Steyler Ordensleute Abschied
Abschied: Bevölkerung dankte den Steyler Ordensleuten für das 90-jährige Wirken in der Eifel
Für viele zu einem Lebensort und Lebenswort geworden (26.08.2018)

Iveldingen-Montenau

Nach 90 Jahren in Montenau feierten die letzten drei verbleibenden Steyler Ordensleute am Sonntagnachmittag in der überfüllten St.Barbara-Pfarrkirche Iveldingen einen Abschied, der sie und die Menschen der Umgebung sehr bewegte.

von Lothar Klinges

Diese Nachdenklichkeit brachte der 50-jährige Organist Peter Küches, der auch den örtlichen Musikverein im Gottesdienst dirigierte, beim Einzug der Priester mit der seltenen und wertvollen Toccata von J. S. Bach zum Ausdruck. "Das war mein besonderer Dank an die Steyler, denn eine Ära geht zu Ende. Die Ordensleute werden uns sehr fehlen." Das Kloster St. Rafael und die angegliederte Bildungsstätte waren ein Ort der Begegnung für Menschen auf der Suche nach Sinn, Ruhe und Lebensorientierung. Die Räume standen für Seminare, geistliche Begleitung oder Exerzitien, für unzählige Veranstaltungen und als "Rückzugsort" zur Verfügung.

Leider machte es die personelle Situation notwendig, von diesem besonderen Ort Abschied zu nehmen, bedauerte der Provinzial der niederländisch-belgischen Ordensprovinz, Avin Kunnekkadan, dem ersten nichteuropäischen Provinzial in Europa. Die meisten Ordensgemeinschaften kennen das Problem. Es fehlt an Nachwuchs, die Gemeinschaften werden immer kleiner und älter, bis irgendwann nach einem intensiven Überlegungs- und Planungsprozess die Frage im Raum steht: Was wird aus unserem Kloster, denn wir schaffen es nicht mehr? "Wir haben alles versucht, auch in Zusammenarbeit mit der Bildungsstätte, aber leider gab es keinen anderen Weg mehr", sagte der Provinzial, der darauf hinwies, dass es zwölf verschiedene Nationalitäten unter den Mitbrüdern allein in der niederländisch-belgischen Ordensprovinz gibt. Das Sprachenproblem kam hinzu, um das Kloster Montenau aufrechtzuerhalten. Drei junge Mitbrüder aus Übersee haben sich mehrere Monate im Kloster Montenau aufgehalten, haben das Haus aber wieder verlassen. "Wenn wir auch das Kloster verlassen, so wissen wir, dass wir im Herzen der Menschen bleiben werden, denn wir haben hier viel säen können. Die Mission geht weiter. Nun legen wir alles in Gottes Hand"

Vermächtnis

Die Abschiedspredigt von Pater Peter Mertes wurde zu einem Vermächtnis und Testament, denn entgegen dem Zeitgeist seien Besinnung und Besonnenheit kein Zeitverlust. "Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Besonnenheit." Einen Acker müsse man von Zeit zu Zeit brach liegen lassen, damit er sich erholen kann, zitierte Peter Mertes den deutschen Philosophen Martin Heidegger. Das sei der Unterschied zwischen einem Acker oder eine Pflanze, die Zeit zum Wurzeln schlagen braucht, und einer Autobahn. Der Prediger verwies auf den Unterschied zwischen dem rechnenden und dem besinnlichen Denken. "Denken wir noch nach über das, was wir getan haben, oder lassen wir uns total von der Zange des rechnenden Denkens manipulieren."

Beim Schopf packen

Peter Mertes plädierte dafür, "Nachdenklichkeit" möglich zu machen, denn "immer schneller und immer mehr tun verhindert die zwischenmenschliche Kommunikation." Der scheue griechische Gott Kairos, mit Haarschopf auf der Stirn aber kahlem Hinterkopf, lässt ihn daran denken, den richtigen Augenblick beim Schopf zu packen, sonst ist es zu spät, denn von hinten lässt sich der Kairos nicht mehr packen. Mit Blick auf das Evangelium unterstrich der Prediger die Bedeutung des "Beim-Herrn-Sein" als Vorbedingung, um gesandt zu werden. Abschließend rief Peter Mertes die Gläubigen auf, sich von der frohen Botschaft ansprechen zu lassen, immer wieder beim Herrn zu sein und sich von ihm senden zulassen.

