144. Brigittenfest Elsenborn 2019
Bunter Dorfabend zum 144. Stiftungsfest des Kirchenchors in Herzebösch
Brigittenfest als Plattform für ein lebendiges Vereinsleben

Elsenborn

Die hl. Brigida, zweite Pfarrpatronin von Elsenborn, hätte ihre helle Freude gehabt beim Anblick eines solch frohen und bunten Festabends unter dem Motto "Musik und Gesang, Sketche und Witze". Alle Jahre wieder organisiert der Kirchenchor das Brigittenfest, das seit den 1990er Jahren im Zweijahresrhythmus als Theaterabend der „Krähenbühne“ und bunter Dorfabend gestaltet wird.

von Lothar Klinges

Für Guy Populaire war es in der Nachfolge von Mario Wattler das dritte Brigittenfest als Präsident des gemischten Chors. Das diesjährige Fest, gleichzeitig das 144. Stiftungsfest des Kirchenchors St. Cäcilia, offenbarte sich wieder mehr denn je als „Plattform“ für ein dynamisches und lebendiges Vereins- und Dorfleben. Das Dorf mit zahlreichen Vereinen war an diesem Abend auf den Beinen. Dabei führte der 46-jährige Vereinspräsident als Conférencier gekonnt leger mit humorvollen Witzen durch ein geschmackvolles Programm und bezog dabei gerne das Publikum mit ein.

In diesem Jahr hatten die Mitglieder des Kirchenchors, darunter auch erstmals Gerhard Boemer, für die zahlreichen Zuschauer im Kulturzentrum Herzebösch einige vokale Delikatessen vorbereitet. Die Chormitglieder bereiten sich mit Akribie auf die Einstufung im November vor, zunächst aber freuen sie sich auf eine zweitägige Kultur- und Konzertreise nach Antwerpen im April diesen Jahres.
Beim Brigittenfest hieß es gleich zu Beginn der Aufführungen des gastgebenden Chors "Zangalewa", ein afrikanisches Volkslied aus Kamerun, bearbeitet von Vic Nees, wie auch das nachfolgende Chorstück "Red, red rose" von Stefan Kalmer, das die Leichtigkeit eines britischen Volksliedes mit dem Schwung eines Popsongs verbindet, schwungvoll, temperamentvoll und erfrischend vorgetragen. Der gemischte Chor, seit 15 Jahren unter der Leitung von Elmar Sarlette aus Berg, beendetn das Programm mit dem Lied "Das Lama" des großen deutschen Humoristen der Nachkriegszeit, Heinz Erhard, dem Babysitter-Boogie, in einer Chorbearbeitung von Peter Schnur, sowie dem beliebten Beitrag "Alt wie ein Baum" der Rockband Puhdys aus dem Jahr 1976.

Mit einer Schwarzlicht-Produktion des Kgl. Turnvereins, der in 2018 sein goldenes Vereinsjubiläum gefeiert hat, erzielten zehn Vorturner(innen) unter der Leitung von Myriam Mackels reizvolle Effekte.
Der Dorfabend war von zahlreichen musikalischen Beiträgen der Ortsvereine geprägt. Nach dem gastgebenden Kirchenchor, der den Festgottesdienst in der Ersatzkirche "Haus Leinen" in diesem Jahr aus Platzgründen nicht mitgestaltet hat, wurde der abwechslungsreiche Abend mit Beiträgen des Vokalensembles "Arnikas" unter der Leitung von Walter Dahmen, der das Ensemble 1977 gegründet hat, weitergeführt. Der achtzehnköpfige Frauenchor, der zunächst ein Kinderchor, später ein Jugendchor war, hatte vor zwei Jahren mit einem vielbeachteten Jubiläumskonzert unter dem Motto "leben" ihr 40-jähriges Bestehen in Elsenborn und St.Vith gefeiert. Mit einem breitgefächerten Repertoire bekannter karnevalistischer Hits und mit Unterstützung von Bénédicte Chavet, der neuen Pianistin des Ensembles, vermittelten die Sängerinnen pure Lebensfreude. Mit den Liedern "Echte Fründe" "Et jitt kein Wood", "Ich ben ne Räuber", "Ming eetste Fründin", "Pirate und "Stäane" trafen die Sängerinnen den Geschmack des Publikums.

