Kleindenkmäler Bütgenbach 2019
Lokalgeschichte: Anbringen von zwei Schautafeln zum "Keerchenoord" und zum Wachposten am Grünen Kloster.
Als der Bütgenbacher Kirchenort brannte
Bütgenbach
Dass der dicht besiedelte Bütgenbacher Kirchenort 1853 Opfer einer Brandkatastrophe wurde, dürfte den wenigsten bekannt sein. Auch Martha Limburg von der "Vereinigung zum Erhalt von historischem Kulturgut von Bütgenbach-Berg" war diese Feuersbrunst zunächst nicht bekannt.

von Lothar Klinges

Das Feuer zerstörte damals sechs Wohnhäuser, zehn Stallungen, fünf Scheunen und eine Remise, wie es in der Chronik der Gemeinde Bütgenbach heißt. Eines Tages las Martha Limburg einen Beitrag von Heribert Albring über diese Katastrophe in der Zeitschrift des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel. Bei einer Versammlung der Vereinigung entstand die Idee, eine Schautafel des „Keerchenoords“ an der Friedhofsmauer in Bütgenbach anzubringen. Neben den bereits angebrachten Informationstafeln über das Kloster der Vinzentinerinnen und das Krankenhaus St. Josef, erinnert nunmehr diese Tafel an jene Katastrophe. "Auf dieser Tafel ist auch die alte Pfarrkirche gut zu erkennen", freut sich Martha Limburg. Seit dem 28. September 2014 ziert die vom Mützenicher Künstler Klaus Gehlen geschaffene Statue einer Vinzentinerin den neu geschaffenen Vinzentinerinnen-Platz, und am 4. Juni 2016 wurden fünf Schautafeln mit insgesamt 25 Fotos enthüllt, die zu einer Auseinandersetzung mit einem Stück Regionalgeschichte einladen. Gerade hier auf dem geschichtsträchtigen Boden des alten Marktortes Bütgenbach, wo einst die Pfarrkirche als Mutterkirche der Nordeifel und wo bis vor 25 Jahren das St. Josef-Krankenhaus standen, nachdem vor 35 Jahren, am 28. September 1984, die letzten "Barmherzigen Schwestern" Bütgenbach verlassen und zum Mutterhaus in Köln zurückgekehrt waren, fehlten sämtliche Zeugnisse aus jener Epoche. Am 28. Mai 2016 wurde auf den Grundmauern der alten Kirche auf dem Friedhof ein Denkmal gesegnet, das die "Mutterkirche" des ehemaligen Hofes Bütgenbach in Miniatur darstellt, eine Edelstahlkonstruktion mit einer großen Tafel, welche die Geschichte der Mutterkirche erzählt.

Beim Wiederaufbau der Gebäude nach der Brandkatastrophe von 1853 nutzten die betroffenen Einwohner nicht zuletzt auch Steine von der naheliegenden Burgruine. An einigen Häusern sind solche Steine noch heute gut erkennbar, so auch die Sandsteinköpfe seitlich der Türen des zwischenzeitlich neuerbauten Hauses „Fohnen“ (heute Gerd und Margrit Jouck-Elsen), wo die Jahreszahl 1853 an die Brandkatastrophe erinnert.

Die Friedhofsmauer ist Teil des in Bearbeitung befindlichen historischen Rundgangs durch Bütgenbach-Berg. "Wir hoffen den Rundweg bis Ende 2019 beenden zu können", erklärte Herbert Heck. Die Finanzierung der "Keerchenoord"-Tafel, welche die letzte Schautafel des Rundgangs wäre und im Stil der anderen Tafeln konzipiert wurde, übernahm der lokale Horeca-Sektor. Für die grafische Gestaltung zeichnet Lynn Dell verantwortlich, während die Firma Shirtbox (Daniel Wiesemes) die fachgerechte Anfertigung übernommen hat.

Charles Devisser

Eine weitere Schautafel, die sich unweit vom "Grünen Kloster" auf dem Weg von Elsenborn-Lager nach Leykaul-Küchelscheid befindet, erinnert an den Korporal Charles Devisser vom Radfahrerbataillon, der dort am Posten "PD25bis" starb.

Herbert Heck aus Bütgenbach kannte seit längerer Zeit die Überreste des Wachgebäudes "PD25bis", das dem Aufsichtspersonal der Eisenbahn als Schutzraum diente. Kurz vor Kriegsbeginn 1940 hatte die belgische Armee unweit dieses Gebäudes in einem vier Meter tiefen Schacht 495 Kg. Sprengstoff eingefüllt, die für den Fall eines feindlichen Angriffs durch Sprengung einen Krater von 14 Metern Durchmesser am Schienenstrang hinterlassen sollte.
Korporal Devisser stand beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 Wache am Posten PD25bis. Während er seinen Kollegen die Flucht ermöglichte, blieb er selbst am Sicherheitsposten schwer verletzt zurück. Er kam zunächst ins Bütgenbacher Krankenhaus, dann ins Krankenhaus Schleiden, wo er an den Folgen der Verletzung starb.

