Sternsingeraktion 2019
Sternsingeraktion 5.-6. Januar 2019 im Pfarrverband Bütgenbach
35. Sternsingeraktion: Etwa 900 Kinder und Jugendliche in Ostbelgien engagierten sich beim Dreikönigssingen für Kinder mit Beeinträchtigung - Wir gehören zusammen in Peru und weltweit

Kleine Könige waren ein Segen für die Kinder dieser Welt

Selten waren in den ostbelgischen Straßen so viele königliche Hoheiten unterwegs wie am vergangenen Wochenende bei der 35. Sternsingeraktion. Mit dem Beginn des neuen Jahres sah man die Sternsinger wieder überall in den Dörfern und Städten Ostbelgiens von Tür zu Tür ziehen. Traditionell zogen sie in kleinen Gruppen durch die Straßen, um den Bewohnern den Segen des menschgewordenen Gottes für das Neue Jahr zu bringen.

Von Lothar Klinges

In vielen Pfarren und Familien wurden Königsgewänder genäht, Kronen gebastelt und schwarze Schminke organisiert. Gemeinsam mit ihren jugendlichen und erwachsenen Begleitern hatten sich die Sternsinger auf ihre Aufgabe vorbereitet. Etwa 900 Sternsinger und 175 Begleitpersonen waren in Ostbelgien unterwegs. „Wir gehören zusammen in Peru und weltweit” hieß das Motto für dieses Jahr 2019.

Diesmal standen Kinder mit Beeinträchtigung im Mittelpunkt der Aktion Dreikönigssingen. Den Sternsingern und den vielen Menschen, denen sie begegneten, sollte bewusst werden: Menschen sind nicht behindert, sie werden in vielfacher Weise behindert. Es sind nicht in erster Linie die vielfältigen Barrieren im Alltag, die Menschen mit Beeinträchtigung davon abhalten, selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Vielmehr sind es die Vorurteile in den Köpfen, die verhindern, dass Barriere-Freiheit selbstverständlich wird.

Das Lied „Stern über Bethlehem“ und den Spruch, den sie an jeder Tür, die sich ihnen öffnete, aufsagten, kannten sie aus dem Eff-eff: „Wir schreiben den Segen von Jesus Christ im Jahr, das jetzt hat begonnen, als ein Zeichen, damit allen deutlich ist: Gott ist uns wohl gesonnen.“ An die Haustüren oder Turrahmen schrieben sie mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte 20*C+M+B+19. Dieser Segensspruch ist seit gestern an vielen ostbelgischen Haustüren zu lesen. Ausgeschrieben bedeutet der lateinische Spruch „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“.

Die Sternsinger wurden in den vergangenen Wochen bestens über das diesjährige Thema informiert. Bei Vorbereitungstreffen hatten sie einen Film von Reporter Willi Weitzel über das lateinamerikanische Land gesehen. Beim genauen Hinsehen ist das Sternsingen eine Fortsetzung des Evangeliums vom Dreikönigssonntag. Da heißt es, dass die Sterndeuter aus dem Osten einem Stern nach Betlehem folgten und dem Kind huldigten. Die modernen Sternsinger verkünden die Botschaft des Kindes von Betlehem und wollen die Welt besser machen.

Die Aktion ist eine "Win-win-Situation, d. h. alle Beteiligten gewinnen. Die Kinder gewinnen nicht nur einen Berg an Süßigkeiten, vor allem Schokolade in sämtlichen Formaten. Sie erfahren vor allem, dass Helfen Spaß macht. So profitieren Kinder in anderen Ländern vom Einsatz der ostbelgischen Sternsinger.

Mit den Spenden an die Sternsinger werden vorrangig Projekte für Kinder und Jugendliche in Peru und in der ganzen Welt unterstützt. Die Sternsinger schauen aber nicht nur nach Peru. Sie schauen besonders auf Kinder, die mit einer Beeinträchtigung leben. Vor allem ihnen rufen sie zu: Wir gehören zusammen! Denn für Menschen mit Beeinträchtigung ist es leider gar nicht selbstverständlich, dazuzugehören. Weil sie manches nicht so können wie andere Menschen, bleiben sie oft aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Vor allem für Kinder in den Ländern des Südens ist das ganz schlimm. Denn es bedeutet zum Beispiel, dass sie nicht zur Schule gehen und später, wenn sie größer sind, auch keinen Beruf erlernen können. Wir gehören zusammen – mit diesem Motto setzen die Sternsinger ein Zeichen für die Kinder, die wegen ihrer Beeinträchtigung ausgeschlossen werden. Sie machen deutlich: Wir gehören zusammen, und deshalb werden sie gemeinsam dafür sorgen, dass alle an der Gemeinschaft teilhaben können. Mit der Sternsingeraktion 2019 bringen sie diese Botschaft zusammen mit dem Segen Gottes zu den Menschen.

