Theater 2019 in Weywertz
Theater: Premiere der anspruchsvollen Komödie "Nichts als Kuddelmuddel"
Das perfekte Bühnenchaos

Weywertz.

Die Theatergruppe St. Michael Weywertz nimmt mit ihrem neuesten Stück all die Pannen aufs Korn, die bei einer Theateraufführung passieren können. Mit dem neuen Stück „Nichts als Kuddelmuddel“ wagt sich die örtliche Theatergruppe an einen Zwei-Akter voller Gegensätze heran. Charaktere, Darstellung, Dialoge – die dargestellte Wandlung von einer Generalprobe zur Premiere steckt voller Überraschungen.

Von Lothar Klinges

Ein vergnüglicher turbulenter Theaterabend und ein Anschlag auf die Lachmuskulatur präsentierten die Weywertzer Schauspieler in einer für eine Laienspielgruppe geradezu professionelle Art mit dem Lustspiel "Nichts als Kuddelmuddel" von Jürgen Hörner. Im Saal Hermann dankte das Publikum den Darstellern, die allesamt in ihren Doppelrollen glänzten, am Ende des Abends mit Standing Ovations.

Wenn sich bei einem Theaterstück die Souffleuse mit der Taschenlampe unterm Tisch versteckt, wenn Bilder schief hängen, eine Postkarte gesucht wird und die Haustürglocke ausfällt, frustrierte Schauspieler um den Text ringen und alles im Chaos zu versinken droht, dann kann das für die Zuschauer äußerst vergnüglich sein. Die Weywertzer Theatergruppe nimmt mit ihrem neuesten Stück all die Pannen aufs Korn, die bei einer Theateraufführung passieren können.

Wer Theater spielt, fürchtet sie und weiß doch, dass er immer mit ihnen rechnen muss. Pannen unterm Scheinwerferlicht sind das Letzte, was Schauspieler sich wünschen, und doch ist vor ihnen auf der Bühne niemand sicher. Der sonst so zuverlässig einstudierte Text: futsch! Wo eigentlich die Sätze abrufbereit auf den grauen Zellen sitzen, herrscht absolute Leere. Fehlende Requisiten, Schauspieler, die ihren Auftritt verpennen, Telefone, die klingeln sollten und stumm bleiben – es gibt kein Malheur, das es auf der Bühne nicht gibt. Die Weywertzer Theatergruppe strickt aus diesem Dilemma in diesem Jahr ein spezielles Theatervergnügen. Die Amateurschauspieler nehmen mit ihrer neuesten Inszenierung eben jene Pannen aufs Korn. „Nichts als Kuddelmuddel“ heißt die turbulente Komödie, mit der am vergangenen Sonntag in die Theatersaison gestartet wurde. Die Schauspieler mimten eine Theatergruppe, die ein Stück aufführt, bei dem so ziemlich alles schief geht. Das ist eine Herausforderung. Pannen, die über einen hereinbrechen, können Schauspieler – oft genug schweißgebadet und mit rasendem Herzen – immer irgendwie wieder glätten.

Im ersten Akt versucht eine illustre Schauspieltruppe eine Generalprobe auf die Bühne zu bringen. Hier ein fehlendes Requisit, dort ein überforderter Bühnentechniker und vor allem die verworrenen Beziehungskisten der Schauspieler im Stück machen dies zu einem schwierigen Unterfangen. Wer jedoch meint, dass nach einer verpatzten Generalprobe nichts mehr schief gehen kann, wird im zweiten Akt eines Besseren belehrt. Der Zuschauer befindet sich nun bei der Premiere des Stück und bei dieser geht alles schief, was man sich nur vorstellen kann.

In der Rolle des Regisseurs, als cholerischer Casanova und als Fensterputzer, ist dieser Part Achim Theis mit halbem Schnäuzer wahrlich auf den Leib geschrieben. Beide Rollen spielt er absolut überzeugend und glaubwürdig. Er spielt den Frauenheld, der es nicht lassen kann, seine Fühler nach der holden Weiblichkeit auszustrecken und so nicht nur seine Angetraute Jolante aus dem Konzept ihrer Rolle als Madame Kassandra bringt. Vielleicht kann sie ja tatsächlich hellsehen und den Schmeichler durchschauen? Herrlich, wie sie ihm zwecks Versöhnung unnachgiebig das Schmollmündchen zum Kusse entgegenstreckt: „Küss mich!“ Der Regisseur und Fensterputzer, darauf bedacht, weder seine ehrgeizige Inszenierung noch die Ehe zu gefährden, zieht sich mit einem schmatzenden Bussi auf die Stirn Jolantes aus der Affäre. Dass das zur Besänftigung am Ende kaum reichen kann, ist klar.