Herbert Heck wusste von der jährlichen Gedenkfeier zu Ehren des Unteroffiziers. Der Präsident des Radfahrerbataillons, Edmond Jacobs, hatte einen Gedenkstein setzen lassen, während der Bering von der Gemeinde Bütgenbach instand gesetzt wurde.
Im Sommer 2018 wurde nunmehr eine Infotafel bei den Überresten des Wachpostens aufgestellt. "Viele Radfahrer und Wanderer kommen an dieser Ruine vorbei, und keiner weiß um deren Bedeutung", bedauerte Herbert Heck. Aus diesem Grund haben Manfred Dollendorf, Herbert Heck und Martha Limburg zusammen mit dem ehemaligen ZVS-Vorsitzenden Klaus-Dieter Klauser, der sich mit viel Engagement und Herzblut investiert hat, eine interessante Schautafel gestaltet, die dann vom Bauhof der Gemeinde Bütgenbach aufgestellt wurde. Finanziert wurde dieses Projekt vom Geschichtsverein Zwischen Venn und Schneifel (ZVS) im Rahmen der anderen Schautafeln über die Bahngeschichte entlang des Radweges.

Publikation: Umfangreiches Verzeichnis der Kleindenkmäler in Bütgenbach
Eine Reise durch die faszinierende Welt der Kleindenkmäler

Am Freitag, 18. Januar, wird im Bütgenbacher Gemeindehaus das neu erschienene Buch "Kleindenkmäler in Bütgenbach" öffentlich vorgestellt, das die Vielfalt an Kleindenkmäler, des Burgortes veranschaulicht. Dieses beachtliche Werk, das mit Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft finanziert wurde, stammt aus der Feder des Bütgenbacher Lokalhistorikers Manfred Dollendorf. Martha Limburg und Herbert Heck haben ebenso daran mitgewirkt wie auch Klaus-Dieter Klauser, der wesentlich zum Gelingen dieser Erfassung der Kleindenkmäler beigetragen hat. Weitere Heimatfreunde haben Fotos und Karten beigesteuert.

Nach längerer Vorbereitungszeit ist dieser umfangreiche "Denkmalführer" von der Bütgenbacher Vereinigung zum Erhalt von historischem Kulturgut herausgegeben worden. In Überblicksbeiträgen wird der historisch bedeutsame Kleindenkmal-Bestand unter verschiedenen Aspekten vorgestellt und im geschichtlichen Kontext gewürdigt.

Das reich illustrierte Werk wird, neben den beiden Erinnerungs- und Informationstafeln zum Wachposten am "Grünen Kloster" und zum Kirchenort, im Sitzungssaal der Gemeinde Bütgenbach von Autor Manfred Dollendorf vorgestellt, der von Heinz Schwarz aus Berg, Mitglied der Denkmalschutzkommission und der ÖKLE, dazu motiviert wurde, die Geschichte der Kleindenkmäler niederzuschreiben. "Gleich beim ersten Federstrich fingen die Probleme an, denn die Brücken wurden gestrichen, da sie keine Kleindenkmäler sind", erzählt der Autor. Somit blieben die Kreuze, die Gedenksteine und die kleineren Kunstwerke in Bütgenbach. "Zudem dachte ich gegebenenfalls noch an Schilderungen aus der geschichtlichen Vergangenheit, die nirgendwo festgehalten sind und unbedingt niedergeschrieben werden müssten."

Manfred Dollendorf entschied sich, sein Werk mit der "schwimmenden Jungfrau“ in Worriken zu beginnen. Weder im Touristinfo-Büro am Bütgenbacher Marktplatz noch in Worriken konnte man ihm mit Informationen behilflich sein. Im Archiv des GrenzEchos wurde er fündig und fand schon mal den Nachnamen des Künstlers. Mit Hilfe von Herbert Heck, der den damaligen Worriken-Direktor Helmut Timmermann um Rat gebeten hatte, kontaktierte er den Architekten des Zentrums, Herrn Jourdain, der ihm die notwendigen Informationen zukommen ließ. "Zu jedem Text in der Publikation gibt es eine spannende und nicht geschriebene Geschichte", weiß Manfred Dollendorf.

Nach und nach kamen immer mehr Texte zusammen, die von Martha Limburg zusammengestellt wurden. Von großem Interesse sind zweifellos die Erläuterungen zu den verschiedenen Segenskreuzen (Stationskreuze bei der Fronleichnamsprozession) wie auch den Wegekreuzen, Grabsteinen, Gedenktafeln, historischen Bäumen und markanten Punkten. "In Ehrenbürgermeister Herbert Heck und ZVS-Ehrenpräsident Klaus Dieter Klauser habe ich eine echte Hilfe gefunden." Alle Texte und Bilder wurden überprüft und von Lynn Dell in eine stilvolle Publikation gegossen. "Das Eintauchen in die faszinierende Welt der Kleindenkmäler öffnet nicht nur den Blick für die ungeahnte Vielfalt der oft kunstvoll gestalteten Objekte, sondern führt uns zu unserer eigenen Geschichte", erklärt Manfred Dollendorf. Das reich illustrierte Kleindenkmal-Buch vereinigt die Vorzüge eines Sachbuchs mit denen eines Bildbandes.

Der Denkmalführer ist zum Preis von nur 5 Euro erhältlich im Tourist Info Bütgenbach, bei Blumen Astrid Brüls und bei News Point (Corinna Heinen)
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