MV Weywertz Jahreskonzert 2010
Jahreskonzert des Kgl. Musikvereins "Zur Alten Linde" Weywertz am 23. Oktober 2010 im Saal Hermann, Weywertz

Gastverein: Kgl. Musikverein "Hof von Amel"

Kgl. Musikvereine „Zur Alten Linde“ und „Hof von Amel“ mit farbenreichem Klangerlebnis beim Jahreskonzert in Weywertz

Gelungene Tonkunst und musikalische Freude

Weywertz

Zum traditionell im Herbst stattfindenden Jahreskonzert des Kgl. Musikvereins „Zur Alten Linde“ Weywertz konnte in diesem Jahr der Kgl. Musikverein „Hof von Amel“ unter der Leitung von Johann Piront verpflichtet werden, was unweigerlich hohe Ansprüche weckte.

Wie in den vorigen Jahren nahmen die Musiker zunächst an dem Gottesdienst zum Weltmissionssonntag in der St. Michaels-Pfarrkirche teil.

Beim Konzertabend im Saal Hermann, den Ursula Reuter-Gehlen moderierte, präsentierte der Weywertzer Verein, der 1924 gegründet wurde und sich in den letzten 25 Jahren zu einem der zweifellos renommiertesten Orchester der DG entwickelt hat, Werke aus seinem aktuellen Reper¬toire. Mit Spannung warteten die Zuhörer im »ausverkauften» Saal auf die Vorträge der beiden Ensembles.

Während sich der Konzertabend im vergangenen Jahr noch in den Marathonlauf der Proben für den Einstufungswettbewerb einreihte, spielten die Gastgeber zum Einstieg die Ouvertüre zu der Volksoper „Der Kuss“ des böhmischen Komponisten Bédrich Smetana (1824-1884). „Der Kuss“ ist die erste Oper, die Smetana in völliger Taubheit schuf. Smetana brennt hier ein Feuerwerk ab, die Musik ist derart zündend, dass es eine wahre Freude war, den Musikern zuzuhören. Das Werk beanspruchte alle Register eines symphonischen Blasorchesters und machte deutlich, welche Möglichkeiten des musikalischen Vortrags ein solches Ensemble hat. Der Zuhörer konnte darin Wagner vermuten. Smetana hat zwar viele Werkzeuge von Wagner übernommen, hat aber mit „Hubicka“ einen eigenen, unverwechselbaren Opernstil geschaffen. Sein Werk verbindet nicht nur das bäuerliche Milieu, sondern auch die gleiche pulsierende, mitreißende Musiksprache.

Mit der „Terkishe“ aus der Komposition „Yddisch Dances“ des zeitgenössischen englischen Komponisten Adam Gorb, Direktor am „Royal Northern College of Music“ in Manchester, führte der Musikverein einen Volkstanz im Stil der sogenannten „Klezmer-Musik“ auf, wie sie für eine jüdische Hochzeit denkbar ist. So mancher Zuhörer dachte bei dieser Musik an einen jüdischen Tango. Die spannende Herausforderung dieses Beitrags mit seinen eindringlichen Klängen, die die Zuhörer richtig mitgehen ließen, bewältigte das Orchester meisterhaft und erhielt dafür den verdienten, lang anhaltenden Applaus.

Von dem Komponisten Raymond Micha aus Stavelot, der vor vier Jahren verstarb und mit dessen Namen das bekannte Musikfestival von Stavelot verbunden ist, stammte das Stück „Poème pastoral“. In diesem Hirtengedicht hat Raymond Micha, dessen Kompositionen der romantischen und impressionistischen Bewegung zugeschrieben werden, sehr schöne Naturimpressionen musikalisch verarbeitet. Die Harmonie bestach bei diesem solide komponierten Werk mit viel Charme, Raffinesse und Eleganz.

