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150 Jahre Franziskanerinnen von der hl. Familie
Jubiläumsausstellung im Generalat in Eupen
13.06.2007

Dankbarkeit und Freude für 150 Jahre „Franziskanerinnen von der hl. Familie“ / „Eupen ist der Ordensgemeinschaft zu ewigem Dank verpflichtet“
Große Verbundenheit der Bevölkerung mit den Franziskanerinnen v. d. hl. Familie

Eupen
von Lothar Klinges

Am 13. Juni feierten die Franziskanerinnen von der hl. Familie ihr 150-jähriges Bestehen. Begonnen wurde mit einem Festgottesdienst in der Eupener St. Nikolaus-Pfarrkirche, den Bischof Aloys Jousten leitete und an dem 25 Priester teilnahmen (das GE berichtete in seiner gestrigen Ausgabe). Danach fand ein offener Festakt im Hof des „Klösterchens“ statt, zu dem die gesamte Bevölkerung eingeladen war.

Ein Festkomitee, dem neben der Generaloberin Sr. Edmunda noch fünf weitere Personen angehörten, hatte dieses außergewöhnliche Jubiläum vorbereitet. Der Festakt, der von Heinz Koch abwechslungsreich moderiert wurde, stand unter dem Leitfaden „Ein Fest des Dankes und der Hoffnung“ und wurde von dem Ensemble „quattro lamiere“ musikalisch umrahmt. Ebenfalls wurde eine dreisprachige Festschrift aus der Feder von Dr. Alfred Minke vorgestellt und eine umfangreiche Jubiläumsausstellung (das GE berichtete in seiner Dienstagausgabe) im Generalat eröffnet, die noch bis Sonntag, täglich von 14 bis 18 Uhr, besichtigt werden kann.

Während des gesamten Festes wurde die herzliche Verbundenheit der Bevölkerung mit den Franziskanerinnen deutlich spürbar. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich etwa sechzig Mitglieder der Kongregation aus den verschiedenen Häusern in Belgien, Deutschland und Holland, Ordensfrauen aus Löwen und aus den ostbelgischen Ordensgemeinschaften, Mitglieder der Franziskanischen Gemeinschaft, des Josephine-Koch-Service und der Priestermütter, sowie zahlreiche Heimleiter und Geschäftsführer der verschiedenen Einrichtungen der Kongregation. Trotz zähen Ringens erhielten die Franziskanerinnen aus Dungu (Rep. Kongo) leider kein Visum. Parlamentspräsident Louis Siquet und Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz nahmen am Festakt teil, wie auch das Gemeindekollegium und der Direktor des St. Nikolaus-Hospitals, Willy Heuschen.

Blühender Garten

In ihrer Ansprache blickte eine dankbare und glückliche Generaloberin auf das Werk der Ordensgründerin Mutter Elisabeth zurück, die „mit viel Mut und Entschlossenheit eine Saat ausgestreut hat“, die zu einem „blühenden Garten der Liebe Gottes“ geworden ist. Die Flamme des Evangeliums habe die Herzen ergriffen und sei bis heute nicht erloschen, so Sr. Edmunda. Selbst sinkende Zahlen und das steigende Durchschnittsalter in Europa hätten die Freude und Hoffnung nicht ausgelöscht. Nicht der äußere Erfolg sei entscheidend, sondern die Verbundenheit mit Jesus Christus. Mutter Elisabeth habe die „Franziskanische Familie“ als das geistliche Zuhause gewählt und ihrer Gemeinschaft den Beinamen „von der Heiligen Familie“ gegeben, da sich die Beziehung zu Christus auch innerhalb der Schwesterngemeinschaft auswirken sollte. Für Sr. Edmunda war die Gründerin „Feuer und Flamme für Jesus und seine Botschaft“, und der damalige Aufschwung trägt die Gemeinschaft bis heute. Das Werk der Mutter Elisabeth sei heute an einem Wendepunkt angelangt und ein Neuaufbruch sei notwendig. Die Generaloberin richtete abschließend ihren Blick nach Afrika, wo sie insbesondere die „Anfänge und das Gründercharisma des Werkes erlebe“.

