Ein neuer Bischofsrat - Diözesankurie Lüttich
Bistum: Erneuerung des Bischofsrates - Fina Keifens weiterhin zuständig für "Baustelle Pfarre" (29.05.2020)
Emil Piront ist der neue Bischofsvikar für Ostbelgien

Lüttich

Auch in der neuen Diözesankurie und im Bischofsrat hat der Lütticher Bischof Jean-Pierre Delville die Laienchristen, darunter besonders die Frauen in wichtigen Leitungsfunktionen einbezogen. Wie im vorigen Rat erhalten sie ein hohes Maß an Verantwortung. Für die zweite Hälfte seines Episkopats hat der Bischof das Team seiner engsten Mitarbeiter(innen) erneuert.

von Lothar Klinges

"Mit der Neuorganisation der Kurie der Diözese Lüttich möchte ich die Zusammenarbeit zwischen allen pastoralen Mitarbeitern verbessern", erklärt Bischof Jean-Pierre Delville. Deshalb soll der neuer Bischofsrat der menschlichen Begleitung derer, die sich für die Kirche engagieren, große Aufmerksamkeit widmen. Die Veränderungen in der Welt, die durch die Pandemie auferlegten Herausforderungen und die Erneuerungen in der Kirche haben Bischof Jean-Pierre Delville dazu bewegt, die Organisation der Diözesankurie, welche alle Dienste des Bistums umfasst, zu aktualisieren.

Neue Leitlinien haben sich dabei herausgestellt. Der Bischof hebt das Engagement vieler Laien in verantwortungsvollen Aufgaben hervor, welche das Leben in der Kirche "auf bemerkenswerte Weise mit neuen Fähigkeiten und neuen Sensibilitäten bereichert haben." Ebenso erfordert die Aufnahme von Priestern vorrangig aus Ländern des Südens eine besondere Aufmerksamkeit. Die Rolle des Pfarrers im Pfarrverband wird gleichsam vielgestaltiger.

Die Leitung der Diözese wird zudem durch ein neues Vikariat erweitert, das sich vorrangig der Begleitung der pastoralen Mitarbeiter(innen) widmet. Auch hat der Bischof einen Mitarbeiter ernannt, der für die Verbindung von Ökologie und Seelsorge Verantwortung trägt. In dieser Zeit der Pandemie kommt dem Vikariat für Gesundheit ein besonderes Interesse zu.

An erster Stelle fällt bei den Ernennungen des Bischofs auf, dass Fina Keifens ihr Amt als Bischofsdelegierte für Ostbelgien beendet. Für eine Dauer von sechs Jahren war sie am 1. September 2014 bis zum 31. August 2020 Verantwortliche für das ostbelgische Vikariat und hatte damit die Nachfolge von Jean Pohlen, Pfarrer des Pfarrverbandes Kelmis-Hergenrath übernommen. Fina Keifens, die während 43 Jahren am Institut Maria-Goretti in St.Vith gearbeitet, zunächst als Mathematik- und Religionslehrerin, anschließend als stellvertretende Direktorin, wird aber weiterhin der ostbelgischen Regionalkirche in der Seelsorge erhalten bleiben, so z. B. in der Begleitung der Pastoralteams und Kontaktgruppen der Pfarrverbände im Rahmen der Baustelle Pfarre, eine Aufgabe, die sie bereits seit 2001 innehat sowie - seit 2013 - in der Krankenhausseelsorge in der Klinik St. Josef in St.Vith

Ferner hat Bischof Jean-Pierre Delville Emil Piront (53) zum Bischofsvikar für Ostbelgien berufen. Seit dem 1. September 2014 leitete er das Vikariat für die christliche Aus- und Weiterbildung und wurde zum Regens des Lütticher Priesterseminars berufen. Damit übernahm er die Nachfolge von Kanonikus Lambert Wers.

