new icn messageflickr-free-ic3d pan white
Monster and Angel | by h.koppdelaney
Back to photostream

Monster and Angel

Hope and fear.

The duality in my mind.

 

HKD

 

 

Bin ich noch zu retten? Das sChizophrene in mir…

 

Der Widersacher, ob in Form von Mara (Buddhismus) oder dem Teufel (Christentum), stets erscheint er als listiger Verführer. Zum Unheil?

Goethe lässt den Teufel (Faust I) mit Gott eine Wette abschließen, sicher in Anlehnung an den gleichen Vorgang im Buch Hiob, eine bedeutende Offenbarung über das Verhalten des biblischen Gottes Jahwe. Der Widersacher darf sich Hiob annehmen und ihm auf den Zahn fühlen wie es um die Loyalität zu dessem höchsten Gott steht.

Hiobsbotschaften sind auch heute noch verheerende Botschaften, die alle Bereiche des Lebens betreffen. Werden Ereignisse katastrophalen Ausmaßes, im privaten, im persönlichen, im familiären bis in den staatlichen und globalen Bereich erfahren und verkündet, hat das mit dem erfolgreichen Kaufmann Hiob zu tun, dem aller Erfolg, Besitz, Familie und seine Gesundheit genommen wurde.

Der Widersacher erscheint als großer Zerstörer, doch Hiobs Glaube an Gott kann er nicht endgültig zerstören. Im Gegenteil.

Hiob enttarnt für den aufmerksamen Leser der Bibel ein Geheimnis: Jahwe lässt dem Widersacher viel Spielraum und im „Faust“ darf er in Gestalt des Mephisto alle Verführungstechniken verwenden, um Faust vom Wesentlichen abzuhalten und an das Profane zu binden.

Um diese Anbindung geht es. Das alltägliche, das ganz profane Leben läuft gesteuert ab, wie ein Computerprogramm. Der Film Matrix I zeigt anschaulich, worum es geht. Erwachen im Selbstbewusstsein, im Selbstvertrauen und Erkennen „was hier abläuft.“

Das Bewusstsein wird von Mephisto auf eine bestimmte Frequenz eingestellt und auf dieser Frequenz laufen alle Filme mit der Antriebskraft „Versuchung“, mit der Kraft der „Sünden“. Alle Begierden werden unbewusst und damit impulsiv ausgelebt.

Das Bewusstsein folgt den auftauchenden Gelüsten, den Instinkten, den niederen Begierden. Das geht ganz tief, und dauert an, bis in den Tiefen der seelischen Hölle die Leidenschaften ihre Opfer regelrecht verbrennen.

Dunkle, leidenschaftliche Gefühle und ihr Ausbruch werden daher als unerwünscht, als sündig angesehen. Sie sind das, was man auf keinen Fall will. Unkontrollierte Leidenschaften sind in der feineren Gesellschaft tabu.

Je feinsinniger eine Gesellschaft ist desto weniger kann sie grobes Verhalten tolerieren. Doch feinsinniger wird auch Mephisto im Faust. Er verlockt den Gelehrten nicht mit primitiven Instinkten, er verpackt es in feinsinnige Lust auf Gretchen, dem jungen Mädchen.

Mephisto bindet das Bewusstsein von Dr. Faust an lustvolle Sinnlichkeit, eine bis heute immer wieder gern genommene Illusion. Zu Mephistos Klassikern gehört auch der Kick mit allen Formen von Glücksspielen, Machtspielen, Glaubensspielen und so weiter. Der Widersacher verfügt über das ganze Bühnenprogramm.

Ich persönlich habe nichts gegen diese Programme und den mit ihnen verbundenen Gefühlen von Zorn bis Missgunst, von Geilheit bis Raffgier. Was ich als störend empfinde ist die immer wieder partiell auftauchende Unbewusstheit.

Je stärker eine Emotion wird umso größer wird die Gefahr eines Verlustes an Klarheit, an Bewusstheit. Bei starken Emotionen werden wir mitgerissen und verlieren alle Selbstkontrolle. Hier liegt natürlich auch der Reiz des Spiels. Wie weit kann ich gehen? Wie intensiv kann ich die Welle der Emotion (noch bewusst) reiten?

Mephisto hat leichtes Spiel. Er hat die natürlichen Veranlagungen des Menschen auf seiner Seite, weil diese natürlichen Veranlagungen das sind, was ihn ausmacht. Der Widersacher steckt nicht draußen in Form einer Versuchung. Der Widersacher ist auch die Veranlagung in mir, jenes Prinzip, was in Resonanz geht mit äußeren Umständen. Das in mir, was dem Verführer nachgeben will, ist ebenso der Verführer.

Die psychologischen Wissenschaften haben den Schatten des Menschen durchleuchtet und den inneren Kampf sichtbar gemacht, den inneren Kampf zwischen Tugend und Versuchung, zwischen dem Himmel in uns und der Hölle.

Das Bewusstsein eines psychopathischen Menschen ist in dieses andauernde Drama verwickelt und hat kaum noch Platz in seinem Denken für anderes oder andere.

Selbsterkenntnis und Selbstbespiegelung ist ebenfalls eine Bindung des Geistes und im gleichen Sinn eine „Verblendung“ oder „Illusion“ (solange das Programm läuft) wie alle anderen Beschäftigungen auch, doch die stetige Umkreisung des eigenen Bauchnabels führt schließlich durch das Nadelöhr. (Im Zen heißt das: Du stirbst auf deinem Kissen. Du wirst zum Nichts.)

Angekommen in der eigenen Nichtigkeit flutscht ein nicht mehr vorhandenes Ego ganz leicht durch das winzig kleine Loch der Nadel, denn Nichts beansprucht keinen Raum. Übrigens auch keine Zeit.

Anspruchslosigkeit. Genügsamkeit, Geduld und natürlich Freiheit entspringen dem Nichts (der Abwesenheit von Ego) zu dem Hiob durch sein Schicksal gemacht wurde. Sein Geist ist an keinen materiellen Besitz mehr gebunden. Als nichts mehr da ist, wird Hiob der Atem der Freiheit bewusst.

Goethe lässt den Widersacher, den „Geist, der stets verneint“ über sich selbst sagen: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Wie viel ist geistige Freiheit wert? Innere Freiheit vom Kampf der Gegensätze. Innerer Friede mit sich selbst und allen anderen. Ist das mit Gold aufzuwiegen?

Wenn es heißt, dass der Zorn Gottes seine dunkle Seite und die Liebe seine helle ist, und wenn ich eine Kopie („Gottes Sohn“) dieses Originalprogramms bin, lebe und erfahre ich in mir beide Seiten. Liebe und Zorn. Schöpfung und Zerstörung. Und das nicht nur außen.

Ich helfe mir und ich torpediere mich. Ja, das ist das Schizophrene in mir. Kann ich das aushalten? Wir können das!

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

 

43,662 views
64 faves
53 comments
Taken on September 7, 2012