Verbundenheit

Eupens Dechant Helmut Schmitz, der seit seiner Jugendzeit vom Lebenszeugnis der Franziskanerinnen geprägt worden ist, unterstrich drei Elemente, die ihm an der Gründerin Mutter Elisabeth besonders aufgefallen sind: die „Verwurzelung im Glauben“ und die daraus folgende „Nächstenliebe und Zielstrebigkeit“. Die enge Verbundenheit der Franziskanerinnen mit der Eupener Bevölkerung, die ihren Ausdruck im Festakt finde, komme daher, dass sich die Ordensfrauen insbesondere um die Pflege kranker, alter und verwaister Menschen gekümmert hätten. Ein Anlass zur Freude sei ebenfalls, dass viele der Tätigkeiten, die ehemals von den Schwestern ausgeübt wurden, heute von Ehrenamtlichen und von der „Öffentlichen Hand“ übernommen würden. Für den Dechanten sind das „Haus der Stille“ und das „Klarahaus“ zwei Beispiele, wie der Jubiläumsorden heute auf die neuen Nöte der Zeit reagiert. Auch angesichts der „dünnen Personaldecke“ komme es nicht darauf an, „wie viel“ man tut, sondern „wie“ man es tut.

Nicht nur Pflichterfüllung

Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz erinnerte in seiner Ansprache an den „Mut, die Tatkraft und die Entschlossenheit“ der Ordensgründerin, die ihr Leben ganz den „Leidenden und Benachteiligten gewidmet“ und viele junge Frauen für das Ideal christlicher Nächstenliebe begeistert hat. Nicht nur die Stadt Eupen verdankt dem Einsatz dieser Schwestern vieles. Hier erwähnt der Ministerpräsident stellvertretend das aufopferungsvolle Engagement der Ordensfrauen im St. Nikolaus-Hospital. Aber auch jedes „Sich-in-den-Dienst-der-Gemein schaft-Stellen“ muss, wenn es nicht nur Pflichterfüllung bleiben will, von der „aufrichtigen Liebe“ getragen sein. Auch wenn die „Herde“ kleiner geworden ist, so bleiben die Franziskanerinnen für unzählige Menschen wichtige „Vertrauenspersonen“, die Mut und Trost spenden und auch heute noch durch das „Gebet und Zeugnis der Nächstenliebe“ eine „unschätzbar wertvolle Aufgabe“ für die Gesellschaft erfüllen.

Ehrenbürgerschaft

In Anbetracht der historischen Verdienste für das Wohl der Menschen in der Stadt Eupen, teilte Bürgermeister Dr. Elmar Keutgen beim Festakt mit, dass das Gemeindekollegium dem Stadtrat den Vorschlag unterbreiten wird, den Franziskanerinnen von der Hl. Familie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Eupen zu zuerkennen. Für den Bürgermeister ist es zweifellos „der innige Wunsch der Bevölkerung“, dass die Franziskanerinnen von der Hl. Familie auch künftig eine „wichtige Rolle im sozialen Leben der Stadt einnehmen“. Eupen sei der Ordensgemeinschaft zu ewigem Dank verpflichtet.