An das segensreiche Wirken der Steyler in Montenau und im Dekanat Eifel erinnerte dankbar Pastor Günter Weinand zum Abschluss des Gottesdienstes, indem er einen Brief des aus Montenau stammenden 76-jährigen Missionars Pater Helmut Renard verlas, der seit 47 Jahren als Steyler Missionar in Ecuador tätig ist.
In einem von Fina Keifens verlesenen Schreiben von Bischof Jean-Pierre Delville, erinnerte der Bischof daran, dass die Ordensleute nicht zuletzt auch als Seelsorger in verschiedenen Pfarren den Menschen das ganze Jahr über in vielen Situationen zur Seite gestanden hätten. Das Kloster und die Bildungsstätte seien durch das Gebet, die Stille, die Einfachheit, den missionarischen Eifer und die Offenheit, sowie durch die Gastfreundschaft für viele Menschen zu einem "Lebensort und Lebenswort" geworden.

Wie schwer es seinem Mitbruder Michael Ertl und seiner Mitschwester Elisabeth Ossemann falle, aus Montenau wegzugehen, machte Pater Peter Mertes in seinem Dank- und Abschiedswort am Ende der Predigt deutlich. Aber, so versicherte er den Gläubigen, "wir bleiben Montenau und Euch allen auch weiterhin verbunden".

HINTERGRUND
"Ihr werdet uns sehr fehlen!"

•Bei einem anschließenden Empfang im freundlich dekorierten Schützenhaus Montenau verwies der Ameler Bürgermeister Klaus Schumacher, auf die beeindruckende Bescheidenheit, die von den Ordensleuten ausgegangen ist. "Ihr habt uns vorgelebt, wie wir leben sollten", betonte der Bürgermeister, der sich an viele Steyler Ordenspriester erinnert, die in den hiesigen Pfarren im Dienst der Ortskirche standen. "Es tut uns richtig leid, dass Ihr uns verlasst", so ein sichtlich bewegter Klaus Schumacher. "Wir müssen Eure Entscheidung respektieren." Es sei noch zu früh, etwas über die Zukunft des gesamten Komplexes, immerhin neun Hektar, zu sagen. Mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Provinz hätten Gespräche stattgefunden. Weitere reifliche Überlegungen seien nötig. Sowohl die Montenauer Arbeitsgruppe, als auch die Zivilgemeinde und die Steyler Ordensprovinz hoffen, das Haus einer vernünftigen Zweckbestimmung übergeben zu können.

•Der Präsident der VoG Bildungsstätte Kloster St.Raphael, Walter Peterges aus Nidrum, brachte sein "schmerzliches Gefühl" zum Ausdruck, denn nunmehr werde eine Seite endgültig umgeblättert. "Ihr werdet uns sehr fehlen!" Schon 1987 sollte das Kloster verkauft werden, erinnerte Walter Peterges. Es sei Dechant Albert Backes und einigen Mitstreitern zu verdanken gewesen, dass das Kloster damals nicht verkauft worden sei. Damit habe vor 31 Jahren, am 12. März 1987, das Wirken der VoG Bildungsstätte begonnen. "Im Laufe der drei Jahrzehnte haben sich viele Ehrenamtliche hier eingesetzt." Der VoG-Vorsitzende dankte dem Orden, ohne dessen finanzielles Entgegenkommen das Ende der Bildungsstätte schon viel früher gekommen wäre, sowie den Mitgliedern des Verwaltungsrates für die übernommene Verantwortung und den Mitarbeitern der Bildungsstätte, Julia Spoden, Marie-Louise Offermann, Veronika Dobias und Irene Kirens, für ihre "vorbildliche Arbeit".

•Vizeprovinzial Bert Wooning vom Steyler Missionsorden dankte der hiesigen Bevölkerung für die Aufnahme, welche die Ordensleute in den 90 Jahren erfahren durften. Insbesondere dankte er den Verantwortlichen der Bildungsstätte. "Ihre Arbeit wird nicht ohne Früchte bleiben". Nach jedem Abschied kann etwas Neues geboren werden und wachsen, betonte Bert Woning. "Das hängt von uns allen ab. Dabei können Sie immer mit uns rechnen."

•Zum Abschluss meinte der Koordinator der Kontaktgruppe Iveldingen-Montenau, Alfons Schmatz, mit emphatischen Worten: "Ihr werdet uns sehr fehlen!" Mit Blick auf die volle Kirche meinte der 69-jährige Koordinator, dass die Ordensleute, nicht zuletzt durch ihr seelsorgliches Wirken "sehr viel Liebe in der Bevölkerung geerntet haben."

•Damit ging am späten Sonntagabend eine Abschiedsfeier im Schützenhaus zu Ende, wobei sich die Iveldinger und Montenauer, insbesondere die Landfrauen und Schützen, als perfekte Gastgeber zeigten.
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