun“, bringt auch die kürzlich nach Dessau verzogene ihre Revolutionsfantasien zum Ausdruck.
„Die Linksfaschisten konnten uns keinen Zentimeter aufhalten“ freut sich Jennifer Rodrian, als die Demonstration wieder am Schotterplatz angekommen ist und resümiert daraufhin: „Wir sind das Volk und wir haben Recht“. „Merseburg ist eine Stadt der Revolution und wird es auch immer bleiben“, greift Rodrian Minuten später nochmal in die Kiste für pathetische Phrasen, bevor sie die Versammlung beendet.
Verstöße gegen die von der Versammlungsbehörde erteilten Auflagen – wie die Menschenwürde Anderer nicht zu verletzen, sie nicht verächtlich zu machen oder zu verleumden sowie Behörden, Institutionen oder Personen nicht zu diffamieren und den Nationalsozialismus nicht zu relativieren – haben für die zuständige Versammlungsbehörde offensichtlich keine Bedeutung. Vielfache Auflagenverstöße durch Demonstrationsteilnehmende unter den Augen und Ohren von Ordnungsamt und Polizei ohne erkennbare Konsequenzen können von Neonazis nur als Freibrief für verstanden werden und ermutigen zur Wiederholung.
Seit 2010 veranstalten Neonazis in Merseburg jährlich eine Demonstration anlässlich des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR. Dabei versuchen sich stets als die Erben der Aufständischen zu gerieren, da sie sich in der heutigen Bundesrepublik so unfrei fühlen wie die BürgerInnen der damaligen DDR. Abnehmende Teilnehmerzahlen haben sowohl die Neonazis als auch die Gegenproteste vom Bündnis „Merseburg gegen Rechts“ zu verzeichnen. Gegen die 125 Neonazis gingen laut Veranstalterangaben etwa 250 Personen an unterschiedlichen Punkten in der Stadt auf die Straße.
Bei den Neonazis vom „Kollektiv Mitteldeutschland“ (selbst zuletzt als „Kampfbündnis Mitteldeutschland“ bezeichnet) haben sich diesmal verstärkt Personen eingereiht, die seit Monaten in Merseburg-West gegen Asylpolitik demonstrieren. Die „besorgten Bürger“ sind augenscheinlich bei den Neonazis angekommen. Bei Forderungen nach „Nationalem Sozialismus“ und Parolen wie „Ein Hammer, ein Stein, ins Arbeitslager rein“, „Ein Baum, ein Strick, ein Antifa-Genick“ oder „Antifa Hurensöhne“ ist der Merseburg-West-Mob grinsend mit dabei.
Jennifer Rodrian („Nationales Kollektiv Anhalt“) moderiert als Versammlungsleiterin die Veranstaltung. Sie versucht bei der Zwischenkundgebung in Merseburg-West die Anwesenden zur Ordnung und Geschlossenheit der Veranstaltung und zum selbst auferlegten Rauchverbot zu ermahnen: „Kameraden, die meinen, sich Eis holen zu müssen, bei Netto, können direkt da drin bleiben“, fügt sie an, nachdem Dessauer und Hallenser Teilnehmende im Supermarkt verschwanden. Applaus bekommt die Neonazistin für die zweischneidige Erkenntnis: „Auch wenn wir heute lange nicht die Anzahl sind, … sind wir heute weiter gelaufen, weiter gekommen in dieser rotversifften Stadt als die letzten drei Jahre zusammen.“
„Ihr wollt Krieg, dann könnt ihr Krieg gerne haben“, eröffnet Alexander Kurth (Die Rechte Sachsen) seine Rede mit einer Ansage in Richtung der Mitarbeitenden des Ordnungsamtes Saalekreis, die als Versammlungsbehörde vor Ort sind. In Merseburg „steht das schlechte Gewissen des Regimes auf der Straße, es steht hier im Kampf um die Freiheit und für die Wahrheit“, fabuliert Kurth zur Selbstverortung des eigenen Dunstkreises gegenüber der hier herrschenden „Unfreiheit“ und „gegen dieses Schweinesystem“. „Dieses System wird solange unseren Widerstand ertragen müssen, bis es hinweggefegt ist“, verkündet der Leipziger. Auch die PolizeibeamtInnen sollen sich mal wieder entscheiden, ob sie auf der Seite eines „Regimes“ oder „auf der Seite des anständigen Deutschlands“ stehen möchten – gemeinsam mit dem hier angetretenen, Parolen grölenden Mob, der „Widerstand“ leiste „gegen diese asoziale Asyldiktatur, gegen dieses menschenfeindliche System der Schande“. Endlich hat mal jemand das dumpfe Gefühl vom Abgehängt-sein und der Überforderung mit der gesellschaftlichen Realität klarzukommen in Sätze aneinander gereiht. Der anwesende Mob applaudiert.
