Bischof Eugène Rixen Goias / Kelmis Ostbelgien
Kirche: Papst Franziskus nahm das von Eugène Rixen aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch an
"Für die Menschen eine frohe Botschaft sein"

Kelmis / Goias

Für den aus Kelmis gebürtigen Eugène Rixen endete am Mittwoch sein Dienst als Bischof von Goias in Brasilien. Faktisch war er seit 11 Monaten „im Ruhestand“. Mit vollendetem 75. Lebensjahr am 3. Juli 1944, hatte der aus Kelmis gebürtige Bischof Papst Franziskus den Verzicht auf das Bischofsamt angeboten. Vor 50 Jahren in St. Vith zum Priester geweiht, empfing Eugène Rixe vor 24. Jahren in Brasilien die Bischofsweihe. Nunmehr liegt die Antwort aus dem Vatikan vor.

Von Lothar Klinges

"Die verbleibenden Jahre möchte ich mich weiter für soziale Gerechtigkeit einsetzen", sagt Bischof Rixen. "Wenn ich mal im Himmel ankommen soll, wird Gott mich fragen, was hast Du für die Armen getan. Jesus ist die Frohe Botschaft, und ich möchte für die Menschen ebenfalls eine frohe Botschaft sein."

Ganz in der Linie seines Vorbildes Dom Helder Camara, hat Eugène Rixen, zusammen mit den 35 Priestern seines Bistums stets Position für die Armen ergriffen. Seit genau vier Jahrzehnten kämpft er mit den Landlosen und Ausgeschlossenen der brasilianischen Gesellschaft und tritt für ihre Rechte ein. "Als ich Bischof Helder Camara 1980 bei meiner Ankunft in Brasilien fragte, was ich tun sollte, antwortete er: Bleibe bei den Armen und sie werden Dir sagen, was du tun sollst. Daraufhin habe ich bei Landlosen angefangen", erinnert sich Bischof Eugène Rixen.

Laut Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici, can. 401) müssen Bischöfe bei Erreichung dieser Altersgrenze beim Papst die Entpflichtung von der Verantwortung für ihre Diözese beantragen. Wann der Papst den Rücktritt annimmt, obliegt „nach Abwägung aller Umstände“ seiner Entscheidung. Am 27. Mai 2020 ist die Antwort aus Rom eingetroffen. Der Papst nahm den Amtsverzicht an und ernannte Pfarrer Jeová Elias Ferreira, Generalvikar im Erzbistum Brasilia und Pastor der Pfarre Unsere Liebe Frau von Nazareth in Panaltina-DF zu seinem Nachfolger, der sich ganz in der Linie seines Vorgängers für die Armen und Ausgestoßenen einsetzen wird.

Es ist meist so, dass Diözesanbischöfe nach Erreichung des 75. Lebensjahres noch einige Zeit im Amt bleiben, es sei denn, gesundheitliche Gründe spielen eine entscheidende Rolle. Die vergangenen elf Monate der Sedisvakanz dienten der Erkundung für die Wahl des Nachfolgers von Bischof Rixen. Letztlich wird der neue Bischof vom Papst eingesetzt. Die katholische Kirche umfasst weltweit mehr als 2000 Diözesen, für die Bischöfe zu bestellen sind.

Eugène Rixen wurde am 3. Juli 1944 als das achte von elf Kindern (neun Brüder und zwei Schwestern) in Kelmis geboren. Sein Vater Josef, der 1971 verstarb, war ein bekannter Bäcker in der Kelmiser Kirchstraße, die Mutter, Adriana Lafèbre, stammte aus Tilburg (NL) und starb 1990.

Nach der Volksschule in Kelmis führte ihn der Weg zu den Christlichen Schulbrüdern, zunächst für zwei Jahre nach Banneux, dann nach Ciney und schließlich nach Löwen. Danach begann er ein Studium als Volksschullehrer in Theux. Nachdem er bereits sein Diplom in der Tasche hatte, fühlte er sich im Alter von 20 Jahren zum Priester berufen. So studierte er Philosophie am Priesterseminar in Sint-Truiden und während vier Jahren Theologie an der Universität und am Lateinamerikanischen Kolleg (Copal) in Löwen. Die Idee, in Lateinamerika tätig zu werden, beseelte ihn schon damals.

Am 27. Juni 1970 empfing er in St.Vith die Priesterweihe und feierte am darauf folgenden Tag, zusammen mit Georges Schweden, der später ebenfalls in Brasilien wirkte und 1981 dort verstarb, seine Primiz. Der Weihe folgten zwei weitere Studienjahre in Katechese und Pastoral mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendkatechese am „Institut Supérieur de Pastorale Catéchétique“ (ISPC) der katholischen Universität Paris.

Danach wurde er Kaplan in Welkenraedt, wo er sieben Jahre lang mit Jacques Pirson zusammen arbeitete und wo sich sein Engagement auch auf das Herver Land erstreckte. Gleichzeitig unterrichtete er die künftigen Religionslehrer im Bereich Jugendkatechese am „Institut Supérieur de Catéchèse et de Pastorale“ (ISCP) in Lüttich.

Ein Brief des Bischofs von Lins (Brasilien) ließ in Eugène Rixen dann die Entscheidung reifen, sein Engagement in der Dritten Welt fortzusetzen. So kam er Ende Januar 1980 nach Araçatuba, einer Pfarre mit ca. 20 000 Menschen, im Bistum Lins, wo er in der Jugendseelsorge und in der Katechese wirkte.

Nach drei Jahren erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer von Promissao und 1985 zum Leiter des Priesterseminars von Marilia, in dem ständig über 50 Seminaristen ausgebildet werden. Bis zu seiner Bischofsweihe blieb die Priesterausbildung denn auch seine hauptsächlichste Aufgabe.

Zu einem wahren Volksfest machten die Brasilianer am 25. Februar 1996 in Araçatuba die Weihe von Eugène Rixen durch Bischof José Carlos Castanho. Er wurde zunächst für drei Jahre Weihbischof von Assis und am 7. Februar 1999 Bischof von Goias. Auf Ebene der brasilianischen Kirche hat er eine Pastoral für die Aidskranken ins Leben gerufen. Papst Franziskus nahm am 27. Mai 2020 das von Eugène Rixen aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch an.
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