Schulanfang Bütgenbach Nidrum 2018
Wer ist nur dieser Ernst des Lebens?
Fräulein Sandrine war bei weitem nicht die Einzige, die in der Nacht zum Montag schlecht geschlafen hatte. Für Kinder, Eltern, Lehrer und auch Direktor Siegfried Mreyen war der erste Schultag in der Peter-Nikolaus-Schweizer-Schule in Elsenborn mit Aufregung und Nervosität verbunden. Aber auch mit Freude.
Von Petra Förster
Und dann hatte sich auch noch Unterrichtsminister Harald Mollers zum Besuch der Peter-Nikolaus-Schweizer-Schule Elsenborn angemeldet. Eigentlich saß er im gleichen Boot wie alle anderen und dürfte ebenfalls dem ersten Schultag mit einer gewissen Nervosität entgegengefiebert haben, denn sein Sohn Felix war am frühen Morgen eingeschult worden. „Er war ziemlich aufgeregt, aber einmal in der Schule angekommen, ganz ruhig und schüchtern“, erzählte Harald Mollers am Rande. So ging es auch dem einen oder anderen der insgesamt neun Erstklässler in Elsenborn. Paul, Matz, Luca, Jakob, Gracy, Alena, Lina, Rose-Marie und Hristiyana wurden am Morgen von der gesamten Schulgemeinschaft auf dem Schulhof begrüßt und bevor es ans Rechnen, Lesen und Schreiben ging, gab es erst einmal ein Kasperletheater. Damit wurden die Eltern dann auch langsam „nach Hause geschickt“ und die neun Neuen in den „Ernst des Lebens“ entlassen.
Fräulein Sandrine, die im richtigen Leben Sandrine Goffin heißt, seit 18 Jahren Lehrerin ist, und selbst auch Mutter von drei Kindern, hatte genau zu diesem Thema eine Geschichte vorbereitet. Darin kann die sechsjährige Annette sich gar nicht vorstellen, was dieser „Ernst des Lebens“ eigentlich sein soll, bis sie in ihrer neuen Klasse den kleinen Ernst kennenlernt, der immer Bonbons dabei hat und auch sonst ganz nett ist. Im Erzählkreis stellte sich heraus, dass auch die neun Schulanfänger nicht so richtig wissen, was sich hinter diesem Ernst des Lebens verbergen soll.
„Ich hab mich aufs Lesen gefreut“, sagt Max. Jakob hingegen liegt mehr das Rechnen, Felix aufs Turnen. Der kleine Paul freut sich auf alles, was mit Schule zu tun hat, und Luca ist so aufgeregt, dass er gerade gar nicht mehr weiß, worauf er sich besonders gefreut hat.
„Im ersten Schuljahr kommt es besonders darauf an, dass die Kinder sich wohl fühlen, und dass man einen guten Kontakt zu ihnen bekommt. Wenn das schon mal gegeben ist, kommt der Rest von ganz alleine“, sagt Sandrine Goffin, die für acht Stunden in der Woche auf die Unterstützung einer Förderpädagogin zählen kann.
In Elsenborn wird jahrgangsübergreifend unterrichtet.
In Elsenborn wird jahrgangsübergreifend unterrichtet, zu den Erstklässlern kommen noch neun Kinder, die schon im zweiten Schuljahr sind. „Wir starten mit drei Klassen in drei verschiedenen Stufen“, erklärt Direktor Siegfried Mreyen.
In den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Schüler jeweils in drei Jahrgängen – also erstes bis drittes und viertes bis sechstes Jahr – gemeinsam unterrichtet. Da die Schülerzahlen stark rückläufig sind, ist man nun an der Peter-Nikolaus-Schweizer-Schule dazu übergegangen, nur noch zwei Jahrgänge zusammenzufassen. „In den letzten vier Jahren sind die Schülerzahlen um ein Viertel zurückgegangen“, rechnet Siegfried Mreyen. Zum einen sei dies auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen, zum anderen darauf, dass immer mehr Bewegung in den Dorfgemeinschaften sei. Berufliche oder familiäre Veränderungen sind heute viel häufiger mit einem Schulwechsel als früher verbunden. Der Bütgenbacher Schulschöffe Daniel Franzen, der gestern in der Gemeinde unterwegs war, um sich ein Bild zu verschaffen, ergänzt, dass die Entwicklung von Ort zu Ort recht unterschiedlich sein könne. Im Nachbarort Weywertz, der mit Elsenborn eine Schulgemeinschaft bildet, gehen die Schülerzahlen sogar noch stärker zurück. „Wir fallen hier zum ersten Mal unter 100 Schüler“, so der Schöffe, der darauf verweist, dass dies oftmals auch damit zusammenhänge, wie viel Bauland in einem Ort zur Verfügung stehen. „In anderen Orten, in denen es beispielsweise neue Parzellierungen gibt, sind die Zahlen steigend.“ „Seit 2002 hat sich die Schülerzahl in Weywertz halbiert“, berichtet Siegfried Mreyen aus seinem zweiten Standort. Der Direktor hatte am Morgen zunächst die Erstklässler in Elsenborn begrüßt, war dann nach Weywertz gefahren und schließlich wieder nach Elsenborn zurückgekehrt. „Der erste Schultag ist immer mit Aufregung und Nervosität verbunden“, gibt auch er unumwunden zu und ist mittags froh, als alles gut über die Bühne gegangen ist. Quer durch die Deutschsprachige Gemeinschaft bereitet den Schulleitern der Lehrermangel immer größere Sorge, das ist auch in Elsenborn nicht anders. Hinzu kommen die stets differenzierteren Anforderungen, die Kinder und auch Eltern mit in die Schulgemeinschaften tragen und denen das Unterrichtswesen des 21. Jahrhunderts Rechnung tragen will: Hochbegabung oder besonderer Förderbedarf, andere Muttersprache oder…
Der erste Schultag ging mit einer kleinen Feier zu Ende.
Auch dieser Trend zieht sich durch das komplette Unterrichtswesen. In Elsenborn ging der erste Schultag am Mittag nicht mit Lesen, Rechnen oder gar Hausaufgaben, sondern mit einer kleinen Feier zu Ende. In der Turnhalle wurden die Neuen von allen ihren Mitschülern mit einem Lied begrüßt und dann gemeinsam die Werte besprochen, die für das anstehende Schuljahr gelten sollen.
Mit dem Chanson „On écrit sur les murs“, vorgetragen von den „Großen“ des fünften und sechsten Jahres, wurde die gesamte Schulgemeinschaft dann in die erste Mittagspause des noch jungen Schuljahres entlassen.
„Ich bin froh, dass alles gut geklappt hat“, atmete Fräulein Sandrine auf, als ihre neuen Zöglinge mit Trinkflasche und Butterbrotdose im Esssaal Platz genommen haben.
In der Nacht zum Dienstag wird sie vielleicht schon ein bisschen besser schlafen. Und am Dienstag wird dann zur Freude von Paul, Matz, Luca, Jakob, Gracy, Alena, Lina, Rose-Marie und Hristiyana schon ein bisschen mehr gelesen und gerechnet.
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