Steeklöpper Statue Weywertz
Denkmal Steeklöpper Weywertz Aufstellung 06.11.2020
Geschichte: Ein ortstypisches Denkmal für den Kirchplatz
Dem Steeklöpper ein bleibendes Denkmal errichtet

Weywertz

Auf dem neu gestalteten Kirchplatz in Weywertz, der als lebendiger Begegnungsort größere Bedeutung im Ortszentrum erhalten soll, wurde am Freitagnachmittag ein Denkmal zu Ehren des Steeklöppers aufgerichtet.

von Lothar Klinges

Damit ist die Neugestaltung des Kirchplatzes, die im Rahmen des Programms der Ländlichen Entwicklung am 18. September 2018 mit dem ersten Spatenstich begonnen hatte, so gut wie abgeschlossen. Abgerundet wurde nunmehr die Erneuerung mit der Aufstellung eines Denkmals des ortstypischen „Steeklöppers“ – neben dem 352 Jahre alten Lindenbaum, das Wahrzeichen der Ortschaft schlechthin.

Das „Steeklöpper“-Denkmal hat seinen Platz in der neuen Begegnungsnische mit Sitzgelegenheiten auf dem neugestalteten Kirchplatz gefunden, der zunächst im Mai, dann am 16. August offiziell eingeweiht werden sollte. Aufgrund der Pandemie mussten beide Termine abgesagt werden. Ein neues Datum steht angesichts der dramatischen Gesundheitslage verständlicherweise noch nicht fest.

Das Projekt der Skulptur wurde ausgeschrieben und der aus Mützenich stammende Künstler Klaus Gehlen erhielt den Auftrag in Höhe von 16.000 Euro. Anfang Februar 2020 genehmigte der Gemeinderat einstimmig die Auftragsbedingungen zur Realisierung des Kunstobjekts.

Die Statue lädt zu einer Auseinandersetzung mit einem Stück Regionalgeschichte ein. Gerade hier auf dem geschichtsträchtigen Boden im Schatten der St. Michaels-Pfarrkirche, wo am 29. September 1668 eine Kapelle gesegnet wurde und vermutlich gleichzeitig die altehrwürdige Dorflinde von vom Kölner erzbischöflichen Konsekrator gepflanzt wurde, wird mit der Aufstellung der Skulptur somit ein wichtiger Akzent der Erinnerung gesetzt, der die Lebensspuren der Weywertzer sichtbar werden lässt, die als "Steeklöpper" durchs Land bis nach Westfalen zogen und dort im Straßenbau tätig waren.

Auf Gemeindeebene befasste sich eine Arbeitsgruppe mit der Angelegenheit Kirchplatz. Dabei unterbreitete Walter Reuter, Ehrenbürgermeister, der Versammlung die Idee, in Erinnerung an eine typische Weywertzer Berufstätigkeit des 19. und 20. Jahrhunderts dem "Steeklöpper" auf dem Kirchplatz ein bleibendes Denkmal zu errichten. Der Gedanke wurde von der Gemeinde spontan aufgegriffen und das Projekt nahm seinen Lauf.

Der "Steeklöpper" sollte auf einem einbeinigen Schemel sitzend bei der Arbeit gezeigt werden und mit einem langstieligen Hammer auf deinem dickeren Stein schlagend gezeigt werden. Als Arbeitskleidung sollte die lebensgroße Figur ein "Kamesol" und eine übliche "Scheremekap" tragen. Nun galt es, einen Künstler mit der Gestaltung und dem Guss der Figur zu beauftragen. Die Gemeinde erteilt dann dem Künstler Klaus Gehlen aus Mützenich den Auftrag.

Künstler Klaus Gehlen ist in der Region, dies- und jenseits der Grenze, kein Unbekannter. Im Jahr 2013 schuf er nach einer Idee von Walter Dahmen auf dem zentralen Kirchplatz in Elsenborn ein bemerkenswertes Kunstwerk mit mehreren Identifikationssymbolen der Ortschaft: einem Wasserspiel mit einem Kessel ("Keißel") mit einigen Krähen ("Krohnen").

Am 28. September 2014 wurde die vom gleichen Künstler geschaffene markante Statue einer Vinzentinerin mit Flügelhaube und Kind auf dem Vinzenterinnenplatz am ehemaligen Krankenhaus St. Josef in Bütgenbach enthüllt, um an das 104-jährige Wirken der Ordensfrauen in Bütgenbach zu erinnern.

Ein "Steeklöpper" hatte in der Vergangenheit grobe Steine in Kleinschlag zu verarbeiten, der als Packlage im Straßenbau verwendet wurde. Er ist also nicht mit einem Steinmetz zu verwechseln. Auch kann der vielfach hergestellte, historische Zusammenhang zwischen dem „Steeklöpper“ und dem Weywertzer Steinbruch nur vermutet werden.

Der Beruf des Steinhauens des Steinschlägers wurde hierzulande noch bis in die 1950er Jahre hinein ausgeübt, verlor jedoch mit zunehmender Mechanisierung an Bedeutung.