Dr. E. Keutgen erinnerte daran, dass die Schwestern das Eupener Spital von einer „bescheidenen Einrichtung in ein Krankenhaus umwandelten“, woraus „ein modernes Gesundheitszentrum“ entstanden ist. Auch heute, nachdem im Jahre 1979 die Trägerschaft wechselte, sei die „Unternehmensphilosophie" weiterhin nach der „christlichen Weltanschauung“ und somit nach den „Werten des Gründerordens“ ausgerichtet. Der Bürgermeister unterstrich die Bedeutung der Kapelle des Klösterchens und von der Mariengrotte am Marktplatz und als Orte der Stille und des Gebetes in einer oft hektischen Innenstadt. Auch sei das Seniorenzentrum, das seine Wurzeln im Engagement der Schwestern hat, eines der bestgeführten Alternheime weit und breit. Dr. Elmar Keutgen hofft, dass in der ehemaligen Kneipp-Kur-Anstalt, das in absehbarer Zeit den größten Teil der Stadtverwaltung beherbergen wird, die Verwaltung und die Politiker(innen) vom Geist der Franziskanerinnen inspiriert werden und sich ebenso aufopferungsvoll in den Dienst der Bevölkerung stellen und so die Spuren des Wirkens der Franziskanerinnen erhalten.

Zum Abschluss drückten Dr. Norbert Scholzen und mehrere Schwestern spontan ihren Dank an die Ordensgründerin und an die Franziskanerinnen aus.


Jubiläumsgemälde von Bruno Kalbusch eröffnet eine lichtvolle Perspektive
Die Sonne scheint, auch wenn wir sie nicht sehen

Dem Eupener Künstler Bruno Kalbusch ist es bestens gelungen, die Glaubens- und Hoffnungsstimmung der Franziskanerinnen, wie auch ihr allgemeines Empfinden zu ihrem Jubiläum, in einem Kunstwerk auszudrücken, an dem er ein Jahr lang gearbeitet hat. Wie der Künstler gegenüber dem GE mitteilte, eröffne dieses Gemälde eine licht- und hoffnungsvolle Perspektive.
In dem Bild scheint die „ungewisse Zukunft“ der Kongregation durch, wie Karl-Heinz Calles am Ende des Gottesdienstes den Zuhörern mitteilte, die daher mehr denn je auf „die Kraft von oben setzen muss“, so wie es die Gründerin vor 150 Jahren getan hat. Das „Heilswerk Gottes“, das damals begann und sich im Dienst an den Kranken und alten Menschen zeigte, geschah im „Zeichen des Kreuzes“, das „alle Dunkelheit vertreibt“ und bis heute ausstrahlt und sogar Afrika erfasst hat. Dort erweist sich die Nachfolge, stärker als in Europa, als ein Weg der Licht schenkt. In Europa sind die Lichter zwar nicht ausgegangen, aber es herrscht eine „Gottesfinsternis“. Deshalb ist das Gebot der Stunde, daran zu glauben, dass „die Sonne weiterhin scheint, auch wenn wir sie nicht sehen“.

In der Treue zu unserem Weg die eigene Berufung entdecken
Ein Leben zwischen Dunkel und Licht

