Rodelspaß im Lockdown
Rodelspaß im Lockdown in der Gemeinde Bütgenbach 16.01.2021
Viele Familien schnappen sich in diesen Tagen den Schlitten / AHA-Regeln trotzdem einhalten, um Ansteckungsgefahr zu vermeiden
Rodeln hilft im Lockdown

Bütgenbach

Schnee - für viele Familien mit Kindern eine willkommene Abwechslung im Lockdown daheim: raus in die Natur, zum Schlittenfahren. So manche Hänge in der Region wurden in den vergangenen Tagen zu Schlitten- und Rodelbahnen.

von Lothar Klinges

Die Skilifte sind geschlossen, die offiziellen Pisten sind gesperrt, das Betreten verboten, öffentliche Toiletten, wärmende Lokale und Ski-Verleihe geschlossen. Schlittenfahren ist aber nicht verboten – und der Ausflug ins Weiße gerade sehr willkommen. Viele Besucher wie an einem schneereichen Tag in einer laufenden Ski-Saison sind es nicht – aber an vielen Hängen finden sich Familien mit Kindern ein.

Wegen Corona sind viele ausgewiesene Ski- und Rodelpisten zwar abgesperrt – aber wenn auf dem Hügel in der Nähe Schnee liegt und der Schlitten im Keller oder in der Scheune sich danach sehnt, dann ist das nicht verboten, freuen sich die 8-jährige Alena Blees und ihr 5-jähriger Bruder Robin. Beide haben einen Schneebob, der schnell aus der Garage herausgeholt wird. "Diese Bobs sind echte Oldtimer von hoher Qualität", erzählt die Mutter, Céline Dannemark aus Weywertz. "Auf denen bin ich und meine Schwester schon als Kinder im Schnee gerutscht." „Es ist total schön hier, und es ist mal was Anderes als immer nur Corona“, sagt ihr Mann Bernd. Auch wenn er als Kfz-Mechatroniker auf Schnee gerne verzichten würde, so empfindet er das Rodeln doch als eine willkommene Abwechslung vom Corona-Alltag. So sehen das vermutlich viele, die sich im Schnee austoben und dafür auch von weither anreisen. Die vielen Hügel und Hänge sind in Zeiten des Lockdowns und der gesperrten offiziellen Pisten Publikumsmagnete. Eine dicke Schneeschicht und mit Eis überzogene Bäume zieren die Gegend. So viel Winter ist selten.

Die (Nord-)Eifel bietet so manches, was das Rodlerherz begehrt – kurze, rasante Abfahrten und Steilkurven genauso wie eher gemütlichere Hänge. An Hügeln und Hängen fehlt es nicht. In diesem Winter verwandeln sich manche Eifelorte in wahre Rodel-Hochburgen. Da es ausreichend geschneit hat, können sich Jung und Alt auf den Hängen so richtig austoben. "Traumhaft schön ist es hier", sagt Michael Schumacher aus Bütgenbach voller Begeisterung und zieht gerade einen Schlitten den Berg hoch. Ihn trafen wir mit seiner Frau und den beiden Kindern Ben und Lynn an einem Hang im "Steg" zwischen Bütgenbach und Nidrum. "Als Vater gehe ich gerne mit meinen Kindern Schlitten fahren, so lebt auch in mir noch etwas vom Kind auf", freut sich der Bütgenbacher. "So einen schönen Winter haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Gottseidank ist Schlitten fahren in der freien Natur auch im Lockdown weiterhin erlaubt." Und so nutzten viele Familien die Schneetage, um mit ihren Kindern auf dem heimischen Hügel zu rodeln. Selbstverständlich mit genügend Abstand zwischen den Familien.

Rodeln lernt sich in der Regel schneller als Skifahren. Leider denken zu viele Leute, sie wären die Rodel-Superprofis – und riskieren Unfälle. Die Gefahr von Unfällen steigt in der Wintersaison, weil manche Leute wegen der geschlossenen Skigebiete vom Skifahren aufs Rodeln umsteigen. Daher hat der stets hilfsbereite Dirk Veithen aus Bütgenbach mit der Schneeschaufel an seinem Traktor einen langen Schneewall hochgezogen, damit die Kinder und Erwachsenen beim rasanten Schlittenfahren gut aufgefangen werden und nicht in die nahe Warche landen und sich gar verletzen.

