Sternsinger zu Besuch im DG-Parlament
Ostbelgische Sternsinger wurden am 6. Januar 2016 von Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz in Eupen empfangen.
Dreikönigssingen 2016: Ostbelgische Sternsinger besuchten Parlament
Kleine Könige von Parlamentspräsident empfangen

Eupen
Das Arbeitsjahr begann für Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz am Mittwoch mit dem "Stern von Betlehem" und dem königlichen Segen: Bei einem seiner ersten Termine im neuen Jahr empfing der Parlamentspräsident 36 Sternsinger.

von Lothar Klinges

Aus allen neun ostbelgischen Pfarrverbänden hatten sich drei Könige und ein Sternenträger auf den Weg nach Eupen gemacht. Stellvertretend für die rund 1.000 Sternsinger in der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben sie das Segenszeichen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ erstmals im neuen Parlamentsgebäude angebracht, denn seit 2012, damals noch am Kaperberg, hatte es keinen Sternsingerempfang im DG-Parlament gegeben.

Neben dem Segen haben die Sternsinger - wie die Weisen aus dem Morgenland - auch Geschenke überbracht. In Form einer Sprechblase hatten sich die kleinen Könige aus Heppenbach, Honsfeld, Steffeshausen-Ouren, Bütgenbach-Berg, Eupen, Kelmis, Walhorn, Raeren und Neundorf mit dem Jahresthema "Respekt für Dich, für mich, für andere in Bolivien und weltweit" auseinandergesetzt. Auf einer kunstvoll gestalteten Sprechblase erläuterten die Sternsinger das Wort "Respekt" für ihren eigenen Alltag und überreichten sie dem Parlamentspräsidenten.

Das aktuelle Motto der Sternsinger nahm auch der Parlamentspräsident wortwörtlich und bekundete den Sternsingern seinen Respekt dafür, dass sie von Haus zu Haus ziehen. "Neben dem tollen Ergebnis des Sternsingens kommt es vor allem auf den tiefen Sinn der Aktion an: Solidarität mit den Kindern weltweit", sagte Karl-Heinz Lambertz. "Mit Eurem Motto 'Respekt' seid Ihr auch ein Ansporn für mich und für unsere Arbeit im Parlament, wo es auch darauf ankommt, einander mit Respekt zu begegnen." Der Präsident hofft, dass die Sternsinger viele offene Türen in Ostbelgien finden.

Neben Markus Offner vom Aachener Kindermissionswerk "Die Sternsinger" nahm auch Jean Lazarus aus Eupen am Empfang teil. Der langjährige Diözesandirektor von Missio Eupen und Lüttich und Nationalsekretär des Kindermissionswerkes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft hatte die Sternsingeraktion vor 32 Jahren in Ostbelgien ins Leben gerufen. Heute findet diese Aktion von Kindern für Kinder in allen 42 Pfarren Ostbelgiens statt.

Und dann kam der Moment: Die Segnung Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Drei Sternsinger aus Heppenbach übernahmen die Aufgabe, den Schriftzug 20*C+M+B+16 an den Präsidiumstisch des Parlaments anzubringen, während der Präsident den Sternsingern eine Spende für Projekte in Bolivien überreichte.

Ab Mittwoch wird nun der Segen die Abgeordneten und Besucher im Parlament begrüßen. Karl-Heinz Lambertz freute sich, dass diese Tradition wieder aufgenommen wurde und bedankte sich bei den Sternsingern und Begleitpersonen, die nicht nur über das Gute sprechen, sondern sich aktiv für mehr Solidarität mit den Ländern des Südens einsetzen. Schließlich bedankte sich Marie-Christine Hoen-Dorr im Namen der ostbelgischen Sternsinger. "Mit dem heutigen Empfang zeigen Sie, dass Sie den Einsatz der Sternsinger als einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Welt wertschätzen." Am Ende gab es für alle Sternsinger in der Cafeteria des Parlaments Kakao und Gebäck.

Der nächste Sternsinger-Empfang im Eupener Parlament findet am Mittwoch, 11. Januar 2017, statt. Zuvor aber werden am 12. Januar 2016 vier Sternsingerinnen aus Schoppen von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in Brüssel empfangen.


32. Sternsingeraktion 2016 in Ostbelgien

Ansprache im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Eupen

Sehr geehrter Herr Parlamentspräsident,
Sehr geehrter Herr (Markus) Offner, Grundsatzreferent des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen,
Sehr geehrter Herr Lazarus, lieber Jean,
Liebe Sternsinger/innen und Verantwortlicher der Sternsingeraktion,

Besonders freut es mich, Dich, Jean, auch unter uns zu wissen, denn die Sternsingeraktion geht auf Deine Initiative zurück. Bis zum 31. August 2009 warst Du während 25 Jahren der unermüdliche Diözesandirektor von Missio Eupen und Lüttich und Nationalsekretär des Kindermissionswerkes in der DG. Von 2004 bis März 2010 warst Du ebenfalls Präsident der Konferenz der Europäischen Kindermissionswerke (CEME).

Es war im Frühjahr 1983, als Père Charles Winbomont aus Malmedy, Gründer des Missionsdienstes der Jugend (Service Missionnaire des Jeunes / SMJ) und ehemaliger Missio-Diözesandirektor den damals 36-jährigen Religionslehrer Jean Lazarus in Eupen aufsuchte und ihm anvertraute: „Ich muss die Zukunft vorbereiten.“

Bei seinem Besuch in Eupen hatte er Jean Lazarus gebeten, ihm für die Arbeit in Ostbelgien zur Seite zu stehen und mit dem Kindermissionswerk und Missio in Aachen Kontakt aufzunehmen, wo er Hilfe und Unterstützung finden würde. In Aachen, besonders bei Prälat Arnold Poll, dem damaligen Verantwortlichen des deutschen Kindermissionswerkes, fand Jean Lazarus sogleich die Bereitschaft zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vor, die bis heute fortbesteht. Vielen Dank an Aachen.

