50 Jahre Caterina von Siena in Astenet 2018
Jubiläum: Caterina-von-Siena-Kapelle in Astenet blickt auf 50 Jahre zurück / Festmesse mit Bischof em Aloys Jousten am 13. September 2018
Goldenes Kirchweihfest am Himmelsplatz

Astenet

"Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten" - eine nachweisliche Aussage von Caterina von Siena, die treffend veranschaulicht, was in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Astenet gewachsen ist.

von Lothar Klinges

Unter dem unermüdlichen Antrieb von Jean E. Wintgens und Irmgard Wintgens-Beck, die in ihrer Funktion als Vorsitzende der Caterinati VoG das Erbe ihres Schwiegervaters und Eupener Geschäftsmannes fortführt, entstand am "Himmelsplatz" ein Heiligtum, dessen Grundstein vor 50 Jahren gelegt wurde.

Am Donnerstag, 13. September, findet das goldene Kirchweihfest der Gebetsstätte im Beisein von Bischof em. Aloys Jousten statt. Am 13. Oktober 1968 begann hier die Verehrung dieser Heiligen, weil ein Eupener Geschäftsmann so sehr von ihr beeindruckt war, dass er ihr eine Kapelle bauen ließ. Dabei sollte es anfangs nur ein schlichter Bildstock sein, so wie man sie früher am Wegesrand errichtete.

Die erste "Begegnung" von Jean E. Wintgens (1914-1988) mit Caterina von Siena, die einst das Exil der Päpste zu Avignon beendete, geht auf das Frühjahr 1963 zurück, wie er selbst, drei Jahre vor seinem Tod, in seinem Vermächtnis "Danke Caterina" aus dem Jahre 1985schrieb. Während eines Gottesdienstes in der Eupener Nikolauskirche blätterte er in seinem alten Schott und stieß auf einen Text über die Heilige, die ihm bis dahin völlig unbekannt war. Wie kam es, dass ein ungebildetes Mädchen Einfluss auf Fürsten und Päpste gehabt und eine solch richtungsweisende Rolle für die Kirche gespielt hat. Diese Frage beschäftigte den Geschäftsmann so sehr, dass er noch im Dezember desselben Jahres nach Rom reiste, um in der Kirche Santa Maria sopra Minerva, unweit des Pantheons, das Grab der hl. Caterina zu besuchen. Zurück in Eupen stöberte er in Biografien und Briefwechsel der Heiligen und war von ihr begeistert. Für ihn stand fest, dass er diese Frau den Menschen seiner Heimat näherbringen möchte.
Die Errichtung einer Kapelle erschien ihm als das geeignetere Mittel, damit dieser Heiligen mehr Beachtung geschenkt würde. Mit Hilfe seines Schulfreundes, Dr. Engelbert Köttgen, fand er einen geeigneten Ort entlang der Pilgerroute von Eupen nach Moresnet, am höchsten Punkt entlang der Landstraße zwischen Walhorn und Hergenrath mit einer herrlichen Rundumsicht auf die hügelige Landschaft. Auf einer Flur mit der symbolträchtigen Bezeichnung "Himmelsplatz", wie sich bei späterer Prüfung im Katasterbuch herausstellte. Diesen Weg kannte er, denn schon als Kind nahm er an der Hand seiner Mutter an der jährlichen Wallfahrt zum Marienheiligtum in Moresnet teil.
Jean Wintgens beschrieb das Grundstück im Besitz der Gemeinde Walhorn als "eine kleine Wildnis, die einen Weiher umgab. Quakende Frösche schreckten auf und sprangen mit lautem Plumps in ihr grünes Element zurück. Dem von alten Eichen und Buchen eingefassten Weiher war in Richtung Hergenrath ein kleines Grundstück vorgelagert. Von Gräsern überwuchert stand dort eine uralte Bank mit Blausteinsockel und morschen Holzbalken.“
Beim damaligen Bürgermeister von Walhorn, Joseph Goka, rannte er offene Türen ein. Der Gemeinderat gab am 27. Mai 1968 grünes Licht für die Abtretung des Geländes in Astenet, womit der Weg frei war für den Bau einer Kapelle. Bevor der erste Stein gesetzt werden konnte, entwarfen André Blank, gemeinsam mit Emile José Fettweis ein Modell, von dem der Initiator und Bauherr sehr angetan war.
Am 8. Juli 1968 begannen die Maurer der Raerener Firma Hubert Peters & Söhne mit dem Fundament, und wenige Monate später war der moderne, einladende rote Backsteinbau mit der halboffenen Betonkuppel fertiggestellt. Jedoch musste noch eine Statue der heiligen Caterina her. Geschaffen wurde diese Figur, die von zwei Engeln umgeben ist, von der bekannten und äußerst versierten Raerener Bildhauerin Maria Hasemeier-Eulenbruch.
Am 13. Oktober 1968 wurde die Kapelle vom damaligen Eupener Dechant, Kanonikus Benoït Ledur, im Beisein der beiden Dominikaner Antonio Silli und Angelico Alori aus dem Kloster in Rom geweiht.
Ende Juli 1976 besuchte der Erzbischof von Siena zum vierten Mal die Kapelle in Astenet. Bei diesem Besuch empfahl er Jean Wintgens an der Kapelle ein Haus der Begegnung zu errichten. Im Oktober 1979 wurde mit dem Bau des Hauses begonnen, dessen Architektur an die Piazza del Campo in Siena erinnern sollte. Sowohl die fünf geneigten Fächer des Daches, als auch der Caterina-Brunnen, in dessen Mitte Caterinas Gesicht zu erkennen ist, erinnern an den weltberühmten Platz. Da das Gebäude allein durch Spenden gebaut werden sollte, dauerten die Bauarbeiten bis Ende August 1985. Dieses "Haus der Begegnung und der Versöhnung" dient der Aufnahme und dem Empfang der Pilger. Hier finden die monatlichen Eucharistiefeiern und Gebetsstunden, wie auch die Versammlungen der Caterinaten und (Jugend-) Besinnungstage statt.
HINTERGRUND
Es gab immer wieder Steine, die auf dem Weg lagen