„Als Sternsinger bringen wir den Segen zu den Leuten", erklärte Nigel Peiffer, seit vielen Jahren Sternsinger in Weywertz. „Schauen Sie, meine Hände sind ganz kalt“, bibberte Anne Schoffers bei der Rückkehr von der Sternsingertour. Aber sehr bald kam das Gefühl in die Finger zurück, als es darum ging, die vielen Süßigkeiten, welche die Leute ihnen als Stärkung auf ihrem Weg mitgaben, aufzuteilen. Manche Leute hatten auch Mitleid mit den Kindern vor ihrer Haustüre und boten ihnen ein warmes Getränk an: „Wollt ihr nicht reinkommen und euch bei einem warmen Kakao etwas aufwärmen?“

Vielen Menschen ist dieser Segen wichtig, sie warten darauf, dass die Sternsinger endlich kommen. Manche rufen sogar beim Pastor an, wenn es bis zum Nachmittag noch nicht geklingelt hat. „Die meisten Leute waren total nett“, freute sich Noémie Langer aus Weywertz. „Manche machten aber die Tür nicht auf, obwohl man sah, dass sie da waren“, wusste ein Jonas Schumacher zu erzählen. „Das ist egal, denn ich finde es einfach schön, mich mit anderen einzusetzen und an einer gemeinsamen Aktion teilzunehmen“, fügte er gleich hinzu.

Die eingegangenen Spenden aus der Sternsingeraktion in den ostbelgischen Pfarren sind bis spätestens 31. Januar 2019 auf das Konto zu überweisen: Sternsinger Ostbelgien, Bergkapellstraße 46, 4700 Eupen, IBAN: BE83 7310 1494 2015, BIC: KREDBEBB.
Mitteilung: Sternsingeraktion 2019 Pfarre (bzw. Pfarrverband)

STIMMEN

Wir befragten einige Kinder aus der Dreikönigspfarre Nidrum nach ihrer Motivation, sich als Sternsinger(in) einzusetzen.

Kiara Heinen, 9 Jahre:
"Man muss nicht reich sein, um anderen etwas abzugeben. Als Sternsinger schenke ich den Kindern etwas Zeit und habe auch noch Spaß dabei. Ich freue mich, vielen Menschen in Nidrum zu begegnen, um ihnen den Segen zum Neuen Jahr zu bringen"

Noah Heinen, 11 Jahre:
"Als Sternsinger helfe ich dort, wo Kinder in Not sind, in diesem Jahr besonderes Kinder mit einer Beeinträchtigung, damit sie einen Rollstuhl und Therapien bekommen, damit sie sich besser bewegen können. So kann ich zum Segen für Tausende von Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt. werden."

Josie Waxweiler, 11 Jahre:
"Bei den Sternsingern mitzumachen, ist mir sehr wichtig; Viele Kinder brauchen unsere Hilfe, dafür nehme ich gerne in Kauf, dass ich durch Regen und Schnee laufen muss. Mit der Sternsingeraktion möchte ich mein Herz öffnen für alle Kinder dieser Welt."

Jonas Peterges, 10 Jahre:
"Es nervt mich, dass das Geld auf unserer Erde so unfair verteilt ist. Als Sternsinger kann ich daran etwas ändern, indem ich ganz konkret Hilfsorganisationen unterstütze, die sich für Kinder einsetzen, wie in diesem Jahr das Sternsingerprojekt Yancana Huasy in Lima."

Ron Heinzius, 9 Jahre:
"Wir sind selbst Kinder und haben es hier so gut. Ich möchte mithelfen, dass es den Kindern in den Ländern des Südens ebenfalls so gut geht wie uns." Sehr beeindruckt hat mich das Mädchen Romy mit Down-Syndrom, das gesagt hat: Ich bin einzigartig. Das war Romy so wichtig, dass sie es im Sternsingerfilm vier Mal hintereinander sagt.

Angelina Heinen, 11 Jahre:
"In vielen Ländern können Kinder nicht zur Schule gehen und müssen arbeiten, statt mit Freunden zu spielen. Wenn ich so etwas höre, bin ich froh, dass ich hier in Nidrum die Chance habe, einen guten Beruf zu lernen. Das ist nicht selbstverständlich."
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