Dr. Alfred Minke hat sich eingehend mit dem Leben der Ordensgründerin Josephine Koch und ihrer Spiritualität beschäftigt und hat sie als eine faszinierende Persönlichkeit entdeckt. Erstaunlich dabei ist, wie diese Frau dem eigenen Gespür getraut hat gegen den Widerstand der Oberin im Rekollektinnenkloster, wo sie „auf der Suche nach der Familie“, die sie nie gekannt hat, nach Umwegen mit 23 Jahren eintrat und gegen den Widerstand des damaligen Eupener Dechanten ihrem Weg treu geblieben ist, an ihren Idealen festgehalten und im Glauben an die „ureigene Berufung“ eine froh machende Erfüllung gefunden hat.
Der Leiter des Eupener Staatsarchivs beschreibt das Leben von Mutter Elisabeth von ihrer Geburt im Jahr 1815 bis zu ihrem Tod am 3. April 1899 als eine „jähe Aufeinanderfolge von tiefem Dunkel und hellstem Licht“. Viele Menschen lebten zu ihrer Zeit am Rande der Gesellschaft oder unter dem Existenzminimum. Konfrontiert mit dieser Armut bei der Pflege der Kranken im 1840 neu gegründeten St. Nikolaus-Hospital, erkennt sie schlagartig ihre eigentliche Berufung, den Armen, Kranken und Sterbenden beizustehen. Im Jahr 1849 beschließt sie, nach Ablauf ihrer Gelübde, das Kloster auf dem Heidberg zu verlassen, um sich ausschließlich dem Pflegedienst im Hospital zu widmen, und wird jetzt als „abtrünnige Ordensfrau“ betrachtet. Die in der Sozialarbeit aufgehenden Aachener Armen-Schwestern, wo sie um Aufnahme bat, raten ihr zur Gründung einer eigenen Kongregation. Mit Hilfe des in Aachen im Exil lebenden Bischofs Laurent arbeitet sie eine Lebensregel für die Gemeinschaft aus, die bezeichnenderweise den Namen „Franziskanerinnen von der hl. Familie“ tragen soll. Am 13. Juni 1857 erteilt der Kölner Erzbischof diesen die kirchliche Anerkennung, und am 22. Juli empfangen Josephine Koch und ihre neun Gefährtinnen das Ordenskleid: „Was unter Tränen und Mühen gesät worden ist, bringt nun reiche Frucht“, erläuterte Dr. A. Minke beim Festakt.
Der Kulturkampf der preußischen Regierung zwingt die Gemeinschaft 1876, ins Exil nach Löwen über zu wechseln, wo sie wohl ihre „beste Zeit“ erlebt. Das Licht hatte die Finsternis endgültig besiegt.

Die Festbroschüre „Mutter Elisabeth von Jesus“ von Dr. Alfred Minke ist auch weiterhin zum Preis von 8 € im Klösterchen erhältlich.


Bischof Aloys Jousten unterstreicht die menschliche Seite des Krankenhauses
Ohne die Franziskanerinnen wird es in Eupen dunkler

In seiner Festansprache zum Gottesdienst in der St. Nikolaus-Pfarrkirche, der vom Cäcilienchor gestaltet wurde, ging Diözesanbischof Aloys Jousten auf zwei Bereiche ein, die sich aus dem 150-jährigen Jubiläum der Franziskanerinnen von der hl. Familie ergaben.

Die Sorge um die Krankenpflege war „das Hauptanliegen“ von Josephine Koch, der Gründerin der Kongregation, als sie um 1840 in der neu eröffneten Heilsanstalt, aus der später das St. Nikolaus-Hospital hervorging, Opfer einer Typhusepidemie pflegte.
Bischof Jousten unterstrich in seiner Predigt die „menschliche Seite eines Krankenhauses“. Den Menschen könne man nicht in „Schubladen aufteilen, sondern müsse ihn als Ganzes sehen“ Die „spirituelle Dimension“ des Menschen dürfe nicht nur von den Seelsorgern gewährleistet werden, sondern müsse „von allen im medizinischen und pflegerischen Dienst Beteiligten berücksichtig werden“. Das „Wohl des Kranken in seiner Ganzheit“ sei die Aufgabe des Christen. Der Bischof stellte fest, dass „angesichts der ziemlich laschen Gesetzgebung in unserem Land“ das Gewissen der Ärzte, des Pflegepersonals und des Ethikkomitees sowie der Angehörigen „aufs Äußerste gefordert ist“. Aloys Jousten hofft, dass „unsere Kliniken und Spitäler Häuser des Lebens sind und bleiben“, wo die Kranken erfahren und spüren, dass sie „wertvolle Menschen sind und bleiben“.