Das Elsenborner Tambourkorps, das in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert und sich auf die erneute Einstufung in der Exzellenz-Klasse vorbereitet, betrat die Bühne und präsentierte unter der Leitung von Bernard Schäfer anspruchsvolle Musikwerke. Bei den Stücken zeigten die Musiker große Spielfreude, und der 55-jährige musikalische Leiter dirigierte seinen Verein in Werken wie den deutschen Konzertmarsch des thüringischen Militärmusikers Rudolf Herzer, "Hoch Heidecksburg", dem Medley "Jean-Michel Jarre" mit Momenten aus dem Vereinsleben, sowie "Mount Teide" von Mike Oldfield in einer Bearbeitung des Dirigenten, wie immer umsichtig durch die vielen Tempowechsel.

Für den Fußballclub USFC Elsenborn präsentierte mit schneller Zunge Manuel Mackels einen spritzigen Kabarettbeitrag des Multitalents Willy Astor rund um ein "Radkäppchen und den bösen Golf". Dabei erlebt das kleine Radkäppchen spannende Abenteuer. In diesem Wortspiel-Beitrag waren zahlreiche Automarken und Automobil-Bestandteile falsch ausgedrückt.

Im 126-jährigen Jahr des Bestehens der Harmonie wurde der abwechslungsreiche Festabend mit Beiträgen des Kgl. Musikvereins Harmonie Elsenborn unter der Leitung von Sébastien Creppe weitergeführt. Im facettenreichen Programm der Harmonie mit ihrem neuen Vereinsvorsitzenden Alexander Fink in der Nachfolge von Véronique Simon, durften die "Washington Grays", die Südböhmische Polka und die beiden Werke "Baby Elephant Walk" und Champagner Gallop" nicht fehlen, welche in hervorragender Weise das Können des Orchesters unter Beweis stellten.

Mit Alexa Dahmen strapazierten mehrere Beiträge der „Krähenbühne“ die Lachmuskeln der Besucher aufs Äußerste, so bei einem hängenden "F" an der alten Schreibmaschine mit Freddy Schäfer und Alain Faymonville, sowie einem etwas anderen Kinobesuch, einer Darbietung ohne Worte aber mit viel Mimik mit Christian, Carmen, Dimitri, Herbert und Myriam.

Auch der Junggesellenverein "Die Blindgänger" präsentierten in diesem Jahr ihres 30-jährigen Bestehens zwei originelle Beiträge, die zum einen die alltäglichen Probleme der Junggesellen behandelten, hierbei glänzte Liam Willems in der Hauptrolle, und zum anderen den Streit der Körperteile mit Alain Boemer.

Damit ein solcher Abend reibungslos verlaufen konnte, bedurfte es auch zahlreicher Helfer hinter der Bühne. Für die Bewirtung sorgten der Schützenverein und weitere freiwillige Kellner, während Nadine Heindrichs den Saal dekoriert hatte und Bernd Blees für die Beleuchtung und die Tontechnik verantwortlich zeichnete.

Brigittenfest 2019 - Kirchenrenovierung
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. (Mt 21,28-32)

Eigentlich war der 28. Januar 2019 kein guter Tag; kein guter Tag, für alle, die normalerweise viele Worte machen und es bei schönen Worten belassen. Jesus macht im Evangelium nämlich sehr deutlich: Es kommt nicht darauf an, was man alles redet. Wichtig allein ist, was man wirklich in die Tat umsetzt! Und deshalb war der 28. Januar für viele unter uns ein guter Tag. denn die Handwerker haben unsere Kirche übernommen.

Die Kirche wird seitdem Schritt für Schritt renoviert. Im Gotteshaus wurde die große Weimbs-Orgel abmontiert und bis zur Wiederverwendung gelagert. Ziel ist, dass nach etwa zwei Jahren umfangreicher Sanierung möglicherweise ab Weihnachten 2020 wieder Gottesdienste in der Pfarrkirche stattfinden können. Das setzt allerdings einen reibungslosen Ablauf der Arbeiten voraus. Nicht vorhersehbare Schäden, die zusätzlichen Aufwand erfordern, oder andere Unwägbarkeiten können diesen Zeitplan möglicherweise verändern.

