Musikverein Weywertz Jahreskonzert 2021
Musikverein "Zur Alten Linde" Weywertz Jahreskonzert 23.10.2021
Jahreskonzert: Musikverein „Zur Alten Linde“ mit farbenreichem Klangerlebnis nach langer Corona-Pause
Brillanter Auftritt erstmals mit Dirigent Julio Domingo

Weywertz

Endlich wieder ein Herbst- und Jahreskonzert des Kgl. Musikvereins "Zur Alten Linde": Nach fast 24 Monaten ohne öffentliche Auftritte und rund einem dreiviertel Jahr ohne gemeinsame Proben gab es wieder traditionell Ende Oktober einen Konzertabend im Saal Hermann in Weywertz.

von Lothar Klinges

Dabei hatte man den Eindruck, dass nicht nur das aufmerksame Publikum begeistert strahlte, sondern auch die Musiker, inklusive ihres neuen aus Spanien gebürtigen Dirigenten Julio Domingo, der im Januar 2020 die Nachfolge von Harmen Vanhoorne, der im Dezember 2019 nach Neuseeland ausgewandert ist, angetreten hat,. "Corona hat es auch unserem Verein sehr schwer gemacht, jedoch haben wir immer versucht, nach vorne zu schauen", sagte die Vereinsvorsitzende Sandra Elsen, die einem vierköpfigen Koordinationsteam vorsteht. "Die Freude war groß, als wir uns bei den Proben alle wiedersehen konnten, um zusammen Musik zu machen. Darauf haben wir so lange gewartet."

Die Überraschung war jedenfalls gelungen, denn seit dem letzten Jahreskonzert vor drei Jahren hat sich einiges im Verein geändert. Mit Yannick Schmitt, Anouk Boemer, Anne-Catherine Peters und Marc-André Paulus zählt das Ensemble vier neue junge Musiker(innen). Sandra Elsen präsentierte den neuen Dirigenten, der bei Jan Cober am Konservatorium Maastricht 2018 sein Studium der Hafabra-Direktion mit Auszeichnung absolviert hat. Dort hatte der heute 31-Jährige an Projekten wie dem „Jazzical Project“ und „L’Histoire du Soldat“ teilgenommen und das „Maastricht Winds“ Orchester gegründet. "Er hat unseren Verein sehr motiviert und voller Tatendrang übernommen und wurde dann durch Corona ausgebremst. Das war auch für ihn eine schwere Zeit. Trotzdem haben sein Engagement und seine Motivation nie nachgelassen, ganz im Gegenteil", freute sich die Vereins-Präsidentin.

Beim Konzertabend, den der ehemalige langjährige MV-Präsident Arnold Reuter moderierte, präsentierte der Verein Auftrag der Deutschsprachigen Gemeinschaft zum ersten Mal unter der Leitung von Julio Domingo voller Spielfreude, Präzision und Brillanz Werke aus seinem aktuellen Reper¬toire. Nachdem im vergangenen Jahr das Herbstkonzert ausfallen musste, warteten in diesem Jahr die Zuhörer mit umso größerer Spannung auf die Vorträge des Orchesters.

Zum Einstieg ließen die Musiker die Zuhörer mit "Flourish for Wind Band" von Paul Vaughan Williams, einem der wohl einflussreichsten britischen Komponisten und Sammler von Volksliedern, die reichhaltigen Klangfarben dieser Orchestrierung mit kraftvollen und ausdrucksstarken solistischen Passagen genießen.

In einem Arrangement des Dirigenten wurde mit "Give Us This Day" von David Maslanka ein 16-minütiges anspruchsvolles Konzertwerk vorgetragen, in dem nicht nur die einzelnen Instrumente des Orchesters, sondern auch die gewaltigen Stimmen der Musikerinnen und Musiker eingesetzt wurden. Trotz des Titels aus dem christlichen „Vaterunser“ beansprucht der Komponist für sein Stück eine buddhistische Inspiration.

Die vielen Proben trugen am Samstag hörbar Früchte. Beeindruckend der Klangkörper, stark die Dynamik und stimmig auch schwere Passagen bei Stücken mit hohem Schwierigkeitsgrad.

Man konnte eine Nadel im Saal fallen hören, als das phantastische und anspruchsvolle Konzertwerk "First Suite in Eb for Military Band" des englischen Komponisten Gustav Holst, erklang, der den Liebhabern der klassischen Musik allerdings am besten bekannt sein dürfte durch seine Konzertsuite ‚Die Planeten'. Die nun zu Gehör gebrachte Suite besteht aus drei eng verwandten Sätzen. Holst selbst legte großen Wert darauf, dass die drei Sätze ohne Pause direkt hintereinander gespielt werden, da sie zusammen gehören und eine Einheit bilden.

Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts war zweifellos die Aufführung des Medleys mit dem schlichten Titel "The Phil Collins Collection" des sehr bekannten Musikers und Komponisten Dr. Philip David Charles Collins. Dieses Medley wurde vom niederländischen Komponisten Peter Kleine Schaars arrangiert. Sieben Tophits erklangen in diesem fetzigen Arrangement. Schaars ist es gelungen, das Medley mit vielen rhythmischen Passagen und getragenen Bläserstimmen sehr nah am Original zu belassen. Das heißt aber auch, dass alle Instrumente, jedes auf seiner Ebene und mit seiner Klangfarbe, gehörig herausgefordert wurden, in Solopassagen und Tuttisätzen, dieses Werk zur Aufführung zu bringen.

Auch die friedvolle Musik "Will there be light? aus der Feder des langjährigen Weywertzer Trompeters und Kornettisten Ringo Arts, in einem Arrangement des ehemaligen Dirigenten Harmen Vanhoorne, das die Zuhörer richtig mitgehen ließ, bewältigte das Orchester meisterhaft und erhielt dafür den verdienten, lang anhaltenden Applaus, der in die typisch spanische Komposition "Churumbelerias" als Zugabe, mündete. Wer Spanien sagt, der weiß zum Beispiel, dass der sogenannte Pasodoble zu diesem Land gehört wie ein Seemannslied zu Hamburg oder die Maiennacht zu Ostbelgien. Churumbelerias ist so ein reizender Pasodoble, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom spanischen Komponisten Emilio Cebrian Ruiz geschrieben wurde. Spanien diente im Laufe der Jahrhunderte schon immer als musikalische Inspirationsquelle. Der aus Spanien gebürtige sympathische Weywertzer Dirigent hat auch dieses schwungvolle und fantastische Stück mit viel Geduld und mit seiner äußerst einfühlsamen Arbeitsweise mit den Musikerinnen und Musikern einstudiert, bei dem niemand still sitzen konnte.

Die 40 meist jungen Musiker bestachen durch musikalische Klasse, und der begeisterte Beifall des aufmerksamen Publikums war nach den ausgereiften Darbietungen mehr als verdient. Nunmehr freuen sich die Musiker(innen) auf das gemeinsame Projekt eines Adventskonzertes mit dem Musikverein "Burgklänge" Bütgenbach-Berg Anfang Dezember 2021.
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