Edgard Hermann Klärchen Gombert
Übergabe: Traditionsgasthaus "Zur Alten Linde" sucht neuen Besitzer
Weywertzer "Kaserne" steht zum Verkauf

Weywertz

"Schweren Herzens haben wir die Entscheidung getroffen, unsere Gaststätte und den Saal zu verkaufen", sagt Edgard Hermann, der 61-jährige Inhaber des traditionsreichen Saales "Zur Alten Linde", der viel Herzblut hineingesteckt hat. "Ich hänge sehr an diesem Saal, den ich vor 24 Jahren von meinen Eltern übernommen habe, aber die Entscheidung war unumgänglich."

von Lothar Klinges

Dass der aus Altersgründen entstandene Entschluss keine leichte Entscheidung gewesen ist, sieht man ihm an. "Es tut weh, denn das Gasthaus war mein Leben. Mir wird das alles fehlen. Ich muss mich langsam daran gewöhnen, so schwer mir dieser Schritt auch fällt." Edgard Hermann ist hier groß geworden und wirft die Frage nach der Gestaltung seines Lebensabends auf. "Wenn ein Weywertzer die Gaststätte übernimmt, würde das mich sehr freuen, denn so bliebe dieses Gebäude für das Dorf erhalten, auch wenn die Nachfolger die Gaststätte moderner oder neu gestalten würden."

Im nächsten Jahr erreicht seine Lebensgefährtin, Klärchen Gombert, das 65. Lebensjahr. Er selbst wird im kommenden Jahr 62 Jahre alt. Beide haben das Pensionsalter erreicht. Klärchen Gombert erhält zurzeit eine Witwenrente und tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand, während Edgard nach 46 Arbeitsjahren am 1. April 2019 das Rentenalter erreicht hat. Unabhängig von der Corona-Pandemie haben sich beide im März-April dieses Jahres mit der Frage nach ihrer Zukunft auseinandergesetzt und im Juli die Entscheidung getroffen, Gaststätte und Saal zu verkaufen. "Bis zum Verkauf des Gebäudes führen wir den Saal und die Gaststätte noch gerne weiter", sind sich beide einig. Für kommendes Jahr wurden bereits zwei Goldhochzeiten angenommen.

Dem Wirt und der Wirtin ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, den Familienbetrieb zu übergeben. Schon allein wegen der Stammgäste, die teilweise regelmäßig gekommen sind. Klärchen leidet unter starken Rückenproblemen, während Edgard Hermann zuletzt einen folgenschweren Gehirnschlag erlitt und sich zurzeit davon mühsam erholt.

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist in der Familie Hermann nicht in Sicht. Edgard Hermann und seine aus Kalterherberg stammende Lebenspartnerin Klärchen Gombert, deren Ehegatte 2002 verstarb, sehen keine Möglichkeit mehr, Gastlokal und Saal weiter zu betreiben. Klärchen Gombert hat immer gerne in einer Gaststätte gearbeitet, nachdem sie vorher in dem Café ihrer Schwiegermutter in Brüssel und danach bei Loni und Reinhold Heck in Sourbrodt gearbeitet hat. Seit 2003 leitet sie mit Edgard Hermann die "Kaserne", wie die Gaststätte im Volksmund genannt wird. Erst mit Klärchen kennt die Gaststätte einen wöchentlichen Ruhetag am Dienstag, außer für Begräbniskaffees oder andere Versammlungen. "Wir haben unseren Einsatz in der Gaststätte stets als Dienst an den Menschen und Vereinen im Dorf verstanden."

Der Verkauf der Kaserne ist seit Monaten ein Thema in der Bevölkerung. "Hoffentlich werden der Saal und die Gaststätte nicht ganz schließen, denn dann wird man diesen Begegnungsort für Jung und Alt sehr vermissen ", meinte eine Person, die daran erinnerte, dass in der jüngeren Vergangenheit mehrere Gaststätten in der Gegend geschlossen haben. Die Kaserne ist für die Vereine und für das Dorf eine traditionsreiche Adresse, und ein Stück Dorfgeschichte hängt mit dem Saal zusammen. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch Weywertz und viele reagierten sehr traurig, wenngleich sie auch Verständnis für die Entscheidung der Inhaber aufbringen. An den Tischen in der Kaserne haben viele gesessen. Theke, Gaststätte und Saal sind Orte, an denen gefeiert und viel gelacht wurde. Hier traf man sich, hier wurde diskutiert, was im Dorf geschah, hier wurde über manch herzergreifende Geschichte gesprochen und teilweise bis in die frühen Morgenstunden Skat gespielt.

Der Dorfsaal und die Gastwirtschaft haben im Laufe der vielen Jahrzehnte zahlreiche Menschen zusammengeführt. Hier wurden Taufen, Hochzeiten, Gold- und Silberhochzeiten, Geburtstage und andere Anlässe gefeiert. Viele Familienfeste, Versammlungen und Vereinsfeste fanden hier statt. Legendär bei der älteren und auch jüngeren Generation sind die Kirmesfeste, die Kappensitzungen, die Theaterabende und die Bälle in der Kaserne. Nach dem Begräbnisgottesdienst und auf dem Rückweg vom Friedhof fanden sich viele Trauerfamilien mit ihren Gästen zum Totenkaffee ein. Mit all dem ist für Edgard Hermann und Klärchen Gombert bald Schluss.

Seit 1979 arbeitete Edgard Hermann, neben seiner Tätigkeit im Baufach, in der Gaststätte, die er 1996 von seinen Eltern übernahm. "Für meine Eltern war ich immer zur Stelle, vor allem dann, wenn ein Fest anstand, um ihnen bei der Bewältigung der Aufgaben, wie z. B. der Herrichtung des Saales, beizustehen. "Einen Feierabend habe ich im Leben nie gekannt."

