80. Marienfeier Schönberg 2018
Mariä Himmelfahrt: Schönberger Grotte zum 80. Mal im Mittelpunkt der Marienfeiern in der Eifel
"Wir stehen an einem Wendepunkt in unserem Christsein."

Schönberg

Es ist ein schönes Sommerfest mitten im August. Es strahlt Le¬bensfreude aus und duftet nach Heilkräutern: Mariä Himmelfahrt, wie es im Volksmund heißt. In Schönberg wurde in diesem Jahr an der Lourdes-Grotte Jubiläum gefeiert. Zum 80. Mal kamen die Menschen an diesen Ort "wo Himmel und Erde sich berühren", um einander im Glauben zu stärken und dabei auf die Gottesmutter zu schauen.

Von Lothar Klinges

Mit dem St.Vither Dechant Claude Theiss machten sich in diesem Jahr die zahlreichen Pilger auf den Weg, um in Anlehnung an das Jahresthema in Lourdes, „Was er euch sagt, das tut“ auf Jesus Christus zu schauen, auch und gerade in den dunklen Stunden des Lebens.

"Wenn Maria in Kanaan oder auch heute zu uns dieses Wort spricht, so ist es eine Lebenserfahrung, die sie uns weitergibt. Maria weiß, dass dieses Sich-öffnen für den Willen Gottes eine große Herausforderung und zugleich eine Bereicherung ist", betonte Claude Theiss mit Blick auf Maria, die sich als junge Frau dem Herrn zur Verfügung gestellt hat. "Alles soll geschehen, wie Gott, es mir gesagt hast. Für Claude Theiss hat dieses Ja-Wort Maria zu dieser "außergewöhnlichen Frau" gemacht, die auch heute noch verehrt wird.

Ausgehend von diesem Wort Mariens "Tut, was er euch sagt" unterstrich der Dechant die Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes. "Immer wieder hinhören auf sein Wort – das hilft uns, zu erkennen, wer Christus ist und was er uns sagen will." Am besten gelingt das Hinhören auf Gottes Wort zusammen mit anderen. "In kleinen Gruppen mit Gottes Wort und auch miteinander vertraut werden. Zu mehreren einen solchen Schritt wagen, ist einfacher, als es allein für sich zu versuchen." In seinen Augen ist die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes zum Beispiel über das Angebot der "Lectio divina" überlebenswichtig für die Christengemeinden und für das Fortleben des Glaubens in Ostbelgien. Im Herbst lädt der Seelsorgerat Ostbelgiens zu vier Informationsabenden zu diesem Angebot ein.

Der Prediger, dessen Ansprache immer wieder mit passenden Aussagen in Eifeler Mundart gespickt war, brachte den Pilgern Maria nahe, da sie mit ihrer Aussage "Tut, was er euch sagt" darauf hinweist, auf ihren Sohn zu hören, um die Verbindung mit ihm nicht zu verlieren.

Zum 80. Mal zog Schönberg, das auch das „kleine Lourdes“ im Ourtal genannt wird, etwa 1.300 Christen an. Nicht allein an „Ostern im Sommer“, wie manche Mariä Himmelfahrt nennen, sondern während des ganzen Jahres kommen Menschen von nah und fern zu dieser "spirituellen Insel in der Hektik des Alltags", verweilen im Gebet an der Grotte oder gehen betend und staunend durch die herrliche Kreuzweganlage am dahinter liegenden Berghang. Die Ortschaft ist zwar eine der jüngsten Pilgerstätten Ostbelgiens, jedoch unbestritten die am meisten geschätzte unter ihnen. So lag es nahe, dass im Jahre 2000, die Schönberger Pfarrkirche zur Pilgerkirche erklärt wurde, da sich der Ort in den vielen Jahren zu einem wahrlich (eu-)regionalen Marienwallfahrtsort entwickelt hat.

Bei trockenem Wetter machten sich am Mittwoch viele auf den Weg, Kraft für den Alltag zu schöpfen. Es war beeindruckend, am Festtag so viele Pilger in Schönberg zu sehen, an diesem Ort, wo Himmel und Erde sich zu berühren scheinen. Die Grotte mit der umliegenden Kreuzweganlage bildete erneut den einladenden Rahmen für eine eindrucksvolle Feier des Glaubens und die Erfahrung eines großen Christentreffens über die Grenzen hinweg.

Pilgergruppen

Etwa 500 Pilger nahmen an der Feier am Nachmittag teil, darunter auch eine Gruppe von Mürringen, Hünningen, Honsfeld und weiteren Ortschaften. Diese Gruppe, die bereits zum 43. Mal nach Schönberg pilgerte, hatte einen 19 Kilometer langen Fußweg zurückgelegt. Nach einer Pause in Herresbach schlossen sich den 29 Wallfahrern weitere 13 Fußpilger an. Eine deutsche Fußpilgergruppe aus Roth, Bleialf und Auw, die einen zwölf Kilometer langen Weg „per pedes“ unterwegs war, nahm an der abendlichen Lichterprozession teil. Mehrere Gruppen reisten auch aus Schleiden, Bitburg und dem Rheinland an.

