Weltladen Neujahrsempfang 2019
Bilanz: Neujahrsempfang der Weltläden von Eupen, Eynatten und Weywertz / Gegen den Verpackungswahn
Weltläden blicken auf ein Rekordjahr zurück

Eupen

Alljährlich zu Beginn des neuen Jahres ziehen die drei ostbelgischen Weltläden beim traditionellen Neujahrsempfang Bilanz. In diesem Jahr fand dieser interne und familiäre Start ins neue Jahr am Donnerstagnachmittag im Foyer des BRF in Eupen statt. Dabei wurde auch das neue Jahresthema "Gegen den Verpackungswahn" vorgestellt.

von Lothar Klinges

Pierre De Dijcker und Martha Orban-Kerst, Mitgründer und Verantwortliche der Weltläden, durften auf ein besonderes Jahr zurückblicken. "Wir konnten das bisherige Rekordergebnis von 2016, als erstmals die Grenze von 150.000 Euro überschritten wurde, nochmals verbessern." Mit einem Gesamtumsatz von 157.000 Euro liegt das Ergebnis um fast acht Prozent über dem Ergebnis von 2017.

Dieses Resultat war nur möglich dank der guten Zusammenarbeit der 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den drei Weltläden, betonte Pierre De Dijcker, Vorsitzender der Weltläden. Während im Weltladen Eupen mit 94.400 Euro der Umsatz um 8 % und in Eynatten mit 42.400 Euro um 4 % gesteigert werden konnten, stieg der Umsatz in Weywertz sogar um 26, 5 Prozent auf 15.250 Euro.

Pierre De Dijcker erklärte, worauf dieses positive Resultat zurückzuführen ist, obwohl sich der Einzelhandel und die kleinen Geschäfte heutzutage schwer tun. Er führt dies auf die hochwertigen Produkte aus den Ländern des Südens sowie auf die breite Palette an Kunsthandwerk in allen Preislagen in den Weltläden zurück. Insbesondere in Weywertz wurde deutlich mehr Kunsthandwerk verkauft. Regionale Produkte wie die Fairebel-Milch und Marmelade fanden einen guten Absatz. Öffentliche Einrichtungen, Gemeinden, Schulen, das Parlament der DG, sowie Betriebe und Restaurants kaufen im Weltladen ein. Eine ansprechende Dekoration der Schaufenster zur Weihnachtszeit hat vor allem viel Laufkundschaft angezogen.

In ihrer Neujahrsansprache sprach Martha Orban den zahlreich erschienenen Mitarbeitern der Weltläden trotz Krise Zuversicht aus. "Die Krise ist eine Botschaft der Angst, die so laut sein kann, dass wir nichts anderes mehr hören." Hinter der Krise steckt jedoch der Umbruch für etwas Neues, das Zuversicht bedeutet. "Wir sollen über die Angst hinaus die Zukunft vor Augen halten, die dann möglich wird, wenn man bereit ist anzupacken, um etwas zu verändern." Das allerdings passe sehr gut zum Einsatz im Weltladen, wo man sich gemeinsam für den gerechten Handel engagiere, unterstrich Martha Orban.

Beim Neujahrsempfang wurde ebenfalls über die Tätigkeiten in den einzelnen Weltläden berichtet, darunter den Eine-Welt-Tag in Weywertz, die Weinprobe in Eynatten und insbesondere das 40. Geburtstagsfest der Eupener Geschaftsstelle, das ein breites Echo gefunden hat. Schwerpunkt des Jubiläums war die Sensibilisierung für den gerechten Handel. Hierzu diente auch der Solidaritätsmarsch, der als "Gässchen-Wanderung" für frohe Begeisterung gesorgt hat. Die Faire Woche im Oktober stand unter dem Leitgedanken des Klimawandels, ein Thema, das auch in 2019 vertieft werden soll. Die Mitarbeiterinnen des Weltladens führten dazu mehrere Animationen mit Kindern durch. Auch zahlreiche Schülergruppen besuchten die Weltläden und zeigten starkes Interesse. Bei der Landfrauengruppe Hergenrath war der Weltladen mit einem Stand vertreten, wie auch auf dem Weihnachtsmarkt bzw. den Adventsbasaren in Eupen, Raeren und Eynatten, zusätzlich mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen. Im Rahmen des 40. Jubiläums fand zudem ein großes Mitarbeitertreffen in Kettenis statt, denn die Weltladen-Verantwortlichen sind sehr darauf bedacht, die Arbeit der Ehrenamtlichen anzuerkennen.

