Ein Tag wie in Taizé
Ein Tag wie in Taizé in St. Vith 21.11.2021
Spiritualität: Jugendliche organisierten in St.Vith einen Tag wie in Taizé
"Es herrschte ein echter Geist wie in Taizé"

St.Vith

Einen Tag wie in Taizé erleben – nur statt in Frankreich in Ostbelgien. Dazu hatte die St.Vither Taizé-Gruppe am vergangenen Sonntag nach St. Vith eingeladen.

von Lothar Klinges

"Die Teilnehmer waren begeistert. Es herrschte ein echter Geist wie in Taizé. Jeder packte mit an und fühlte sich mitverantwortlich", freute sich Jana Scholtes. Die 30-jährige Schulbibliothekarin am Büllinger St. Marieninstitut (BIB) erklärte, dass in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé die Tage einen eigenen Rhythmus haben: „Beten und singen, spielen und arbeiten, diskutieren und zuhören – alles dient dazu, den Glauben und die Begegnung mit Gott mal anders zu erfahren“ Da geplante Jugendfahrten in die zentralfranzösische Bourgogne wegen Corona nicht stattfinden konnten, sollte ein Hauch von Taizé in der St.Vither Pfarr- und Katharinenkirche, sowie im Pfarrheim spürbar werden: vom Morgengottesdienst bis zum gemütlichen Beisammensein am Mittag bis hin zum gemeinsamen Abendgebet wurde der Ablauf von einem Tag bei den französischen Brüdern begangen.

Es ist Sonntagmorgen, die Glocken der Vituskirche läuten und laden zum Sonntaggottesdienst "wie in Taizé" mit Taizé-Liedern ein. Die Kirche hatte sich an diesem Tag verändert: dekoriert von Erich und Marianne Mertes, sowie von Jana Hoffmann und Jana Scholtes mit einer von Erich Mertes gestalteten Weihnachtskrippe zum Thema Taizé. und mit vielen Kerzenlichtern. Jugendliche und Erwachsene stimmten in die Lieder ein, und so schwebte schon gleich zu Beginn etwas von der Atmosphäre, wie sie in Taizé herrscht, auf den Tag in St.Vith nieder. Das galt auch für die Musik mit Emmanuel François aus Marchin am Keyboard, der das Gespür für die passenden Klänge und Lieder hatte, erklärte Jana Scholtes aus Emmels, die zusammen mit Achim Wilding, Ariane Ledieu, Erich und Marianne Mertes sowie Jana Hoffmann den Tag vorbereitet und gestaltet hatte.

Das Taizé-Team hatte das Tagesthema "Die Welt umgestalten" erarbeitet, und so beschäftigte sich die nachfolgende Bibeleinführung mit drei Texten, sowie einem Auszug aus dem Brief von Bruder Alois aus China. Diesen Texten anhand von Fragen nachzugehen und sich Gedanken über den eigenen (Glaubens-)Weg zu machen, dazu boten die Gesprächsgruppen eine gute Gelegenheit.

Nach dem Mittagsgebet in der Katharinenkirche gab es das gemeinsame Mittagessen im Pfarrheim - zubereitet vom Sozialbetrieb Dabei. - das hieß für die 33 Teilnehmer des Tages, sich ganz wie in Taizé, einzureihen in die Essensschlange, den Teller befüllt zu bekommen, um sich dann ein Plätzchen zu suchen. So ließ es sich gut und entspannt miteinander ins Gespräch kommen: teils in Neugierde, teils in Wiedersehensfreude, für diejenigen, die sich schon kannten. Dabei kamen interessante Gespräche auf, so auch mit der aus Indien stammenden Augustiner-Ordensfrau Magdalin, die im St. Vither Krankenhaus tätig ist. "Tea-Time" hieß es dann im Anschluss und ganz wie in Taizé gab es hierzu auch etwas Süßes.

Die sich anschließenden Workshops, wie "Bibel getanzt" mit Sr. Wilma Schür in der Katharinenkirche oder ein Bibliolog mit Manuela Theodor, sowie Körpermeditation mit Achim Wilding und Ariane Ledieu im Pfarrheim - hier war für alle etwas Ansprechendes dabei, und die gute Stimmung war überall spürbar. Die aus Wallerode gebürtige Sr. Wilma Schür (78), die dem Orden der Dominikanerin von Bethanien angehört, ist in Ostbelgien keine Unbekannte, war sie doch in der Vergangenheit schon bei KLJ-Leiter-Wochenenden dabei, hat Menschen mit Beeinträchtigung oder Schülern und Lehrpersonen auf Exerzitientagen die heilende Kraft des Tanzens erfahren lassen. Seit 20 Jahren arbeitet sie in den Bethanien-Kinderdörfern in Erbach am Rhein, zwischen Wiesbaden und Rüdesheim, wo sie allen Altersgruppen Musiktherapie und Tanzbewegung vermittelt.

Doch schon wartete das Abendessen. Nach der abendlichen Essensschlange und unterhaltsamer Mahlzeit bewegten sich die Teilnehmer(innen) unter erneutem Glockengeläut zur Kirche zum monatlichen Taizé-Abendgebet, das den Abschluss des Tages bilden sollte. Hier waren nun noch wie am Vormittag weitere Gottesdienstbesucher hinzugekommen, und so füllten die Stimmen den großen Raum mit den Liedern aus Taizé. Zeit zum Innehalten und Hinhören, Zeit, sich in die längere Zeit der Stille hinein zu begeben.

Wenn man Jugendliche fragt, wieso sie nach Taizé fahren oder unbedingt wieder zurückkehren wollen, fällt ihnen eine Antwort oft gar nicht so leicht, erklärt Jana Scholtes. Man kann zwar viel von Taizé erzählen, aber richtig verstehen kann man die Begeisterung erst, wenn man Taizé erlebt hat. "Taizé ist Austausch, Stille, in sich gehen in einer lauten Welt, Menschen kennenlernen und viel Spaß."

Den St.Vither Taizé-Verantwortlichen kann man gratulieren, dass sie Taizé nach St.Vith geholt haben. Angelehnt an die Gemeinschaft in Taizé verbrachten die Teilnehmer(innen) einen Tag in Gemeinschaft. "Insgesamt war es ein sehr schöner, bereichernder und harmonischer Tag, aus dem sicherlich alle etwas mitnehmen konnten", freuten sich die Mitglieder des Taizé-Teams.
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