„Freiheit wird nicht erbettelt, sie wir erkämpft“, schwelgt der Neonazi – angelehnt an die Aufstände vom 17. Juni 1953 in der DDR – in Revolutionsfantasien. Für diesen Kampf solle man auch bereit sein, „staatlichen Terror“, Gewalt „von ihren neobolschewistischen Schutztruppen“ oder Haftstrafen in Kauf zu nehmen. „Die menschlichen Stolpersteine der Anti-Demokratie … krakeelen ‚Nazis raus‘ und meinen uns Deutsche“, nimmt Kurth auf Gegendemonstranten Bezug.
Am Schluss seiner Rede platziert er noch „Kampfesgrüße aus Niedersachsen“ von Dieter Riefling, der kürzlich erst aus „der Systemhaft entlassen“ wurde. Unter Anderem eine Straftat bei einer Merseburger Demonstration hatte den Neonazi ein paar Monate hinter Gitter gebracht. Das „Kollektiv Mitteldeutschland“ hatte für die Demonstration einen „Überraschungsgast“ angekündigt. Riefling sagte aber kurzfristig wieder ab. Mit „Blockflöten der etablierten Volksvergifter“ und anderen Schmähungen tituliert Alexander Kurth u.a. „Die Grünen“ und einen aus Merseburg stammenden Landtagsabgeordneten.
Mit beständig monoton-krächzender Stimme quält auch Michel Fischer (Die Rechte Thüringen) mal wieder dieselben Worthülsen durch das Megafon, die in unterschiedlicher Aneinanderreihung wieder und wieder auf Demonstrationen von ihm zu hören sind.
Der Hallenser Michael Schneider versucht sich ebenso im Ablesen eines Redebeitrags und beklagt eine „gezielte Hetzjagd auf uns Deutsche“. Wenn „Kameraden“ in Halle / Neustadt eine „mit Kopftuch verschleierte Person“ zur Rede stellen wollten, mussten die Kameraden sich plötzlich „mit wahllosen Gegenständen versuchen zu verteidigen“. Letztlich folgten Anzeigen gegen die Kameraden, bejammert Schneider, obwohl man doch nur „sich und seine Familien vor diesen Berserkern beschützen“ wollte. Er stammelt weiter von mangelnder Bildung, Untergang, Werteverfall und von „schwulen und pädophilen Bastarden, die uns da oben regieren wollen“. Die eigenen Kinder solle man „nicht alles glauben“ lassen, „was man ihnen in den Schulen versucht beizubringen und zeigen tut“.
[Man hat mal wieder den Eindruck, dass diese propagierte Bildungsverweigerung von manchen Menschen erfolgreich praktiziert wird.]
„Die Idioten auf der anderen Seite der Stadt, dieses rotverseuchte und ungewaschene antifaschistische Jugend, angeführt und bezahlt von den sogenannten Gutmenschen, Refugees-Welcome-Deppen und IG-Metallern“, will Schneider nicht unberücksichtigt lassen. Er schließt ab mit Durchhalteparolen für die „lieben Volksgenosse“, sich von Staat und Polizei nicht brechen zu lassen.
