16. Ostbelgien-Wallfahrt Banneux 2018
Banneux: 16. Ostbelgien-Pilgerfahrt führte ostbelgische Christen zusammen
"Am Anfang steht das Geschenk des Lebens" (30.08.2018)

Banneux

Banneux-Rektor Leo Palm erinnerte die zahlreichen Pilger an ihren Nabel mit dem der Mensch am Anfang des Lebens mit der Mutter verbunden ist. "Sie hat dir das Leben geschenkt." Am Anfang steht somit das Geschenk des Lebens, betonte der aus Wirtzfeld stammende 65-jährige Rektor in seiner lebensnahen Predigt, um das diesjährige Banneux-Thema "Reich beschenkt mit Maria" zu erklären.

Von Lothar Klinges

In Banneux führt die Gottesmutter die Pilger zur Quelle, die für Anfang und Ursprung steht, erklärte Rektor Leo Palm, der in diesem Jahr auf 30 Priesterjahre blicken kann, davon elf Jahre als Rektor in Banneux. "Erinnere dich an den Ursprung deines Lebens, das Gabe und Geschenk ist." Die Quelle erinnere aber auch an die Taufe, mit der wir Gotteskinder wurden und zu Gottesfamilie gehören. In Banneux, wo Maria sich während der Weltwirtschaftskrise 1933 erstmals den Namen "Jungfrau der Armen" gab und sich damit entschieden auf die Seite der Armen und Ausgestoßenen gestellt hat, sagte sie der jungen Mariette Beco, sie sollte die Hände in das Wasser tauchen. "Die beiden Hände ins Wasser tauchen geht nur, wenn wir alles loslassen und unsere Hände frei machen", unterstrich Leo Palm. In Banneux können die Pilger ihre Sorgen und Nöte "abstellen", um "Trost, Gottvertrauen, Hoffnung und Zuversicht mitzunehmen." In Banneux werde der "Rucksack" mit den Sorgen und Anliegen der Pilger leichter, denn Maria sei gekommen, "um das Leid leichter zu machen". Das Leid werde nur dann leichter, wenn jemand wie Maria das Schwere mit uns trage. "Kommt mit leeren Händen, Maria wird uns reich beschenken", sagte Leo Palm am Ende seiner anschaulichen Predigt.

Bereits zum 16. Mal nahmen die beiden ostbelgischen Dekanate am Donnerstag, 30. August, gemeinsam an der Wallfahrt teil, nachdem früher die Dekanate Büllingen-St.Vith und das Eupen-Kelmiser Dekanat zu getrennten Banneux-Pilgerfahrten eingeladen hatten. Seitdem ist dieser Tag eine willkommene Gelegenheit, zum Ferienende in Banneux einen „Ostbelgien-Kirchentag“ zu erleben, um gestärkt nach Hause zurückzukehren.

Fünf Reisebusse waren seit den frühen Morgenstunden zwischen Kelmis und Ouren unterwegs, um die Pilger „einzusammeln“. In den letzten Jahren ist verstärkt der Trend festzustellen, dass immer mehr Gläubige aus Ostbelgien an diesem Tag mit Privatwagen anreisen. Ab halb zehn Uhr trudelten sie dann nach und nach in Banneux ein. Viele unter ihnen suchten gleich die Quelle auf, tauchten die Hände ins Wasser, eine Geste, die jeder Pilger in Banneux tut, oder sie sprachen ein stilles Gebet.

Unter den mehr als 600 ostbelgischen Pilgern war auch die 12-jährige Laura Gennen aus Crombach, die bereits seit zwei Jahren mit ihrer Großmutter an der Banneux-Wallfahrt teilnimmt. "Es ist beeindruckend, wie viele bekannte Leute hier zusammenkommen, um gemeinsamen zu beten und zu singen", erzählte sie freudestrahlend. "Ich habe mich sehr gefreut, eine brennende Kerze zum Altartisch z bringen." Die Augen ihrer 6-jährigen Kusine Soraya Gödert wurden immer größer, als sie in die große Pilgerkirche eintrat. Auch war sie fasziniert von der großen Kirche, in der jeder in seiner Sprache mitsang und betete. "So viele Priester am Altartisch habe ich noch nie gesehen", sagte die 9-jährige Ronja Schütz aus Weisten, die im September das vierte Schuljahr beginnt und erstmals in Banneux dabei war.

Klemens Herbrand kommt immer wieder gerne nach Banneux. "Hier kann ich bei Maria, zu der ich viel Vertrauen habe, meine Sorgen abladen und um die Gesundheit meiner Familienangehörigen beten", sagte der 87-jährige Nidrumer. Maria Spoden aus Montenau schöpft in Banneux Kraft und Hoffnung. "Ich bete gerne zur Muttergottes, denn ihr kann ich alles anvertrauen", erzählt die 54-Jährige Pilgerin. "In Banneux bekomme ich Hilfe, dessen bin ich mir sicher."