Am Fest Mariä Himmelfahrt läutete die feierliche Eucharistie in der Pilgerkirche den Festtag ein. Unter den Klängen des örtlichen Musikvereins "Heimatklänge", unter der Leitung von Bruno Keller, machten sich die Gläubigen auf den Weg durch die ansprechende Kreuzweganlage und danach wieder zurück zur Pfarrkirche, wo bis zum Abend die Möglichkeit zum stillen Gebet bestand. Vier Jugendliche des Junggesellenvereins Eintracht Schönberg, Willy, Kay, Samuel und Silvio, trugen die Muttergottesstatue. In seinem 76. Dienstjahr als Organist begleitete der 87-jährige Ernst Meyers die Pilger an der Orgel am Fuße des Berges, während Rosa Held-Servais, Susanne Meyer-Brodel, Resi Grommes-Reinertz und Marion Hoffmann-Gallo die Pilger mit Impulsen und spirituelle Anregungen einstimmten.

Lichterfeier

Am Ende der Feier rief Dechant Claude Theiss die Pilger auf, dass das Getauft sein den Menschen nur nach dem Papier zu Christen macht. "Das ist Schein, ein Schein...! Christsein lässt sich erkennen an dem, was wir tun. Entspricht es dem, was Jesus uns aufgetragen hat?" Entscheidend ist es, auf das zu hören, was Gott uns durch sein Wort sagen will. "Wir stehen an einem Wendepunkt in unserem Christ- und Kirche-Sein. Wir entscheiden mit, was aus dem Glaubensleben in unserer Gegend geschieht."

Neben der Feier am Nachmittag bildete die beeindruckende Lichterfeier am Abend mit dem Kirchenchor Hallschlag den eigentlichen Höhepunkt. Mehr als 800 Gläubige hatten sich bei anbrechender Dunkelheit mit Kerzen in den Händen und mit Maria als Weggefährtin auf den Weg durch die Kreuzweganlage gemacht.

Bildtext: Lokale Wallfahrten in die Eifeler Nachbardörfer

Neben den weiten Pilgerreisen in diesen Tagen nach Lourdes und Kevelaer bestimmen die lokalen Wallfahrten in die Nachbardörfer seit vielen Jahren die Volksfrömmigkeit der Eifeler. Neben den lokalen Wallfahrten nach Montenau, Dürler, Lommersweiler, Oberweywertz und Malmedy hat die Wallfahrt nach Neundorf, der wohl ältesten marianischen Pilgerstätte der belgischen Eifel, eine ausschlaggebende Bedeutung.


Ohne Zweifel hat das Wallfahren in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, weil auch das Wandern einen Boom erfährt. Pilgern ist eine Spezialform des Wanderns: Man geht nicht einfach von A nach B, es kommt noch etwas hinzu, was viele nur schwer beschreiben können. Eine ganz eigene Emotion. Erlebnisse und Erinnerungen, die vergraben schienen, kommen wie¬der hoch. Man macht ja nichts ande-res, als einen Fuß vor den anderen zu setzen und manch einer hat dabei gelernt, dass der Glaube nicht nur im Kopf sitzt, sondern auch in den Beinen und im Herzen. So meinte ein Pilger: „Ich bin gelassener ge¬worden. Ich habe die Erfahrung gemacht: Reg dich nicht auf, es gibt eine Lösung. Du kannst auch mal warten, irgendwie ergibt sich eine Lösung."

Die Dankbarkeit, im Gebet erhört worden zu sein, ist für viele Teilnehmer ein wichtiger Beweggrund an einem Pilgerweg teilzunehmen. Es sind aber auch existentielle Fragen, die die Menschen zur Gottesmutter gehen lassen: Sorgen, Ängste, Zweifel. Bei ihr suchen sie Rat und Hilfe. Darüber hinaus machen die Pilger an den Wallfahrtsorten die Erfahrung einer großen Glaubensgemeinschaft. (kli)


Bildtext: 73. Marienprozession in Weywertz

Während in der Südeifel in vielen Pfarren zu Mariä Himmelfahrt Marienprozessionen stattfinden, ist die Prozession nach Ober-Weywertz die einzige im ehemaligen Dekanat Büllingen.

Zum 73. Mal zogen zahlreiche Gläubige durch das Dorf zum großen Wegekreuz am Kreisverkehr von Weywertz-Bahnhof, das kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges errichtet wurde, weil die Ortschaft größtenteils von der Ardennen-Offensive verschont geblieben war.

Vor 20 Jahren, im August 1995, wurde ein neues Kreuz an dieser Stelle errichtet, das mit der Anlage des Kreisverkehrs im August 2006 eine weitere Aufwertung erfuhr. Die Stufen, die zum Kreuz hinaufführen, wurden dabei passend zum „Bahnhof“ aus Bahnschwellen gefertigt.

Unterwegs machte die Prozession Station an mehreren Haltestellen, so an der Kapelle, die nach dem Krieg von der Familie Schäfer errichtet wurde, wie auch an dem von den Anwohnern festlich geschmückten Kreuz am Bahnhof, ehe sie sich auf dem Friedhof auflöste. (kli)
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