Nach Caterinas Heiligsprechung im Jahre 1461 wurde die Bruderschaft der heiligen Caterina gegründet. Anlässlich ihrer Ernennung zur Kirchenlehrerin 1970 wurde die Ökumenische Bewegung der Caterinaten ins Leben gerufen. Auch in Eupen und Umgebung wurde im Februar 1973 von Jean Wintgens eine Landesgruppe gegründet.
Seit 1988 ist Irmgard Wintgens-Beck Präsidentin der Vereinigung, die inzwischen „Internationale Vereinigung Caterina von Siena VoG“ genannt wird. "Wir bieten Gastfreundschaft und empfangen regelmäßig Besucher und Pilgergruppen im Haus der Begegnung", erklärt die Vorsitzende. Von März bis November findet monatlich eine Eucharistiefeier statt, während das Hochfest der heiligen Caterina von Siena Ende April, sowie das jährliche Kirchweihfest im September besonders feierlich gestaltet werden. Eine Gebetsgruppe trifft sich ebenfalls regelmäßig im Haus. Seit über einem Jahr bietet die Gemeinschaft der "Zellen vom Göttlichen Herzen Jesu" im Caterina-Haus spirituelle Begleitung an. Jeden Freitagnachmittag (15-17 Uhr) findet die "Stunde des geöffneten Herzens" mit Anbetung und Austausch statt.
Da sich die meisten Vorstandsmitglieder der Vereinigung in einem fortgeschrittenen Alter befinden, möchten diese die Verantwortung in jüngere Hände legen. "Ideal wäre es, Menschen zu finden, die seit kurzem in Pension gegangen sind, denen die hl. Caterina und ihre Gebetsstätte in Astenet am Herzen liegen und bereit sind, sich einzusetzen" , wünscht sich Irmgard Wintgens-Beck. "Die Verantwortung in der Leitung der Gebetsstätte war für mich nicht immer leicht zu tragen. Es gab immer wieder kleine und größere Steine, die auf dem Weg lagen und weggeräumt werden mussten." Als Mensch, der nach "Zeichen" sucht und diese zum Durchhalten benötigt, seien ihr oft solche Zeichen geschickt worden, bekennt die Vorsitzende. So vieles sei in diesen Jahren geschehen, das ohne Gottes Hilfe nicht möglich gewesen wäre. "Daher ist für mich klar, dass es Gott ist, der die Geschichte der Gebetsstätte hier am Himmelsplatz in Astenet schreibt."