Von versuchtem „Abwerben“ und „Einschüchtern“ von Kameraden durch den Verfassungsschutz im Vorfeld der Demonstration lamentiert Jennifer Rodrian (Anhalt-Bitterfeld), um entgegen zu halten: „Unsere Vorfahren sind bei minus 30 Grad zum Teil erfroren im Krieg. Sie haben gekämpft, sie sind gefoltert worden und haben sich nicht brechen lassen. Sie haben nicht aufgegeben und haben keinen verraten. Dann können wir mit dem bisschen Schikane umgehen.“ „Die Revolution beginnt auf der Straße. … Jetzt, wenn wir anfangen zu kämpfen und dafür ist es ein für alle Mal Zeit“, schwadroniert Rodrian als Versammlungsleiterin zum Abschluss der Zwischenkundgebung.
Nicht als „Nationaldemokraten“ sondern als „Nationale Sozialisten“ will man sich verstanden wissen, beton Robert Klug (Anhalt-Bitterfeld) als Redner. Er will nicht mit PEGIDA verwechselt werden und ist auch „kein Israel-Freund“ – sondern „deutscher Volksgenosse und Nationaler Sozialist“. „Wir gehen nicht auf die Straße, um Freundschaft mit Israel zu haben“, auch nicht um Prozente oder Plätze in Parlamente zu bekommen, stellt Klug seine Ablehnung von demokratischem Parlamentarismus klar. Auch Klug kommt nicht an diversen Diffamierungen gegen „Die Grünen“ und den lokalen Landtagsabgeordneten vorbei. Heute, bringt er in gebrochenen Sätzen zum Ausdruck, stehe man „für Selbstbestimmung“ und eine „deutsch-nationalsozialistische Regierung“ auf der Straße.
[Ja, er hat tatsächlich: „deutsch-nationalsozialistische Regierung“ gesagt]
Daniela Hermann (Die Rechte Sachsen, Bautzen/ mittlerweile Dessau) versucht sich an einem historischen Diskurs zum 17. Juni 1953. Ein Passant fühlt sich vom Bahnsteig aus genötigt, den Neonazis mitzuteilen, dass ihre Darstellung der Geschichte falsch sei. Hermann ist irritiert. „In den letzten Jahrzehnten hat sich nicht viel geändert“, so Hermann. Nur „sind die Repressalien anders heute“. Sie schwadroniert von „Berufsverboten“, „Wegnahme der Kinder“ und „Druck auf Familie, Freunde und Bekannte“ dem man heute ausgesetzt sei. „Wir sind die Generation, die es in der Hand hat, diesen Kampf zu führen … und wenn es das Letzte ist, was wir tun“, bringt auch die kürzlich nach Dessau verzogene ihre Revolutionsfantasien zum Ausdruck.
„Die Linksfaschisten konnten uns keinen Zentimeter aufhalten“ freut sich Jennifer Rodrian, als die Demonstration wieder am Schotterplatz angekommen ist und resümiert daraufhin: „Wir sind das Volk und wir haben Recht“. „Merseburg ist eine Stadt der Revolution und wird es auch immer bleiben“, greift Rodrian Minuten später nochmal in die Kiste für pathetische Phrasen, bevor sie die Versammlung beendet.
Verstöße gegen die von der Versammlungsbehörde erteilten Auflagen – wie die Menschenwürde Anderer nicht zu verletzen, sie nicht verächtlich zu machen oder zu verleumden sowie Behörden, Institutionen oder Personen nicht zu diffamieren und den Nationalsozialismus nicht zu relativieren – haben für die zuständige Versammlungsbehörde offensichtlich keine Bedeutung. Vielfache Auflagenverstöße durch Demonstrationsteilnehmende unter den Augen und Ohren von Ordnungsamt und Polizei ohne erkennbare Konsequenzen können von Neonazis nur als Freibrief für verstanden werden und ermutigen zur Wiederholung.
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