Sternsinger im Parlament 2021
Empfang der Sternsinger Ostbelgiens im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen am 6 Januar 2021
37. Dreikönigssingen: Ostbelgische Sternsinger besuchten Parlament - Motto in Corona-Zeiten „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!“
"Ihr habt Kreativität in schwieriger Zeit bewiesen"

Eupen

Wer jetzt geglaubt hat, der Empfang beim Parlamentspräsidenten im neuen Jahr fällt aus - nein, zumindest in kleiner Formation konnte er stattfinden! Die Sternsinger Sofia, Thea und Madison aus Eupen überbrachten unter dem Motto „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!“ Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz ihre Segenswünsche - und das real.

von Lothar Klinges

Das Arbeitsjahr begann für Karl-Heinz Lambertz am Mittwoch, 6. Januar, passend zum Dreikönigsfest mit dem "Stern von Betlehem" und dem königlichen Segen: Bei einem seiner ersten Termine im neuen Jahr empfing der Parlamentspräsident aufgrund der Corona-Pandemie, stellvertretend für alle Sternsinger Ostbelgiens, diesmal nur drei Sternsingerinnen, die den Segen „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) im Saal des Parlaments anbrachten.

Normalerweise hätten sich 36 Sternsinger(innen) aus den neun ostbelgischen Pfarrverbänden, je drei Könige und ein Sternträger, wie die Weisen aus dem Morgenland, auf den Weg nach Eupen gemacht. Stellvertretend für die rund 900 Sternsinger in der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat lediglich eine Gruppe aus Eupen-St.Josef das Segenszeichen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ wie seit 2016 zum sechsten Mal im Parlamentsgebäude angebracht.

Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz freute sich, dass auch in diesem Jahr wieder Sternsinger im Parlament empfangen werden konnten, "denn das Corona-Virus lässt die vielfältige Not in der Welt nicht verschwinden – es verschärft sie teilweise sogar noch. Umso wichtiger war die Sternsingeraktion." Der Parlamentspräsident zeigte sich erfreut darüber, dass die Sternsingerverantwortlichen in dieser Zeit nach motivierenden Anregungen gesucht und Ideen entwickelt haben, um die Aktion trotzdem durchführen zu können. "Entweder man macht nichts oder man sucht nach Alternativen, zeigt sich kreativ und passt sich den neuen Herausforderungen an. Ihr habt Kreativität in schwieriger Zeit bewiesen." Mit Blick auf das Sternsingerlied 2021 "Wollt Ihr mit uns die Welt verändern" rief der Präsident die Kinder und Jugendlichen auf, "Friedensboten zu sein und der Erde Gutes zu tun, denn das ist die Kernbotschaft der Sternsingeraktion." Er ging näher auf das diesjährige Thema der Arbeitsmigration ein und hob dabei die bedrückende Rolle der Kinder und Eltern hervor, die in einem fernen Land arbeiten und ihre Kinder zurücklassen müssen. "Noch dramatischer wird es, wenn die Fluchtdramatik noch hinzukommt." Er erinnerte daran, dass nicht wenige Männer und Frauen aus osteuropäischen Ländern in Ostbelgien arbeiten, darunter Frauen, die ältere Menschen begleiten und in Haushalten rund um die Uhr tätig sind. "Da ist Sensibilität gefragt, damit alles unter menschlichen Bedingungen abläuft."

Dann kam der Moment der Segnung des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die drei jungen Sternsingerinnen aus Eupen übernahmen die Aufgabe, den Schriftzug 20*C+M+B+21 an den Präsidiumstisch des Parlaments anzubringen, während der Präsident mit seiner Spende in diesem Jahr die Caritas Ukraine unterstützt, ein Projektpartner des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘. In elf Tageszentren im ganzen Land bietet die Caritas den Kindern psychologische Betreuung und Seelsorge, Hausaufgabenhilfe, Kunst- und Handwerkskurse, Ausflüge und Sommercamps an. In Veranstaltungen zu den Kinderrechten lernen die Mädchen und Jungen, ihre Rechte zu artikulieren und einzufordern. Viele ukrainische Kinder wachsen mit nur einem Elternteil, bei Großeltern, anderen Verwandten oder in Pflegefamilien auf, weil die Eltern im Ausland arbeiten müssen. Die Ukraine ist das Beispielland der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen, der Leitgedanke der Sternsinger in Corona-Zeiten: „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!“

Ab Mittwoch begrüßt nun der Segen die Abgeordneten und Besucher im Parlament. Der Präsident bedankte sich bei den Sternsingern und Begleitpersonen, die nicht nur über das Gute sprechen, sondern sich aktiv für mehr Solidarität in der einen Welt einsetzen und Verantwortung übernehmen.

Schließlich bedankte sich Marie-Christine Hoen-Dorr beim Parlamentspräsident, der diese Tradition vor sechs Jahren wieder aufgenommen hat, für seine Wertschätzung der Aktion, sowie bei den Sternsingern und Verantwortlichen in ganz Ostbelgien. Wenn auch viele Sternsinger traurig und enttäuscht waren, in dieser Zeit der Pandemie nicht als Segensboten von Haus zu Haus gehen konnten, so habe man trotz Einschränkungen Lösungen gefunden, die Aktion durchzuführen und den Segen Gottes zu den Menschen zu tragen."

In diesem Jahr entfiel das gesellige Beisammensein bei Kakao und Kuchen in der Parlamentscafeteria, dafür erhielten die Kinder vom Parlamentspräsidenten ein "Segenspäckchen" mit Leckereien als Dank für ihren Einsatz. Der nächste Sternsinger-Empfang im Eupener Parlament findet am Mittwoch, 5. Januar 2022, statt.

HINTERGRUND
175 Jahre Kindermissionswerk "Die Sternsinger"
Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz ging näher auf das 175. Jubiläumjahr des Kindermissionswerkes in Deutschland ein, zu dem damals auch Ostbelgien gehörte. Insofern trifft dieses Jubiläum auch die Sternsingeraktion in Ostbelgien. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kamen Nachrichten aus China nach Europa, das Mädchen nach der Geburt ausgesetzt oder getötet würden. Daraufhin hat der damalige Bischof von Nancy, Charles de Forbin-Janson, 1843 die Kinder Frankreichs aufgerufen, durch Spenden Hilfsmöglichkeiten für diese Mädchen zu schaffen. Am 19. Mai 1843 gründete er das Werk der Heiligen Kindheit (l’Oeuvre de la Sainte Enfance.) Noch im gleichen Jahr fasste die Idee auch im Bistum Lüttich Fuß. Ein Aachener Mädchen brachte die Idee nach Deutschland. Es war Auguste von Sartorius, die bei ihrem Besuch ihrer Großeltern in Lüttich vom Leid vieler Kinder in China und vom Kindermissionswerk gehört hatte und schon als 16-Jährige etwas für die Gleichaltrigen tun wollte, andere Kinder begeisterte und zwischen 1843 und 1846 alles tat, dass der 2. Februar 1846 zum Geburtstag des deutschen Kindermissionswerkes werden konnte. Am 3. Mai 1922 wurde das Werk von Papst Pius XI. zum "Päpstlichen Werk" erhoben. Am 19. Mai 1993 feierte das belgische Kindermissionswerk , damals noch unter der Leitung von Jean Lazarus aus Eupen, den 150. Geburtstag des Kindermissionswerkes in Belgien.
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