Jahresthema 2019 "Gegen den Verpackungswahn"

Kaum ist das Jahresthema im Jubiläumsjahr 2018 abgehakt, packt man ein neues Projekt an, das wiederum vom Eupener Weltladen betreut wird, der im Mai 1978 in der Bergstraße seine Pforten erstmals geöffnet hat. "Gegen den Verpackungswahn", so lautet das Jahresthema 2019, will den Fokus auf überflüssige Verpackungen legen, "denn Müll, der gar nicht erst entsteht, stellt auch kein Problem dar", betonte Martha Kerst. "Der zweite Schritt nach der Verpackungsvermeidung ist die Verwendung von Verpackungen aus biologisch abbaubaren und kompostierbaren Materialien, die zudem wiederverwendet werden können. "In den Weltläden soll möglichst im Sinne der Nachhaltigkeit auf Verpackung verzichtet werden", hob die Weltladen-Verantwortliche hervor. Die in den Weltläden angebotenen Stofftaschen ersetzen seit längerem die Plastiktüten.

Der Neujahrsempfang bietet auch immer wieder den Anlass, allen zu danken, die im vergangenen Jahr mit viel Einsatzfreude zum Erfolg der Weltladen-Arbeit beigetragen haben, sagte Pierre De Dijcker, nicht zuletzt mit Blick auf die vielen Ehrenamtlichen. Die Tätigkeit der Ehrenamtlichen erstreckt sich vom Einkauf der Waren über die Dekoration und den Verkauf bis hin zu den Projektarbeiten, Schüleranimationen und vielem mehr. Jede(r) Mitarbeiter(in) erhielt eine kleine Kerze aus fairem Handel als Dankeschön. Unter den Mitarbeiterinnen befindet sich die aus Büllingen gebürtige Sarah Siquet aus Eynatten, die seit 2012 als ehrenamtliche Verkäuferin im Weltladen Eupen tätig ist. "Ich will mich sozial engagieren und eine bedeutende Tätigkeit für eine gerechtere Welt ausüben. Dabei freue ich mich immer wieder auf die Kontakte mit den anderen Mitarbeitern und mit den Kunden."

Seit 1988 haben die ostbelgischen Weltläden mit ihren Jahresprojekten eine mehr als beachtliche Summe in diese besondere Art der tatsächlich weltweiten „Hilfe zur Selbsthilfe“ gesteckt. Neben dem Jahresprojekt unterstützen die Weltläden von Eupen, Eynatten und Weywertz weiterhin das Projekt Muramba in Gitarama/Rwanda, das auch von der Stadt Eupen mitgetragen wird. "Künftig wollen wir unsere Arbeit mehr auf das Kerngeschäft des fairen Handels fokussieren", erklärte Weltladen-Präsident Pierre De Dijcker auf die Frage nach den Jahresprojekten. Auch wird nach einer neuen Lösung für den Raum Kelmis gesucht, nachdem dieser Standort im März 2016 geschlossen werden musste.

Natürlich wurde bei dem Neujahrsempfang nicht nur informiert und diskutiert; man hatte auch Zeit zum gemütlichen Beisammensein und zum Austausch bei Kaffee und Eupener Platz, wobei sich die Mitarbeiter der Eupener Hauptstelle, zusammen mit Christel Ortmann-Brüll, seit 35 Jahren hauptamtlich im Weltladen tätig, als herzliche Gastgeber erwiesen.

Wer das Jahresprojekt der Weltläden unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto BE49 8334 9310 0271 mit dem Vermerk „Jahresprojekt 2019“ tun.
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