Die Kosten belaufen sich auf 1.231.773,96 Euro, wovon 60 Prozent auf das Konto der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) gehen, d. h. 730.719,93 Euro, die restlichen 40 Prozent zu zwei Dritteln zu Lasten der Zivilgemeinde (334.036,02 Euro) und das verbleibende Drittel (167.018,01Euro) zu Lasten der St. Bartholomäus-Pfarrgemeinde.

Im Rahmen der Zusammenlegung der Pfarren zu Pfarrverbänden, inzwischen sind wir schon einen Schritt weiter, dass nicht nur Pfarren, sondern Pfarrverbände zusammengelegt werden, habe ich immer darauf geachtet, dass das Leben in den einzelnen Pfarrgemeinden um den eigenen Kirchturm herum, trotz Fusion zu einem einzigen Pfarrverband - gestärkt und ausgebaut wird.
Deshalb ist der 28. Januar ein guter Tag, denn mit der Sanierung der Pfarrkirche haben wir einen ganz wichtigen Schritt getan, den wichtigsten Schritt, um das kirchliche Leben hier um unsere St. Bartholomäus-Pfarrkirche auch auf Zukunft hin zu sichern.
Denn allein die bauliche Situation hätte uns auf absehbare Zeit mit Sicherheit einen Strich durch alle Rechnungen gemacht. Wie oft hat man mir den Gemeindeplan von Bütgenbach vor die Nase gehalten und mir gezeigt, dass da ja noch genug andere Kirchen im Pfarrverband Bütgenbach stehen, auch mit Blick auf unsere Ersatzkirche im Haus Leinen. Wie oft hat man mir - zu Recht oder zu Unrecht - gesagt, schau doch mal, wenige Kilometer in dieser Richtung bist Du in dieser Kirche und noch weniger Kilometer in der anderen Kirche. Bei Deinen Gottesdiensten, die Du täglich feierst, wäre das doch bestimmt eine Erleichterung. Wie oft habe ich das in den letzten Monaten zu hören bekommen. Und trotzdem haben wir mit dem Kirchenvorstand daran festgehalten und ich feiere sehr gerne mit Euch diese Gottesdienste, auch wenn nur wenige Menschen daran teilnehmen.
Und ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Renovierung eine historische Chance beim Schopf gepackt haben. Hätten wir das jetzt nicht getan, dann wäre für die Bartholomäuskirche über Kurz oder Lang das sichere Aus gekommen.
Und deshalb möchte ich hier allen danken, die nicht nur die Entscheidung mitgetragen haben, sondern auch und vor allem tatkräftig angegangen sind , und ich schaue einige von Euch, die sich ganz besonders ins Zeug gelegt haben, auch ganz bewusst und sehr dankbar an.
Heute stehen wir an einem Punkt an dem wir nämlich voller Dankbarkeit feststellen dürfen, dass es uns gelungen ist, in Zusammenarbeit mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Zivilgemeinde diese große Sanierungs- und Stabilisierungsprojekt anzugehen, das uns in den nächsten Jahren bis über alle Kräfte beschäftigen wird.
Und deshalb war der 28. Januar ein wichtiger Tag, einer, an dem aus einem Traum ein Stück Wirklichkeit geworden ist.
Und ich hoffe, dass all jene, die am Anfang sehr skeptisch geschaut haben oder gesagt haben, ob sich diese Investition angesichts einer sehr schwachen Kirchenbesucherzahl überhaupt lohnen würde, trotzdem voller Dankbarkeit auf ihre Kirche blicken werden.
Wir sind noch lange nicht am Ende, und vieles gilt es zu tun. Und es wird auch noch so mancher Aufschrei geben - wenn uns dann die Schlussrechnung präsentiert wird.
Vor uns liegt eine Zeit, die uns eine ungeheure Chance eröffnet, unserer Pfarre auch für die Zukunft zu wappnen, wenn wir alle bereit, angesichts der hoffentlich zu Weihnachten 2020 neu erstrahlenden Rahmenbedingungen, uns mit dem Glauben zu beschäftigen, der uns Halt im Leben geben will, mit der Heiligen Schrift, die uns von diesem Glauben kündet, wie keine andere Quelle.
Möge unsere zweite Pfarrpatronin, die hl. Brigida, uns in dieser Zeit der Sanierung unserer Pfarrkirche uns den Weg weisen und uns die Augen öffnen, wie wir hier und heute als Christen leben können.
Lothar Klinges, 16. Februar 2019
Brigittenfest im Kulturzentrum Herzebösch
81 photos · 735 views