Nachwuchssorgen

Der zweite Bereich, den der Bischof ansprach, war das Problem des Nachwuchses, der Berufungen, weshalb auch eine „etwas gedämpfte Stimmung“ das Jubiläum kennzeichne. Er ist der festen Überzeugung, dass Ordensleute, die ihr Leben Gott schenken „wichtig sind für die anderen Christen“. Ihre „radikale Antwort auf die Berufung zum Christsein“, die in den drei Gelübden Ausdruck findet, sei für alle ein ermutigendes Zeichen. Ordensleute seien keine „Scheinwerfer“, die blenden, sondern eher vergleichbar mit einer „Taschenlampen, der Licht den nächsten Schritt nach vorne wagen lässt“. Nicht ihr Tun sei ausschlaggebend, sondern dass man spürt, wie ihre radikale Hingabe an Gott „ihnen eine größere Verfügbarkeit und Freiheit“ ermöglicht.
Bischof Jousten dankte den vielen Generationen von Ordensfrauen, die in den 150 Jahren ein „mildes, den Weg erhellendes Licht“ ausgestrahlt haben. Wenn dieses Licht ausgehe, werde es „in Eupen und anderswo etwas dunkler“. Es müssten neue „Orientierungspunkte“ gesucht werden, so der Lütticher Oberhirte, der davon überzeugt ist, dass die Welt Menschen braucht, die „ihr Christsein mitten in der Welt radikal leben“. Der Bischof ist sich sicher, dass unsere Zeit „Gemeinschaften von Christen“ benötigt, die zeigen, dass „ein vom Geist Jesu geprägtes und getragenes Miteinander möglich ist“. So wie damals die Ordensgründerin Mutter Elisabeth von Jesus ihr „Ja“ zu einer radikalen Liebe gegeben habe, brachte der Bischof seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Gott auch heute auf das „Ja zu einer neuen Elisabeth“ wartet.


Jubiläumsausstellung „150 Jahre Franziskanerinnen und Klösterchen“
Zu den Quellen und Ursprüngen der Gemeinschaft

Am Mittwoch wurde die Jubiläumsaustellung im Generalat der Franziskanerinnen in Eupen eröffnet. In mehreren Themenbereichen bietet die Ausstellung einen Abriss der Geschichte der Kongregation, ihrer Klöster und Einrichtungen. Die Ausstellung ist selbstführend, d.h. Besucherinnen und Besucher können einfach hindurchgehen, sich umschauen und lesen.

Besonders hervorzuheben ist die anschauliche Darstellung der Ursprünge des Ordens: der hl. Franziskus, die hl. Klara, die hl. Familie, Mutter Elisabeth von Jesus mit Schüssel und Handtuch als Zeichen ihres Dienstes an den Kranken, sowie die hl. Schrift und das Stundenbuch. Nachdenklich stimmt auch die reiche Symbolkraft der Ausstellung, die auf einem Weg verschiedene Steine erkennen lässt, die Stolpersteine sein können oder dem Aufbau dienen. Mehrere Gegenstände der Mutter Elisabeth und der Gründerin der Rekollektinnen, Johanna von Jesus, fallen dem neugierigen Beobachter ins Auge, wie auch eine riesige Statue der hl. Elisabeth von Thüringen, deren 800. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern und die Namenspatronin der Gründerin der Franziskanerinnen von der hl. Familie ist. Der Myrten- und der Dornenkranz, der den Schwestern bei der Einkleidung bzw. bei der Ewigen Profess aufgesetzt wurde, eine Geißel, die Kordel mit den drei Knoten für die drei Gelübde, der äußerst bescheidene Zimmerschmuck bestehend aus drei Bildern (hl. Josef, hl. Franziskus, hl. Maria), wie auch verschiedene Andenken der Nachfolgerinnen der Gründerin (Mutter Rosarie und Michaela) geben einen tiefen Einblick in das damalige Ordensleben. Briefe der Mutter Elisabeth, die in Löwen verstarb und auf dem Eupener Friedhof die letzte Ruhestätte fand, ehe ihre sterblichen Überreste 1964 im Generalat eine definitive Bleibe fanden, sowie die ersten Protokollbücher dürften wohl auch auf reges Interesse stoßen. Ein großer Stammbaum dokumentiert die verschiedenen Zweige der Gemeinschaft mit der Einführung der Ordensprovinzen im Jahr 1932. Zahlreiche Fotoalben und Handarbeiten runden die Austellung ab. Nicht zuletzt dürften auch die Fotos und die Kleidung aus den afrikanischen Niederlassungen den Besuchern der Ausstellung einen Einblick in das Wirken des Ordens in Afrika ermöglichen.