Emil Piront wurde 1967 in Eibertingen/Amel geboren. Lizenziat in Philosophie an der Katholischen Universität Neu-Löwen und Doktor der Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wurde er 1993 im Bistum Lüttich zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Ans-Alleur, Verviers, St.Vith und Eupen, dann Pfarrer in Embourg-Mehagne und anschließend Pfarrer des Pfarrverbands „Notre Dame des Sources“ von Chaudfontaine-Trooz. Zurzeit ist er Pfarrer der Pfarre St-Gilles in Lüttich und Professor für das Fach Moraltheologie im Bildungszentrum der Diözese Lüttich, an der Katholischen Universität Neu-Löwen und am Priesterseminar in Namür. Außerdem ist er Nationalpräses der Christlichen Gewerkschaft (CSC). Er wird Hilfspriester im Dekanat Eupen-Kelmis und wird künftig im Haus Katharina-von-Siena Astenet wohnen.

Ebenfalls fällt an der Zusammenstellung der neuen "bischöflichen Regierung" auf, dass die Diözese Lüttich ab 1. Juli mit Bischofsvikar Eric de Beukelaer, der hervorragend die deutsche Sprache beherrscht, einen neuen Generalvikar erhält. Eric de Beukelaer war bisher als Gerichtsvikar zuständig für das Offizialat, für die kirchenrechtlichen und weltlichen Angelegenheiten und damit auch für die Kirchenfabriken. Sein Vorgänger, Alphonse Borras beendet nach 19 Jahren die umfangreiche und verantwortungsvolle Aufgabe als Generalvikar unter den beiden Bischöfen Aloys Jousten und Jean-Pierre Delville. Mit letzterem hat er nunmehr den neuen Bischofsrat zusammengestellt, dessen Mitglieder ihre Aufgaben am 1. September 2020 bis zum Ende des Episkopates von Bischof Jean-Pierre Delville im Juni 2023 übernehmen werden.

Das Vikariat für Gesundheit, dessen Aufgabenbereich die Krankenhausseelsorge ist und das somit in dieser Zeit der Pandemie eine wichtige Funktion erfüllt, wird weiterhin von Caroline Lefèbvre-Werbrouck geleitet, die vor sechs Jahren zur Bischofsdelegierten berufen wurde. Die 46-jährige Mutter ist Lizenziatin in Theologie und hat in den Teams der katholischen Krankenhausseelsorge der Klinik Titeca Schaerbeek und des Universitätskrankenhauses CHU (Sart-Tilman) gearbeitet, wo sie Patienten, Familien und Personal begleitet hat. Zurzeit ist sie Forschungsassistentin im Zentrum für praktische Theologie der Theologiefakultät der katholischen Universität Löwen (UCL) und Leiterin des Pastoraldienstes der Klinik St. Vincent von Rocourt. Sie ist ebenfalls zuständig für die Seelsorge für Menschen mit Beeinträchtigung und für die Krankenbesuchsgruppen im Bistum.

Pfarrer Olivier Windels bleibt Bischofsvikar des vor sechs Jahren neugegründeten Vikariats für die Verkündigung des Evangeliums ernannt. Dieses umfasst drei Bereiche, die von Beigeordneten des Bischofsvikars geleitet werden: die Katechese, das Katechumenat, die Liturgie und die Sakramente sowie die biblische Pastoral.

Pater Patrick Bonte osc, gebürtig aus Kongolo (Kongo), bleibt Bischofsvikar des Vikariats für das geweihte Leben, für die kirchlichen Bewegungen sowie für die Pilgerstätten. Damit wird er verantwortlich für die Seelsorge an den Wallfahrtsorten von Banneux, Moresnet-Kapelle, Astenet, Val-Dieu, usw.

Bischofsvikar Baudouin Charpentier leitet das Vikariat für die christliche Aus- und Weiterbildung und wurde zum Regens des Lütticher Priesterseminars berufen. Damit übernimmt er die Nachfolge von Bischofsvikar Emil Piront

Von Baudouin Charpentier übernimmt Jean-Philippe de Limbourg das Vikariat "Evangelium und Leben". Damit koordiniert er die gesellschaftliche und solidarische Diözesanseelsorge.

