Eine außergewöhnliche Trauung in Bütgenbach
Kunstaktion: Schaufensterpuppen vor der Pfarrkirche sorgten für viele neugierige Blicke - 28.11.2020
Eine außergewöhnliche Trauung in Bütgenbach

Bütgenbach

Wenn auch derzeit Trauungen in Kirchen verboten sind, so staunten die Bütgenbacher nicht schlecht beim Anblick eines Brautpaares vor ihrer Stefanuskirche.

von Lothar Klinges

Francis Brandt aus Henri-Chapelle hat am Samstag mit einer ungewohnten Show von Schaufensterpuppen für Aufmerksamkeit am Bütgenbacher Marktplatz gesorgt.

Der Künstler nennt sich selbst „Artistuteur“. In seinem Haus in Henri-Chapelle empfängt er gerne Gäste, um ihnen seine reiche Sammlung an Schaufensterpuppen zu zeigen. Er hat in den vergangenen Jahren um die 40 Modelle erstanden, die er mit Kleidung anzieht, die er aus zweiter Hand erhält.

Seit diesem Jahr, unabhängig vom Ausbruch des Coronavirus, entschied sich der pensionierte Lehrer, der immer versucht hat, seinen Schülern die Kunst nahezubringen, und sein Hobby nach eigenen Aussagen „volltags“ ausübt, in die Öffentlichkeit zu gehen, um dort seine Mannequins zu präsentieren. Das Auftauchen erster Schaufensterfiguren im 19. Jahrhundert resultiert aus der Entwicklung der Modekonfektion, dem Aufstieg der Kaufhäuser und der Warenpräsentation in großformatigen Schaufenstern. Anfangs stellte man kopflose Schneiderbüsten auf Holzständern in die Schaufenster - also zweckorientierte Gebrauchsobjekte, der Torso war streng ausgeformt nach der neuesten Modelinie. Nach zahlreichen Experimenten entstanden in den 1920er Jahren schließlich die Vorläufer jener modernen Schaufensterfiguren, die wir heute kennen.

Seit Schaufensterfiguren existieren, sorgen sie für Irritation und Faszination. Künstler und Schriftsteller wurden schon immer von ihnen inspiriert. So haben die Surrealisten René Magritte und Man Ray das Mannequin bereits für sich entdeckt und als Kunstobjekt neu interpretiert. Francis Brandt ist ein Bewunderer des belgischen Surrealismus, vor allem Salvatore Dali, René Magritte und Paul Delvaux haben es ihm angetan. Gerne stellt er die Puppen an berühmten Plätzen und in vielen Städten auf. Am Samstag war Bütgenbach an der Reihe, wo die außergewöhnliche Aktion für viele neugierige Blicke sorgte. Die Resonanz war sehr gut. Da es sich um menschliche Figuren handelt, reagieren die Menschen instinktiv auf diese Geschöpfe - sie erregen unsere Aufmerksamkeit. "Dem Künstler ist es gelungen, die verschiedenen Kunstkörper mit Blicken und Gesten zum Sprechen zu bringen", sagte ein Urlauberpaar aus Ostflandern vor der Kirche. "Wir betrachteten die Figuren, wie sie da stehen, scheinbar stumm und starr. Doch dann sehen wir ein Blitzen in den Augen, ein unmerkliches Lächeln, sie erwachen zum Leben."

Ein Gesicht, ein Lächeln, ein Blick kann unendlich viel ausdrücken. Stehen wir jedoch nicht einem leibhaftigen Menschen, sondern einem Kunstkörper gegenüber, einer Schaufensterpuppe - eigentlich ein toter Gegenstand - so vermischen sich häufig mehrere Gefühle - wir erleben: Fantasie und Poesie, Licht und Schatten, erklärte der Künstler. Jede Figur hat einen Namen, um deren unverwechselbare Persönlichkeit zu unterstreichen - orientiert an der Ausstrahlung, am Gesichtsausdruck oder manchmal sind es spontane Namens-Assoziationen.

Mit der Kunstaktion der Mannequins will Francis Brand in dieser Corona-Zeit zu mehr Achtsamkeit, Wertschätzung, Zusammenhalt und Dankbarkeit sich selber, seiner Umwelt und seinen Mitmenschen, Familie und Freunden gegenüber mahnen. Schaufensterpuppen, die in den Auslagen der Geschäfte die überbordende Fülle lebensbejahender, bunter Kleidung präsentieren, stehen in voller Pracht in ihrer Körpergröße beieinander, umgeben von einer Aura der Freude und Hoffnung. Die Kunstaktion stellt eine vertraute Gemeinschaft bei einer Hochzeitsfeier dar, in der sich jeder nach Nähe und Wärme sehnt. Wir sollten nichts als selbstverständlich nehmen, wahrnehmen wie wertvoll alles um uns herum ist und bedenken, wie schnell sich Alles um uns herum verändern kann.“, so der Künstler.
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