Für die Feste hat Klärchen immer gerne die Tische geschmückt und den Saal bereitet, erzählt sie nicht ohne Wehmut. Ab 18.30 Uhr kamen die ersten Gäste und Vereinsmitglieder. Die "Kaserne" ist das Vereinslokal des örtlichen Musikvereins "Zur Alten Linde" und bis vor wenigen Jahren probte hier auch die "Warchetaler Blasmusik". Alle 14 Tage finden im Saal Skatturniere und einmal im Jahr das große Coujon-Turnier statt. "In der Zeit der Pandemie achten wir immer genau darauf, dass die Tische weit genug auseinander stehen, was im Saal gut möglich ist", betont Klärchen Gombert.

Lustige und traurige Tage haben Wirtin und Wirt in all den Jahren erlebt, viele Gespräche haben sie geführt, unzähligen Trauergästen beim Kaffeetrinken nach dem Begräbnis Mut und Trost zugesprochen. All das ist jetzt vorbei. Mit viel Wehmut im Herzen, jedoch die Realität vor Augen bedanken sie sich bei allen Freunden und Gästen, insbesondere den Stammkunden und Mitarbeitern für die jahrzehntelange Treue. Besondere Erwähnung finden bei ihnen auch die Nachbarn für so manche Unannehmlichkeiten, die Vereine und viele Privatpersonen, die immer wieder Veranstaltungen im Saal durchgeführt haben.

Und wie sieht die Zukunft aus? Was nun aus der Gaststätte und dem angegliederten Saal wird, ist ungewiss. Und wie sieht die persönliche Zukunft der Wirtsleute aus? "Wir wollen ein kleines Haus oder ein Appartement kaufen oder mieten, am liebsten in Weywertz." Ebenfalls stehen Reisen durch Europa mit ihrem Wohnmobil an. Besonders Kroatien und Portugal haben es ihnen angetan. "Wir wollen vor allem erst einmal gesund bleiben, gemeinsam einen ruhigen Lebensabend verbringen und immer noch gerne zur Kaserne kommen, dann aber als Gäste."

STICHWORT
"Kaserne"
Ihren Namen, den sie bis heute beibehalten hat, erhielt die Kaserne bereits bei Baube¬ginn. Für den verstorbenen Lokalhistoriker Gottfried Sarlette war der Grund dafür sicherlich, dass dieser gewaltige Bau in seiner Form und seinem Aussehen einer Kaserne glich. Peter Leblanc, der das Gebäude im Jahre 1928 erwarb, verlieh demselben den Namen „Zur alten Linde“, vor allem des¬halb, weil es bereits seit einigen Jahren das Vereinslokal des gleichnamigen Musik¬vereins war. Dieser hielt hier sowohl seine Proben als auch alle Konzerte ab. Bis zum heutigen Tag wird im Volksmund lediglich der Name Kaserne verwendet. (kli)

HINTERGRUND
Wohlergehen der Vereine steht im Vordergrund
Der Erbauer der Kaserne war der 1865 geborene, im Volksmund „Pottches Koräng“ genannte Quirin Her¬brand. Seine Eltern Hubert Herbrand und Elisabeth Schumacher wohnten in Sankersborn, wo sie die Berufe des Ackerers und des Schankwirts ausübten. Ihre Wirtschaft trug den Namen „Gut Sankersborn“ und den Hausnamen „Pottches“. Später wurde ein Herr Schnitzler Eigentümer des „Guts Sankersborn“. Durch die Tei¬lung der elterlichen Güter hatte Quirin Herbrand eine bedeutende Geldsumme erhalten. Für den Weywertzer Lokalhistoriker Gottfried Sarlette verleitete diese Summe ihn dazu, als „gelernter“ Gastwirt den Bau der Kaserne zu riskieren.
Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1902. Es sollte aber bis 1906 dauern, bis das Ganze unter Dach und Fach war. Trotz seines persönlichen Einsatzes kam Quirin mehr und mehr in finanzielle Schwierig¬keiten: Er war nicht nur total verschuldet, ihm fehlte auch das Geld für die Innenar¬beiten und die Fertigstellung der Gebäude.
Unter anderem wegen Finanzproblemen setzte sich Quirin Herbrand nach Amerika ab, und jede Tätigkeit ruhte. 1918 verkaufte der Besitzer des Gebäudes, Karl Müller-Mink aus Esch¬weiler, das Gebäude an Leonard Solheid aus Bel-Air. Zehn Jahre später kauften die Eheleute Peter Leblanc aus Nidrum und Anna Maria Cremer aus Bütgenbach das Anwesen von Leonard Solheid.

Im März1955 kaufen die Eheleute Johann Hermann und Maria Kohn einen Teil des Gebäudes, die Gastwirt¬schaft, den Tanzsaal, die Wohnung und die darunter liegenden Keller von den Erben des Peter Leblanc, der am 27.12.1953 ver¬storben war. Johann Hermann baute den Saal nach hinten aus, indem er die Tanzfläche vergrößerte und eine neue Bühne herrichtete. In dem darunter liegenden Keller wurde das Probelokal für den Musikverein eingerichtet. Dieser Raum wurde künftig „Weinkeller“ genannt.

Im Jahre 1996 wurde Edgard Hermann Eigentümer der Gebäude. Der Saal, die Wirtschaft und die Toiletten wurden voll¬ständig renoviert, sowie eine Küche eingerichtet. Edgard und seine Lebenspartnerin Klärchen Gombert führen seit 2003 den Gastwirtschaftsbetrieb gemeinsam weiter. Für beide steht bis zuletzt das Wohlergehen der Vereine und Gäste und nicht der persönliche Vorteil im Vordergrund. (kli)
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