Anfang 1984 konnte die die Aktion zunächst in der Eupener Pfarre St. Josef und in Eynatten gestartet werden. Damit war der Anfang der Sternsingeraktion zugunsten des Kindermissionswerkes in Ostbelgien gesetzt.

Bereits vorher hatte es in einigen ostbelgischen Pfarren das Dreikönigssingen zur Jahreswende gegeben, mit dem aber vor allem hiesige soziale Projekte unterstützt wurden. Die Sternsingeraktion ist also älter als 32 Jahre. Seit 1984 wird diese Aktion aber durch das Kindermissionswerk betreut, für dessen Projekte seitdem gesammelt wird.

Im Jahr 1987 nahmen mit Elsenborn, Büllingen, Eupen-St. Josef, Eynatten, St. Vith, Nidrum und Kettenis bereits sieben Pfarren an der Sternsingeraktion teil.
Heute beteiligen sich 57 Ortschaften in Ostbelgien, so dass es keine weißen Flecken mehr auf der ostbelgischen Landkarte der Sternsingeraktion gibt. Die Sternsingeraktion ist inzwischen zu einem festen Bestandteil im kirchlichen Leben aller ostbelgischen Pfarrverbände geworden und wird wesentlich von Laien getragen wird.

Seit 2002 findet das jährliche gemeinsame Vorbereitungstreffen der Sternsingerverantwortlichen Ostbelgiens im Kloster Jungfrau der Armen in Bütgenbach statt. Träger der Aktion in Ostbelgien ist heute das Kindermissionswerk Aachen. Dafür sind wir der Aachener Zentrale sehr dankbar.

In Zusammenarbeit mit den Pfarrern lernen die Kinder und Jugendlichen die Lebenssituation von Gleichaltrigen in den Ländern des Südens kennen und können so die Zusammenhänge in der „Einen Welt” verstehen. Auf diese Weise erfahren sie, dass der Einsatz für eine gerechte Welt Spaß machen kann. Die Erlöse aus der Aktion in der DG sind hauptsächlich für Projekte im jeweiligen Beispielland bestimmt.

In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Leitgedanken "Respekt für dich, für mich, für andere in Bolivien und weltweit."

Neben den in der Mehrzahl zwischen acht und 13 Jahre alten Kindern, die als Kaspar, Melchior und Balthasar Anfang Januar von Haus zu Haus ziehen, sind zahlreiche ältere Jugendliche und Erwachsene bei der Begleitung der Kinder und in der Vorbereitung aktiv. Durch die Beschäftigung mit dem Beispielland, dem Leitwort und den fantastischen Aktionsmaterialien bereiten sie sich auf die Aktion vor. In beinahe allen Pfarren Ostbelgiens finden feierliche Aussendungsgottesdienste mit den Sternsingern statt.

Zur 20. und 25. Jubiläums-Sternsingeraktion 2003 und 2009 fanden Ende Dezember im Beisein von Bischof Aloys Jousten zentrale Aussendungs- und Jubiläumsgottesdienste in der Lütticher St. Pauls-Kathedrale statt, an der über 700 Kinder und zahlreiche Begleitpersonen teilnehmen. Zum zehn, bzw. fünfzehnjährigen Bestehen fanden zentrale Aussendungsfeiern in Rocherath bzw. Bütgenbach statt.

Von Anfang an wurden auch die ostbelgischen Sternsinger ins Bundeskanzleramt eingeladen. Für die gesamte Aktion in Ostbelgien war dies natürlich eine große Ehre. Es war 1985, als die ersten Sternsinger aus der Eupener Unterstadt eingeladen wurden, gefolgt von Eynatten. Von 1985 bis 2009 haben viele ostbelgische Sternsinger am Empfang beim Bundeskanzler bzw. der Bundeskanzlerin in Bonn und danach in Berlin teilgenommen. Vielleicht wird dies auch wieder in Zukunft möglich sein.
Am 11. Januar 1999 nahm eine Abordnung von Sternsingern aus Eupen, St.Vith und Weywertz am Empfang von König Albert im Königlichen Palais in Brüssel teil.
Seit 2015, also seit dem letzten Jahr, nimmt - dank des Aachener Kindermissionswerkes - auch eine Delegation aus Ostbelgien am Empfang der europäischen Sternsinger bei EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Brüsseler Europaparlament teil. Im Januar 2015 waren es Sternsinger aus Espeler, am 12. Januar 2016 werden es vier Sternsingerinnen aus Schoppen (Amel) sein.
Von 1995 bis 2009 empfing auch der Präsident des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine „königliche Abordnung“ aus den drei Dekanaten Ostbelgiens, aus Wallonien und Flandern und den Nachbarländern Deutschland und Holland. Es war der damalige RdG-Präsident Manfred Schunck, der die Sternsinger zum ersten Mal eingeladen hat. Im Jahr 2012 hat es dann nochmals einen Empfang im Parlament durch Parlamentspräsident Ferdel Schroeder gegeben, in den darauffolgenden Jahren hat es dann keine Besuche der Sternsinger Ostbelgiens im Parlament mehr gegeben bis. 2016.
Wir freuen uns, dass diese Tradition wieder aufgenommen wurde und dass heute - nach fünf Jahren - Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz Abordnungen der Sternsinger aus den neun ostbelgischen Pfarrverbänden bzw. Gemeinden empfängt.

Dankesworte an die Sternsinger/innen und an die etwa 75 Verantwortlichen der Sternsingeraktion in Ostbelgien

Lothar Klinges
06.01.2016
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