Bei dem Werk „Gaelforce“, was so viel heißt wie „Kraft der Gaelen bzw. Iren“ als auch im doppelten Sinne als „Kraft des Windes bzw. der Bläser“ verstanden werden kann, wurden die Klangfarben und die Vielfalt des modernen Sinfonischen Blasorchesters ausgereizt. Einmal spielten die Holzbläser die Hauptrolle, dann war es ein Flügelhornsolo mit den Holzbläsern, die Schlagzeuger und letztendlich das gesamte Orchester.
Zum Abschluss führten die Weywertzer die „Four Scottish Dances““ des britischen Komponisten Malcolm Arnold (1921-2006) auf. Dieser Tanz hat einen typisch schottischen Charakter, der zumindest auch erahnen lässt, dass das schottische Nationalgetränk manchmal seine Wirkung zeigt. wenn in Schottland getanzt wird.
Der 52-jährige Robert Sarlette, der seit über 30 Jahren dem Verein als musikalischer Leiter vorsteht, hatte auch hier seine Musiker(innen) hervorragend auf das Werk eingestimmt. Selbst bei schwierigsten Passagen und Soli kam der ausgeglichene Klangkörper der Weywertzer zur Geltung. Die musikalische Einheit kam auch in der Zugabe „Lis escoubo“, dem letzten Teil, eine sogenannte „Fanrandole“ aus der „Suite provençale“ des zeitgenössischen belgischen Komponisten Jan Van der Roost zum Tragen, wobei alle Register gleichermaßen gefordert waren.
Bei allen Werken machte sich ohne Zweifel die jahrelange ebenso beständige wie gezielte (Jugend-)Aufbauarbeit von Robert Sarlette bemerkbar, der stets gewillt ist, die Musik auf ein höchst mögliches Niveau zu bringen. Die 55 meist jungen Musiker bestachen jedenfalls in allen Werken durch musikalische Klasse, und der begeisterte Beifall des aufmerksamen Publikums war nach den ausgereiften Darbietungen mehr als verdient.

„Hof von Amel“

Im Anschluss an die Weywertzer Vorträge erhob der 56-jährige Johann Piront aus Eibertingen, der dem 1896 gegründeten Ameler Musikverein seit 24 Jahren als Dirigent vorsteht, den Taktstock. Die 50 Musiker(innen) konzertierten im Auftrag der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit einem bunten Mix von modernen Klängen und feuriger Blasmusik.

Zunächst präsentierten die Ameler, die zur Exzellenzklasse gehören, mit viel Ausstrahlung die glanzvolle „Festliche Ouvertüre“ von Bédrich Smetana, die mit ihrer faszinierenden Bläsermusik bei den Weywertzern auf große Aufmerksamkeit stieß, hatten sie doch vorher ebenfalls ein Werk des gleichnamigen Komponisten als Ouvertüre aufgeführt.

Neben dem anspruchsvollen Stück „Dichter und Poet“ von Franz von Suppé in einer Transkription des Japaners Takahashi, das von den Musikern mit einem ausgezeichneten Solo von Sandra Meyer aus Recht am Saxophon sicher gemeistert wurde, stand auch „Euphoria“ von Ray Woodfield mit einem hervorragenden Solo von Philippe Mertes am Bariton auf dem Programm.

Mit symphonischer Wucht und melodiöser Gewandtheit spielten die Ameler das Werk „High up in the sky” (Hoch oben im Himmel) des Österreichers Fritz Neuböck, das mit einer Fanfare begann, gefolgt von einer Hymne, die das Zentrum der Komposition bildet. Den Solopart übernahmen in diesem Beitrag René Chavet und Gerhard Piront. Das Schlagwerk imitierte in diesem Teil Windgeräusche, welche die beiden Solisten in luftiger Höhe erklingen ließen. Schließlich bildeten die Hymne und das abschließende Maestoso den klanglichen Höhepunkt des Werkes.

Das nachfolgende Werk „La Vita è bella“ (Das Leben ist schön) mit der sanften Musik von Nicola Piovani spielt im Zweiten Weltkrieg und erzählt die Geschichte von Guido und seinem Sohn in einem Konzentrationslager. Der Film lief übrigens letzte Woche im Fernsehen mit der von Lorenzo Bocci bearbeiteten Oscar gekrönten Filmmusik für Blasorchester.

Das Konzert endete mit „Hafabra follies“, einem lustigen Stück von Bo Gay und Marcel Peeters, das mehr als 70 Melodien in sieben Minuten beinhaltete, und mit „The cream of clapton“ des bekannten englischen Blues- und Rockgitarristen Eric Clapton in einem Arrangement von Ron Sebregts. Der Ameler Musikverein präsentierte daraus einige der Sahnestücke wie „Wonderful Tonight“, „Layla“ und „Tears in Heaven“.

Das Publikum erwies sich als dankbar und forderte eine Zugabe mit dem „Marsch der belgischen Fallschirmjäger“ von Pierre Leemans (1897-1980) aus Schaerbeek, der 1946 zum offiziellen Marsch der belgischen Eliteeinheit der Fallschirmjägertruppe gewählt wurde, zu den meistgespielten belgischen Konzertmärschen gehört und durch seine klangliche Bandbreite und wunderschöne Melodie überzeugt.

In jeder Phase des Konzerts spürte man das wochenlange, enorme Probenpensum. Das präzise spielende Klangensemble sowohl der Weywertzer als auch der Ameler mit sehr vielen Jungmusikern festigte ihren Ruf als Höchststufen-, bzw. Exzellenz-Orchester aufs Neue. Mit den ausgewählten Werken boten beide Ensembles ein facettenreiches und spannendes Programm mit hohem Unterhaltungswert.

Lothar Klinges
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