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alte Landkarte (1842) mit Bauernhofsnamen am Thieberg bei Rheine | by quapan
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alte Landkarte (1842) mit Bauernhofsnamen am Thieberg bei Rheine

Bauernschaften östlich von Rheine und rund um den Thieberg (Landkarte von 1842) herum: Sutrum, Neuenkirchen, Landersum, Wadelheim, Bentlage, (Rheine) Dutum, (Waldhügel).

 

Antekoje (auf der alten Landkarte als Antekoye geschrieben): Die so genannte Antekoje war eine künstliche Gewässeranlage im Norden von Landersum, die dem Wildentenfang diente. Die Anlage nach holländischem Vorbild wurde wahrscheinlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts vom Baron von Twickel erbaut und bis Ende der 1860er Jahre betrieben. Heute ist das Gelände wieder aufgefüllt und wird als Acker und Grünland genutzt, lediglich auf Luftbildern sind die rechteckigen Umrisse der Anlage noch schwach zu erkennen.

 

Oben links im Bild der weiße Fleck auf der Landkarte (eine Art "terra incognita" wo alle Landstraßen plötzlich zu enden scheinen) war 1842 noch Königreich Hannover, während Rheine schon zum Königreich Preußen gehörte. Diese mittelalterliche Aufteilung des Gebiets war auf dem Wiener Kongresses von 1815 so beschlossen worden und restaurierte die im 9. Jahrhundert nach Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen im Urbar der Abtei Werden gezogenen Gaugrenzen zwischen dem Venki zugeschlagenem Hummeldorf (südwestlich vom heute niedersächsischen Salzbergen gelegene Bauernschaft) und dem Bursibant zugeschlagenen Neuenkirchen (westlich vom heute nordrhein-westfälischen Rheine).

Seit 1866 ist die im Mittelalter gezogene Grenze wieder etwas durchlässiger und unauffälliger geworden: Denn damals annektierte das Königreich Preußen das Königreich Hannover ...

 

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Die Brukterer lebten im umkämpften 'Grenzsumpf' Bursibant

 

Bursibant wurde im christlichen Mittelalter ein Gau um Rheine getauft, welcher sich nordwestlich der Ems ausdehnte und folgende Ortschaften umfasste: Rheine, Emsdetten, Neuenkirchen, Ohne, Schüttorf, Bentheim, Gildehaus, Nordhorn, Brandlecht (Nordhorn), Frenswegen, Wietmarschen, Schepsdorf, Emsbüren, Elbergen, Salzbergen, Dreierwalde, Mesum, Elte und Saerbeck.

Am Heiligen Meer grenzte Bursibant an die Gaue Venki und Threcwiti, im Süden an den Dreingau und im Westen an den Skopingau.

„Bursi“ soll „sumpfig“ und „Bant“ „Randgebiet“ bedeuten.

 

Laut Hermann Middendorfs Auslegung einer Ptolemäus-Stelle lebten in dem auch heute noch militärstrategisch wichtigen Gebiet um den Thieberg vor den Grenzkriegen mit den Römern die sogenannten Kleinen Brukterer, deren Stammesverwandte, die sogenannten Großen Brukterer weiter östlich, d.h. nördlich des Teutoburger Waldes, seßhaft waren. Für ihre vernichtende Niederlage dort rächten sich die römischen Rheinarmeelegionen durch die ständigen Invasionen des 1.Jhts n.Chr., so daß die Großen Brukterer sich schließlich gezwungen sahen nach Süden ins Gebiet der Tenkterer abzuwandern.

 

 

Venkigau In den Heberegistern der Abtei Werden, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, werden die zum Venkigau gehörenden Ortschaften erwähnt: 835 Messingen 836 Thuine 890 Ahlde, Beesten, Feilbexten, Gersten, Heitel, Hestrup, Hummeldorf, Hüvede, Langen, Listrup, Plantlünne, Schapen, Spelle, Varenrode 891 Freren, Lengerich 975 Lingen, 1000 Bramhar 1000 Baccum, Bramsche, Estringen, Hange, Münnigbüren, Settlage, Sudderwehe, Suttrup, Wilsten 1150 Mundersum, Polle, Sommeringen, 1188 Barel, Espel.

 

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Jahrhunderte währende (kriegerische) Auseinandersetzugnen zwischen Römern und Germanen (timeline)

Die Brukterer lebten zwischen römischem und germanischem Einflußgebiet. Deshalb wurde ihr unwegiges und sumpfiges Stammesgebiet über Jahrhunderte hinweg immer wieder Schauplatz friedlicher & kriegerischer Auseinandersetzungen:

 

15 v. Chr. verheerte Lucius Stertinius auf Befehl des Germanicus das Gebiet der Brukterer.

12 v. Chr. fiel Drusus in brukterisches Gebiet ein.

9 n. Chr. verbündeten die Brukterer sich mit den Cheruskern, Sigambrern, Chatten, Chaucen und Marsern und venichteten die drei Legionen (XVII, XVIII, XIX) und Reiterabteilungen des Publius Quinctilius Varus.

69-70 n. Chr. beteiligten sich die Brukterer auf Rat ihrer Seherin Veleda am Bataveraufstand.

77 n. Chr. überzog der niedergermanische Statthalter Rutilius Gallicus den weiterhin allzu unruhigen brukterischen 'Grenzsumpf' mit einem verheerenden Feldzug. Dabei wurde u.a. auch Veleda nach Rom in Gefangenschaft abgeführt.

98 n. Chr. revanchierten sich die Römer für ihre katastrophale Niederlage am Teutoburger Wald (9 n. Chr.), indem sie die durch die ständigen, d.h. zu dem Zeitpunkt bereits fast ein Jahrhundert anhaltenden, römischen Ausfälle dezimierten und verheerten Brukterer von den germanischen Angrivariern und Chamaven besiegen und aus ihrem angestammten Gebiet vertreiben ließen ...

 

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Taken on April 6, 1842