34 Fußpilger

Am Tag der Ostbelgien-Wallfahrt fand sich bereits zum 17. Mal um 7 Uhr in der Frühe auch eine Gruppe von 34 Personen, darunter zehn aus Medell, in La Reid ein. "In diesem Jahr sind wir bei der Fußwallfahrt sehr nass geworden. Das hat aber unsere gute Laune nicht getrübt", berichtete Clemens Peters aus Amel, einer der Mitorganisatoren des Fußpilgerweges. "Das Regenwetter hatte allerdings keine Auswirkungen auf unsere Stimmung." Mehrmals machten die Pilger unterwegs eine kurze Rast, um Impulse zum Thema "Herr, lehre uns beten" zu hören. "Bei Kardinal Danneels und Bischof em. Aloys Jousten habe ich viele gute Ideen für die Impulse gefunden", erklärte Clemens Peters, der die Fußwallfahrt zusammen mit Hermann-Josef Theissen, der für die Organisation zuständig war, durchgeführt hat. Clemens Peters und Pastor Günter Weinand aus Amel gaben Anstöße, damit die Teilnehmer die Gedanken in Form von Fragen und Meditationen vertiefen konnten. Während des Pilgerweges wurde auch einiger dramatischer Todesfälle der letzten Wochen gedacht.

Der Gebetsweg unter dem Leitgedanken "Reich beschenkt mit Maria" fand bei Sonnenstrahlen auf dem Weg vom Garten vor dem Haus Beco bis zur Quelle statt und erinnert an den Weg, den Maria die Seherin geführt hatte. Neben dem Gottesdienst am Vormittag unter der Leitung von Dechant Claude Theiss, an dem auch eine starke Gruppe aus Wommersom (Flämisch Brabant) und Gingelom (Limburg) teilnahm, und der Krankenandacht mit Dechant Helmut Schmitz, am Nachmittag assistiert von Pater Dominique der St. Johannes-Brüder, war der Gebetsweg zweifellos ein Höhepunkt des Pilgertages. Der 44-jährige Thomas Rothkranz aus Eupen, seit 2017 Organist der Eupener St. Josefspfarre, begleitete als Organist die Pilger an der Orgel.

Als die ostbelgischen Pilger gegen 17 Uhr das Sanktuarium in Banneux wieder verließen und viele bei der Heimfahrt ihren eigenen Gedanken nachhingen, wurde es still in dem Marienort. Damit ging ein Tag zu Ende, der die ostbelgischen Christen zusammenführen und den Glauben und das Vertrauen in der derzeitigen kirchlichen Umbruchsituation stärken wollte.

Bildtext 2018
Gemeinschaftserlebnis mit den Seniorenheimbewohnern

Alle zwei Jahre schließen sich ab Mittag auch etwa siebzig Bewohner(innen) des Senioren- und Pflegeheims „Hof Bütgenbach“ mit zahlreichen Begleitpersonen, darunter auch die Animationsgruppe und Mitglieder des Pflegepersonals, sowie Dagmar Connotte-Krämer aus Kettenis, der im April 2017 die Aufgabe der Heimleitung anvertraut wurde, der Ostbelgien-Wallfahrt an, um an diesem besonderen Gemeinschaftserlebnis teilhaben zu können. Dazwischen steuern die Verantwortlichen mit zwei behindertengerechten Bussen jeweils andere Pilgerorte an. In Banneux erlebte die fast 100-köpfige Seniorenheim-Gruppe wiederum mit den anderen Ostbelgiern am Nachmittag in der großen Wallfahrtskirche eine beeindruckende Glaubensfeier mit Krankensegnung. (kli)


Marlene Backes seit 10 Jahren im Dienst der deutschsprachigen Pilger
"Ich bewundere die Treue der Pilgergruppen"

Seit 10 Jahren begleitet Marlene Backes aus Atzerath an vier Tagen in der Woche von März bis Oktober die deutschsprachigen und deutschen Pilgergruppen in Banneux. "Ende 2019 gehe ich in Pension", sagt die 66-jährige Mutter von vier Kindern. Banneux wurde für sie zu einem „Glücksfall“ und „Geschenk“. Ihre innere Beziehung zu dem Wallfahrtsort, den sie immer mehr entdeckte, vertiefte sich zusehends. "In Banneux habe ich eine phantastische und wunderbare Erfahrung gemacht." Die jährlichen Banneux-Themen, wie in diesem Jahr "Reich beschenkt mit Maria" sind immer sehr wirklichkeitsnah und möchten den Pilgern "Mut und Zuversicht" vermitteln. Viele schätzen an Banneux die Ruhe und Stille, die man hier in der Anlage finden kann. "Nach zehn Jahren kenne ich viele Pilger persönlich und bewundere die Treue der Pilgergruppen, manche unter ihnen haben eine weite Anreise, zu diesem Erscheinungsort mit einer einfachen Botschaft, die jeder versteht." Ganz besonders der Gedanke, dass Banneux für "alle Nationen" gedacht ist, macht sie immer wieder froh beim Anblick der Pilgergruppen aus aller Welt, darunter Tamilen, Vietnamesen, Polen, Kroaten, Kongolesen, usw. Viele Pilger komme nach Banneux, weil sie wissen, hier sind Menschen, die ihnen zuhören. Der Krankensegen berührt sie besonders. "Die Kranken, unter anderem in den Rollstühlen, empfangen hier ein Geschenk, das sie trägt." (kli)
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