NACHGEFRAGT BEI...
Irmgard Wintgens-Beck, Vorsitzende
Viele Menschen dürsten nach Oasen der Stille

Wir sprachen mit der 71-jährigen Präsidentin der Internationalen Vereinigung Caterina von Siena, Irmgard Wintgens-Beck aus Eupen, die seit 30 Jahren der Bewegung vorsteht.

Begonnen hat alles mit der bescheidenen Kapelle am Wegesrand. Was bedeutet das goldene Kirchweihjubiläum für Sie persönlich?

Zu Beginn 1968 war die hl. Caterina von Siena für die meisten Menschen unserer Gegend eine unbekannte italienische Heilige. Heute wird sie von zahlreichen Menschen unseres Dreiländerecks und darüber hinaus sehr verehrt. Vielen ist sie zur Fürsprecherin in den Sorgen und Nöten des Lebens geworden. Wenn ich sehe, was in diesen 50 Jahren hier geschehen und gewachsen ist, dann kann ich nur staunen, Gott loben und danken.

Ihr Schwiegervater und Gründer, Jean E. Wintgens, hat nicht nur Zustimmung, sondern auch Argwohn und Gegnerschaft erfahren. Worauf führen Sie die Erfolgsgeschichte dieser Kapelle zurück?

Ja, der Erfolg ist wirklich erstaunlich... Für mich ist dies ein Zeichen, dass Gottes Segen zugegen ist. Die Menschen gehen dorthin, wo sie Ruhe, Kraft, Trost und Hilfe im Gebet finden. Viele Menschen erzählen uns, dass sie sich hier wohl und getragen fühlen. Für sie ist dieser Ort längst ein Zufluchtsort geworden, wo sie ein Dach für die Seele finden. Nicht wenige junge Leute kennen Caterina und ihre Gebetsstätte bereits seit Kindertagen, wo sie mit ihren Eltern regelmäßig zur Kapelle kamen. Inzwischen haben sie selbst eine Familie und kommen mit ihren Kindern. Es kommen nicht selten junge Menschen zu Caterina, sowie Großeltern mit ihren Enkelkindern.

Welche Bedeutung hat dieser Ort in unserer säkularisierten Welt?

In unserer Welt, wo Menschen sich vom christlichen Glauben und von der Kirche entfernt haben, wo Hektik und Ellenbogenmentalität verbreitet sind, kommt bei nicht wenigen Leuten eine innere Leere und Unzufriedenheit auf. Sie stellen sich Fragen nach dem Sinn des Lebens und sehnen sich nach Liebe, Halt und Geborgenheit. Sie dürsten nach Oasen der Stille zum Auftanken ihrer Seele. Unsere Kapelle und das Haus der hl. Caterina am Himmelsplatz können eine solche Oase sein. Wir stellen fest, dass zu jeder Zeit, sogar in der Nacht, junge und alte Menschen aller Gesellschaftsschichten zu Caterina kommen. Manche kommen nachts, da sie nicht erkannt werden möchten. Einige Leute haben uns erzählt, dass sie bei ihren Besuchen in der Kapelle tief berührt wurden und über Caterina zum Glauben und zur Kirche zurückgefunden haben.

Was lässt Sie vor allem mit Dankbarkeit auf die 50 Jahren zurückblicken?

Zahlreiche persönliche Begegnungen an diesem Gebetsort führten zu tiefen Glaubensgesprächen. Dankbar bin ich, dass auch ich im Glauben wachsen durfte. Die Freunde der hl. Caterina, die regelmäßig die Kapelle besuchen und die auch an den monatlichen Gottesdiensten teilnehmen, sind zu einer Familie zusammen¬gewachsen. Diese tragende Gemeinschaft, wo man Freud und Leid miteinander teilt, ist kostbar.
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