Übrigens hat auch eine Arbeitsgruppe die Namen der Gefallenen und Vermissten des Kriegsopferdenkmals überprüft und ergänzt. In den nächsten Wochen soll auch dieses Denkmal in Form eines Gedenkbuches auf dem Sockel, der aus der nahen Steingrube stammt, aufgestellt werden. Es ersetzt das am 13. November 1960 eingeweihte Denkmal. Das neue Denkmal findet seinen Platz an der Stelle des alten Denkmals, das Ende der 1920er Jahre unter Pfarrer Peter Krebsbach eingeweiht wurde. Daneben befindet sich die im September 2002 errichtete Statue des Pfarrpatrons, des hl. Erzengels Michael.

Der Sockel, auf dem die Steeklöpper-Statue steht, stammt ebenfalls aus der nahen Steingrube und ist eine Gabe der Firma Bodarwé aus Malmedy als Besitzerin dieser Steingrube.
Dieser Sockel wurde vom Arbeiterdienst der Gemeinde Bütgenbach zum Atelier des Künstlers transportiert, damit die Statue direkt passend auf dem Sockel befestigt werden konnte. Im Beisein des Künstlers wurde die Statue - fast unbemerkt - am Freitagnachmittag auf dem Kirchplatz aufgestellt.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurden übrigens die Bäume am Kirchplatz gepflanzt und eine Obstwiese angelegt. Bei den Bauarbeiten 2018 auf dem Kirchplatz wurde, rechts vom Eingang zum Saal Thomas, ein 11-Meter tiefer Brunnen entdeckt, der aufgewertet und zu einem weiteren Kleindenkmal in der Ortschaft wurde. Die Wasserversorgung erfolgte bis Anfang des 19. Jahrhunderte ausschließlich durch Hausbrunnen, Quellen und Bäche. Die erste Wasserleitung wurde 1907 in Weywertz in Betrieb genommen. Auch wurde eine neue Straßenbeleuchtung mit energiesparender LED-Beleuchtungstechnik, aufgestellt. Der Platz an der Bushaltestelle wurde mit Pflastersteinen mit Auflade-Stationen für E-Bikes ausgelegt und an der Kirche wurden Treppen und Auffahrrampen für weniger mobile Menschen angelegt. Die geschwungene Treppe, die den flachen Platz vor der Kirche von der Lindenstraße abtrennt, ist ein wichtiges architektonisches Element, das zur Beruhigung des Platzes beiträgt und den Besucher zum Verweilen einlädt.


Künstler Klaus Gehlen schuf die Statue
Der Weg von der Idee zum einzigartigen Werk

Wie bereits in den anderen Ortschaften der Gemeinde hat sich die Gemeinde für den 65-jährigen freischaffenden Bronze-Skulpteur und Bildhauer Klaus Gehlen aus Mützenich entschieden, der von 1966 bis 1973 eine Gestaltungslehre bei dem akademischen Kunstmaler Paul Siebertz in Monschau durchlief. Es folgte eine Ausbildung zum Holzbildhauer bei Bonifatius Stirnberg in Aachen, wo er bis 1996 als Skulpteur tätig war, bevor er sich schließlich als freischaffender Bronze-Skulpteur und Bildhauer selbstständig machte.

Klaus Gehlen arbeitet in Stein, Keramik und Holz und hat sich überdies in seinem Atelier in seinem Heimatort Müntzenich eine eigene Bronzegießerei eingerichtet und verfügt über tiefe Kenntnisse der Gusstechnik.

Am Anfang stand die Idee eines Steeklöppers. Er sollte die damals typische Kopfbedeckung, tragen und bei der Arbeit auf einem einbeinigen Schemel sitzen. Zunächst wurde ein Tonmodell hergestellt, von dem Gipsformen abgenommen wurde. Daraus wurden Wachspositive hergestellt, die in Feinarbeit für die spätere Gussform aufbereitet wurden. Die Wachsteile wurden in Gussmasse eingebettet. Zum Ausschmelzen des Wachses kamen die entstandenen Blöcke in den Ofen. Für bessere Stabilität beim Gießen wurden die ausgebrannten Gussformen in Sand gestampft. Der Bronzeguss erfolgte bei 1.200°C. Nach dem Abkühlen wurden die Gipsformen zerschlagen und die Gussteile freigelegt. Die einzelnen Gussteile wurden zur Skulptur in ihrer Gesamtheit verschweißt. Als nächsten Schritt folgte das Ziselieren, die Feinarbeit am Metall nach althergebrachter Methode, bei der mit Hammer und Punzen die Oberfläche weich geformt wurde. Schließlich wurde die Skulptur am Freitagnachmittag, 6. November 2020, vom Künstler selbst am Bestimmungsort auf dem Kirchplatz Weywertz aufgestellt. Das Material Bronze ist nahezu unverrottbar und - bildlich gesprochen - für die Ewigkeit gemacht. (kli)
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