Fotos zur Ausstellung


Festpredigt des Lütticher Diözesanbischofs Aloys Jousten
150 Jahre Franziskanerinnen von der heiligen Familie
Eupen St. Nikolaus, 13. Juni 2007

Kol 3, 12-17; Mt 25, 31-40

Liebe Franziskanerinnen von der heiligen Familie,
dierbare Zusters Franciscanessen,
chères Soeurs Franciscaines,
liebe Schwestern und Brüder,

Weil die Franziskanerinnen von der heiligen Familie seit 150 Jahren verspüren, dass Gottes Liebe sie sicher geführet und sie erhält (vgl. Gotteslob 258, 2), laden sie uns alle heute zur Danksagung ein. Wir alle sagen zunächst den Schwestern Dank und preisen Gott, weil im Laufe dieses anderthalben Jahrhunderts viele unserer Vorfahren und wir selbst die Schwestern als einen Segen erfahren haben. Beim Zwischengesang Selig seid ihr haben wir wohl spontan an die Franziskanerinnen gedacht. So ist diese Eucharistiefeier wirklich eine Danksagung. Gottes Liebe ist greifbar nah, und wir hören den Herrn sagen: Ich habe keine anderen Hände als die euren… Das Evangelium vom Weltgericht geht noch einen Schritt weiter: Was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

In meiner Predigt möchte ich all die Gründe der Dankbarkeit eigentlich nicht weiter beschreiben. Darüber werden wir ganz gewiss noch hören bzw. lesen. Mir ist mehr daran gelegen, Gegenwart und Zukunft zu beleuchten, und zwar in Bereichen, die durch das Jubiläum der Franziskanerinnen ins Rampenlicht gerückt werden.

Die Sorge um die Krankenpflege war das Hauptanliegen von Josephine Koch, als sie um 1840 in der hier in Eupen neu eröffneten Heilanstalt Opfer einer Typhusepidemie pflegte. Erfinderische Liebe hatte zur Gründung der Heilanstalt geführt, aus der das St. Nikolaus-Hospital hervorgegangen ist. Diese Gründung verdanken wir einer Initiative von Eupener Priestern als Antwort auf eine akute Notlage. Langsam, aber sicher wuchs eine Gemeinschaft von Pflegerinnen, die sich vom Geist des hl. Franziskus leiten lassen wollten. Am 13. Juni 1857, also heute vor 150 Jahren, wurde dann diese Gemeinschaft als Schwesternschaft der Franziskanerinnen von der hl. Familie offiziell errichtet. Ein Jahr später wurde Schwester Elisabeth zur Oberin gewählt. Die neue Genossenschaft hatte Erfolg bei den jungen Damen. 50 Jahre nach ihrer Gründung zählte sie 650 Mitglieder, die vor allem in der Krankenpflege und im Schuldienst tätig waren.