In der Nachfolge von Marcel Villers und Marc Deltour (seit Januar 2014), wird Marie-Flore Montrieux verantwortlich für das Vikariat Unterricht und christliche Erziehung.

Dominique Olivier wird zuständig für das neugegründete Vikariat der Begleitung pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Aufmerksamkeit gilt den menschlichen, beruflichen und spirituellen Lebensbedingungen der in der Seelsorge tätigen Laienchristen. Sie wird auch künftig die Sitzungen des Bischofsrates moderieren.

Ab Januar 2021 wird der langjährige Gerichtsvikar Raphael Collinet im Alter von 80 Jahren in Pension gehen. Unter den letzten vier Lütticher Bischöfen war er für die Kirchenverwaltung und für kirchenrechtliche Angelegenheiten verantwortlich.

Neben den Vikariaten gibt es ebenfalls verschiedene Diensten im Bistum. Der Pressedienst wird weiterhin von Ralph Schmeder, der vielen BRF-Hörern bekannt sein dürfte, geleitet. Ihm zur Seite steht der Eupener Marc Dahm, der ebenfalls für das deutschsprachige Diözesansekretariat zuständig ist. Ralph Schmeder hat die Nachfolge von Catherine Jamoulle-Jamotte und Anne-Elisabeth Nève übernommen.


HINTERGRUND
Brücke zwischen Bistumszentrale und Ostbelgien

Am 1. September 1978 wurde der damalige 71-jährige Dechant von St. Vith, Josef Breuer (1907-1995), mit der Aufgabe eines Bischofsvikars für Ostbelgien betraut. Erstmalig übernahm damit ein einheimischer Priester mit Sitz in Ostbelgien Aufgaben, die bisher von Lüttich aus ohne direkten oder ständigen Kontakt wahrgenommen wurden.
Das Amt des Bischöflichen Vikars wurde rechtlich durch das Konzil geschaffen. Es ist näher beschrieben im Motu proprio „Ecclesiae sanctae“ vom 13. August 1966, das die Konzilsdekrete anwendet. Ein Bischöflicher Vikar kann eingesetzt werden für einen bestimmten Geschäftsbereich auf Diözesanebene oder für einen bestimmten Teil der Diözese. Letzteres war der Fall bei der Ernennung von Dechant Breuer.
In seiner Eigenschaft setzte Josef Breuer an Ort und Stelle jene Aufgaben fort, die Generalvikar Meunier von Lüttich aus als Beauftragter des Bischofs für alle Fragen Ostbelgiens wahrgenommen hatte. In der damaligen Mitteilung von Bischof W. M. van Zuylen hieß es hierzu: „Durch die Ernennung eines Bischöflichen Vikars möchte ich in einer direkteren und wirkungsvolleren Weise Kontakt aufnehmen vor allem mit den pastoralen Problemen des deutschsprachigen Gebietes, das ja durch Sprache, Kultur und Geschichte ein eigenes Gepräge hat. Ich möchte diese Kontaktnahme auch so gestalten, dass diese Gegend weiterhin Impulse seitens der Diözese empfängt und umgekehrt, so dass sich eine gegenseitige Bereicherung im kirchlichen Leben ergibt.“
Im Jahr 1986 trat Aloys Jousten, der ein Jahr zuvor Dechant von St.Vith geworden war, die Nachfolge von Josef Breuer als Bischofsvikar und als Vorsitzender des Seelsorgerates an. Am 1. September 2001 übernahm François Palm aus Walhorn diese Brückenfunktion zwischen Bistumszentrale und Ostbelgien aus.
Am 11. Oktober 2010 wurde der damalige St.Vither Pfarrer und Dechant und heutige Pfarrer von Kelmis-Hergenrath, Jean Pohlen, mit dem Amt des Bischofsvikars betraut.
Diese Funktion übernahm am 1. September 2014 mit Fina Keifens aus Meyerode erstmals eine Frau. Am 1. September 2020 wird Emil Piront Bischofsvikar für Ostbelgien. (kli)
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