Es sind diese kleinen Spielszenen in den großen, es sind die doppelbödigen, witzigen Dialoge, die Zweideutigkeiten und Halbwahrheiten, verpackt in Wortspiele, die den Reiz des Stückes ausmachen.

Das Stück lebt gleichzeitig von den zwischenmenschlichen Spannungen und Eifersüchteleien der verflossenen Geliebten Gitti, im Stück Frau Säuberlich als Putzhilfe, und der momentanen Liaison des Regisseurs, Jolante, im Spiel Madame Kassandra. Andrea Boemer, als Gitte und Catrine Marechal als Jolante spielen die Eifersuchtszenen und Sticheleien geradezu genial. Als Zuschauer gewinnt man den Eindruck von Vollblutschauspielerinnen, die wie auch die anderen Darsteller, blitzschnell den Charakter ihrer Theaterrollen wechseln können.

Der verwirrenden Beziehungskiste zwischen Regisseur, Gitti und Jolante nicht genug, kommt noch eine heimliche Liebelei des Regisseurs mit der etwas einfältig anmutenden Mitspielerin Tilda zum Tragen. Zu Beginn des zweiten Aktes werden beide von Jolante in flagranti beim Schmusen hinter den Kulissen erwischt. Dies kann Jolante natürlich nicht auf sich beruhen lassen und rächt sich beim Regisseur während der Premiere auf die eine oder andere, für den Zuschauer sehr amüsanten Art. Tilda, als Frau Buchfink im Stück, wird von Maria Mollers sehr überzeugend gespielt.

Nicht zu vergessen ist der tapsige Bühnentechniker Erich, der ständig zur falschen Zeit am falschen Ort erscheint. Sammy Fickers spielt diesen mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit und bringt den Regisseur und alle anderen Akteure mit seinen hintersinnigen Kommentaren zur Verzweiflung.

Der Pannen nicht genug, kommt nun Fred, im Stück als Werner Buchfink der Belgacom-Techniker, ins Spiel. Mit seinen ständigen Texthängern und seinem Hang, die Nervosität mit einem kräftigen Schluck aus dem Flachmann zu besänftigen, bringt er Anita, das Mädchen für alles, dargestellt von Thea Willems, und alle anderen zur Weißglut. In seiner Art, den angetrunkenen, im zweiten Akt volltrunkenen, Fred zu spielen, gebührt Ronny Fickers als Darsteller von Fred großes Lob für seine schauspielerische Leistung. Thea Willems als Anita hat es wahrlich nicht leicht, muss sie doch den kompletten zweiten Akt, gekrümmt unter dem Tisch hockend, soufflieren. Ihr darf man Respekt entgegenbringen für dieses schauspielerische Leistung.

Doch nicht nur den Schauspielern gebührt ein großes Lob, auch August Leyens, der das Ganze durch großartige Regiearbeit erst ermöglicht hat. Ihm und der ganzen Theatergruppe, vor und hinter der Bühne, ist für diese Inszenierung ein großes Kompliment auszusprechen. Die einzelnen Charaktere wurden gut herausgearbeitet, die Szenen toll ausgespielt und die Übergänge bei den vielen Doppelrollen waren hervorragend inszeniert.
Schon die Premiere war ein Erfolg, was auch der Besetzung der Schauspieler zu verdanken ist. Die Aufführung brachte die Lachmuskeln der Zuschauer richtig in Schwung, denn die Komödie mit besonders großer Spritzigkeit, schneller Handlung und extrem lustigen Momenten forderte jeden einzelnen Darsteller. Die Bühnengruppe hat bewiesen: Selbst mit so viel „Kuddelmuddel“ kann ein Theaterabend zum amüsanten Erlebnis werden.
Die Zuschauer dankten es mit Beifallsstürmen. Hier nun die weiteren Aufführungstermine, jeweils im Saal Hermann in Weywertz: um 16 Uhr am Sonntag, 20. Januar, sowie jeweils um 20 Uhr am Samstag, 19. und 26. Januar. Seit 26 Jahren tritt die Theatergruppe, die vor 53 Jahren aus dem Junggesellenverein St. Michael heraus entstanden ist, auch einmal im Jahr ohne Entgeld zugunsten eines sozialen Projektes auf. In diesem Jahr wurde mit der Vorstellung am Sonntag, 13.Januar, der Begleitende Sportclub Ostbelgien (BSC Elsenborn) unterstützt.
Kartenvorverkauf für alle Veranstaltungen bei Patrick Klückers, Tel. 0494/630038 nach 17 Uhr. Die Eintrittskarte zum Vorverkaufspreis von 6 Euro berechtigt zu einem gesicherten Sitzplatz.
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