Krankenpflege und Krankenhaus
Liebe Schwestern und Brüder! Die zwei Bereiche, auf die ich zu sprechen komme möchte, ergeben sich wie von selbst aus den soeben vorgetragenen Gegebenheiten. Da ist zum einen die Tatsache, dass die Krankenpflege im 19. Jahrhundert ihre große Blütezeit kannte. Das Evangelium sprach nicht von der Krankenpflege, sondern vom Krankenbesuch: Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Es ist also noch nicht so lange her, dass nur wenige Krankenhäuser zur Verfügung standen, und das ganz einfach weil die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte. Innerhalb von zwei Jahrhunderten haben sich die Möglichkeiten der Behandlung von Krankheiten auf spektakuläre Weise entwickelt. Der Besuch eines Gesundheitszentrums in Ruanda hat mich erkennen lassen, welche gewaltige Entwicklung bei uns in der Gesundheitsversorgung stattgefunden hat. Und was steht uns noch bevor?
Ein Krankenhaus ist mehr oder sollte zumindest mehr sein als ein technischer Betrieb oder ein wirtschaftliches Unternehmen. Angesichts der derzeitigen Komplexität der medizinischen Spezialisierung und der Gesetzgebung, angesichts der begrenzten öffentlichen Gelder und noch anderer Faktoren stellen sich bedeutsame Fragen im Blick auf die menschliche Seite eines Krankenhauses. Wie kann der Mensch im Mittelpunkt bleiben? Wie kann und sollte ein Krankenhaus dem Kranken als ganzem Menschen gerecht werden? Wie kann gewährleistet werden, dass die spirituelle Dimension des Menschen nicht nur von den Seelsorgern wahrgenommen wird, sondern dass alle Beteiligten diese Dimension des Patienten beachten und im medizinischen und pflegerischen Dienst berücksichtigen? Der Mensch ist eine Ganzheit; man kann ihn nicht in Schubladen aufteilen und verteilen, oder zumindest sollte man es nicht tun. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese ganzheitliche Sicht und Behandlung der Kranken vor 150 Jahren fast selbstverständlich war. Was wird heutzutage nicht alles an Wissen, an Kompetenz, an Konzentration usw. vorausgesetzt, angefangen bei den Ärzten, aber auch beim Pflegepersonal und bei der Führung und Verwaltung eines Krankenhauses? Aufgabe von uns Christen im Krankenhaus und außerhalb ist es wohl, uns vom Geist des Evangeliums leiten zu lassen sowie uns selbst und andere zu fragen, was tatsächlich dem Wohl des Kranken dient. Angesichts der ziemlich laschen Gesetzgebung in unserem Land kann das Gewissen von Ärzten, Pflegepersonal und Ethikkomitees sowie der Angehörigen aufs Äußerste gefordert werden – in den Kliniken, aber auch in den Alten- und Pflegeheimen. Die Gewissenskonflikte können enorm sein. Im Namen aller Patienten wünsche und hoffe ich, dass unsere Kliniken, Spitäler und Altenheime Häuser des Lebens sind und bleiben, Häuser, wo die Kranken und die Betagten erfahren und spüren, dass sie wertvolle Menschen sind und bleiben und ihr Wohlergehen allen am Herzen liegt.

Ordensleute – damals und heute
Liebe Schwestern und Brüder! Das war der eine Bereich, den ich ansprechen wollte. Die Franziskanerinnen haben Häuser abgegeben und andere aufgelöst. Dies ist vor allem - aber nicht nur - aus der heutigen Notsituation heraus erfolgt: es fehlt an Nachwuchs, an Berufungen. So liegt auch etwas gedämpfte Stimmung über dem Jubiläum. Gerne möchten die Franziskanerinnen ja weitermachen. Und wir wünschen es ihnen auch von Herzen. Woran mag es liegen, dass das Ordensleben nicht mehr anziehend wirkt? Es gibt gewiss viele Gründe. Ich bin davon überzeugt, dass Ordensleute, Männer und Frauen, die ihr Leben Gott schenken, wichtig sind für die anderen Christen. Jeder Getaufte ist zum Christsein berufen; jeder von uns soll wachsen im Glauben und in der Liebe. Schwestern wie die Franziskanerinnen entscheiden sich für einen radikalen Glauben und eine radikale Liebe: Gott allein genügt. Ich sage oft, die Ordensleute würden uns Nicht-Ordenschristen helfen, mitten in unseren täglichen Aufgaben, im täglichen Auf und Ab mit seinen Höhen und Tiefen nicht stehen zu bleiben oder unterzugehen. Ihr radikales Gottvertrauen und ihre im Glauben begründete Hoffnung erhalten ihren konkreten Ausdruck in den drei Gelübden, so zum Beispiel in ihrem Verzicht auf eine Familie. Durch ihre radikale Antwort auf die Berufung zum Christsein machen sie uns allen Mut. Ordensleute sind keine Scheinwerfer, die uns blenden; sie sind wie eine Taschenlampe, deren Licht den nächsten Schritt nach vorne wagen lässt. Sie sind nicht unbedingt und notwendigerweise die besseren Krankenpfleger oder Lehrer oder Erzieher. Nicht ihr Tun ist ausschlaggebend, sondern dass man spürt, wie ihre radikale Hingabe an Gott ihnen auch eine größere Verfügbarkeit und Freiheit ermöglicht. Diese Verfügbarkeit und diese Freiheit sollten selbstverständlich in ihrem Tun zum Tragen kommen. Meines Erachtens ist das Gemeinschaftsleben der Schwestern gleichfalls ein solches Fenster, durch das wir erkennen können, dass sie auf ganz intensive Weise das Wort des heiligen Paulus beherzigen wollen: Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen; darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! (…) Vor allem liebt einander, denn die Liebe hält alles zusammen und macht es vollkommen (…) Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu des Herrn; durch ihn dankt Gott, dem Vater!