Durch den Lockdown sind viele Bereiche der gewöhnlichen Freizeitgestaltung nicht mehr möglich, weshalb einem die Tage oft einseitig, routiniert und öde erscheinen. Deshalb ist ein Rodelausflug mit der Familie die ideale Möglichkeit, um wieder einmal etwas Schwung in den Alltag zu bringen. Dass Bewegung und Frischluft ein echtes Balsam für Körper und Geist sind, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Ein weiterer Vorteil: Auch im Schnee können wir Sonne tanken, unterstreicht Thorsten Maraite aus Bütgenbach, Präsident der Tourismusagentur Ostbelgien (TAO), der an gleicher Stelle mit seinen Kindern ebenfalls große Freude beim Rodeln hatte.

Das winterliche Wetter lockt kleine und große Schlittenfahrer auf die Hänge. Das ist bei einer überschaubaren Zahl unproblematisch, erklärt Guido Blees aus Elsenborn. Der Vater von zwei Söhnen und von Beruf Apotheker in Weywertz erinnert dabei an die Vorgaben der Corona-Verordnung, die auch beim Schlittenfahren zu respektieren sind.

Über den Schnee freuen sich viele, vor allem Kinder. Das vergangene Jahr hat uns ja nicht mit der weißen Pracht verwöhnt. Gut dran sind nun all jene, die einen Schlitten im Keller haben. Angesichts der lausigen Winter vergangener Jahre und geschlossener Wintersportgebiete in Zeiten der Corona hat das Christkind wohl jüngst nur sehr wenige Wintersportgeräte verschenkt. Anders bei Familie Blees-Gerretz in Elsenborn, wo Oscar einen Schlitten zu Weihnachten erhielt, während sein Bruder Paul einen Schneebob zum Geburtstag erhalten hat. Beide spielen gerne im Schnee, bauen Schneemänner und Iglus. "Leider wurde der Iglu von Opa Georges bei der letzten Schneeräumaktion von der Traktor-Schaufel verschüttet", bedauerte der kleine Oscar.

"Wir müssen einfach mal raus, schon der Kinder wegen, die können wir nicht den ganzen Tag nur in der Wohnung festhalten und schon gar nicht bei so einem schönen Winterwetter. Natürlich achten wir auf die Einhaltung der Corona-Regeln", so Guido Blees und Isabelle Gerretz aus Elsenborn. Ihre beiden Kinder, Paul und Oscar, freuen sich, zusammen mit den Eltern, mit Rutschteller, Holzschlitten und Schneebob am Schneehügel vor dem Haus und auf der Wiese hinter dem Haus zu fahren. Mit Mutter und Vater und dem Nachwuchs auf dem Schlitten geht es den Abhang hinunter.

Bäuchlings schlittert Oscar auf seinem Schneegleiter den steilen Hang hinunter. "Das Coole ist, dass sich das Kissen beim Fahren dreht", erzählt der siebenjährige Elsenborner begeistert. "Die Geschwindigkeit macht mir nichts aus." Die schneebedeckten Hänge locken in diesen Tagen so manche Familie zum Schlittenfahren. Zuletzt war es sogar in manchen Ski- und Schlittengebieten zu regelrechten Anstürmen von Tagestouristen gekommen. In der Eifel dagegen verteilen sich die Menschen großzügig entlang der Hänge, Schwierigkeiten mit dem Abstand scheint es keine zu geben.

Beim Schlittenfahren freuen sich am meisten die Kinder über die willkommene Abwechslung und können sich im Schnee mal so richtig austoben, erzählen Bernd Blees und Céline Dannemark aus Elsenborn. Auch für Alena und Robin ist es toll, rauszukommen und an der frischen Luft zu sein, erzählt ihr Papa Bernd aus Elsenborn. Während des Lockdowns fällt manchen Kindern schnell mal die Decke auf den Kopf. Kein Wunder also, dass es viele Familien raus in den Schnee zieht.

"Am Samstag war schon einiges los auf dem Hang am Steg in Bütgenbach", erzählt Carmen Boemer aus Bütgenbach, die dabei ihre kleine Tochter Lynn (4) und Sohn Ben (7) im Blick hatte. Dann ging es auch schon los. Mit einem aufblasbaren großen Reifen rutschte die Familie mit Tempo den Hang hinab und wurde von einem Schneehaufen gebremst, während Nicole Hilger aus Elsenborn vorsichtig eine etwas flachere Stelle des Hangs runterbretterte.

Der Boden auf dem Hang zwischen Bütgenbach und Nidrum ist gefroren und mit Schnee bedeckt. Optimale Bedingungen also, um mit Schlitten, Bob und Luftkissengefährt so richtig Fahrt aufzunehmen, erklärt Andreas Heck aus Bütgenbach. Für ihn und seinen rodelbegeisterten Freunde eine willkommene Ablenkung vom Lockdown-Alltag. Dennoch, betont er, sollte auch beim Rodelspaß beachtet werden, dass die aktuellen Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie eingehalten werden müssen.
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