Liebe Franziskanerinnen von der hl. Familie! Seit 150 Jahren sind Generationen von Schwestern in unserer Mitte lebendige Zeugen eines solch radikalen Christseins. An ihnen konnten und können wir uns orientieren. Durch das Zeugnis ihres einfachen und tiefen Glaubens sowie ihrer großherzigen und tatkräftigen Liebe zu den Schwachen und Kleinen machen sie jedem von uns Mut, an seinen Lebensorten, in seinem Lebensstand als Christ zu leben. Sie drängen sich nicht auf, sondern strahlen ein mildes, den Weg erhellendes Licht aus. Es gibt Menschen, in deren Nähe man besser wird. Liebe Schwestern, dafür sind Ihnen seit 150 Jahren viele Mitchristen und Mitmenschen dankbar. Sollte Ihr Licht ausgehen, wird es etwas dunkler in Eupen und anderswo, werden wir neue Orientierungspunkte suchen müssen; denn wir brauchen Menschen, die das Evangelium, ihr Christsein mitten in der Welt radikal leben, die sich ganz und gar dem Herrn und der Kirche schenken. Insbesondere benötigen wir in unserer Zeit Gruppen und Gemeinschaften von Christen, die ihren Mitchristen zeigen, dass Leben in Gemeinschaft, dass ein vom Geist Jesu geprägtes und getragenes Miteinander möglich ist. Davon bin ich überzeugt. Deshalb beten wir für Ordensberufe. Hier und dort entstehen bereits neue Ordensgemeinschaften. Ist das nicht ein Hinweis dafür, dass es immer wieder Menschen gibt, die die Berufung zu einem radikalen Glauben und zu einer radikalen Liebe hören? Vor 800 Jahren wurde die hl. Elisabeth von Thüringen geboren. Sie hat einen solchen Ruf gehört und Ja gesagt. Mutter Elisabeth von Eupen hat diesen Ruf vor 150 Jahren gehört und Ja gesagt. Wir warten auf Männer und Frauen, die die Zeichen oder Bedürfnisse der Zeit erkennen und mit ihrem ganzen Sein darauf antworten wollen. In diesen Zeichen der Zeit wartet Gott auf das Ja zu einer neuen Elisabeth. Mit dieser Hoffnung und Zuversicht möchte ich in die Zukunft blicken.

Heiliger Geist, komm und belebe uns neu; bringe neues Leben in uns zur Entfaltung, wo jeder Keim zu vertrocknen droht, weil das Wasser versickert oder in die falschen Kanäle fließt. Komm und bring uns wieder in Bewegung, damit in uns und um uns neues Leben aufblühen kann. (Maria Andrea Stratmann)

+ Aloys Jousten
Bischof von Lüttich

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