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Shower in Shambhala | by h.koppdelaney
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Shower in Shambhala

Shower in Shambhala

 

HKD

 

Wenn es auf dem Pfad der Wunschlosigkeit regnet…

 

Auf der Kuppe des Hügels angekommen gestattete sich der Mönch wieder Selbstgespräche.

„Ich sehe, höre, fühle oder rieche Dinge und bin mir bewusst: Alle Wahrnehmungen sind Kreationen meines Geistes.“ Er lächelte und spannte den Schirm auf. „Wassertropfen auf meinem Kopf. Mein Geist spürt Wassertropfen.“

Schon seit einigen Jahren verspürte er keinen überwältigenden Drang zu diskursivem Denken mehr. Als er den Meditationspfad die ersten Male ging, musste er noch die ganze Stunde wahllos und in Gedankensprüngen an alle möglichen Dinge denken. Die Geistesschulung aber zeigte Früchte und seine früheren Leidenschaften beruhigten sich. Sein Zorn hatte sich gelegt und sein Drang, die Welt verbessern zu wollen.

Jetzt ging er ruhigen Schrittes über die Kuppe, freute sich über den Schirm, den er nur aufgrund eines Impulses mitgenommen hatte, und genoss den Geruch frisch gemähten Grases für die Ziegen eines benachbarten Bauernhofes, der das Kloster mit Milch, Käse, frischem Gemüse und Eiern versorgte.

Der Bauer nutzte den Weg, um das Kloster zu beliefern, doch nur selten traf er auf meditierend gehende Mönche, denn er fuhr gewöhnlich während der Ruhezeit.

Am heutigen Tag aber kam der Bauer mit seinem Fuhrwerk dem Mönch entgegen und dieser begann mit kurzen Spekulationen und fragte sich, warum der Bauer seinen Zeitrahmen nicht eingehalten hat. Ein Hauch von Ärger tauchte im Mönch auf. Dieser bemerkte das und unterbrach sofort die unnützen Gedanken, leerte seinen Geist und eine freudige Stille kehrte in seinen Geist zurück.

Als sich die beiden begegneten, entschuldigte sich der Bauer, er müsse zu einem Familienfest und habe daher die Lieferung von Gemüse und Obst vorgezogen.

Der Mönch nickte stumm und freundlich und dachte sich: ‚Familienfeste. Termine. Erfolg. Verabredungen. Wie gut kenne ich das‘. Und er erinnerte sich, dass auch er gesellschaftlichen Forderungen gehorcht hatte und zwanghaft weltlichen Dingen hinterher gejagt war.

„Was sollen die Leute von mir denken?“ Befürchtungen wie diese bestimmten seine Reaktionen, und erst als er sich dessen bewusst geworden war, wurde er freier und konnte Schritt für Schritt immer mehr nach eigenem Ermessen handeln.

Der Bauer hatte unterdessen eine sattreife Mango von seinem Fuhrwerk genommen und reichte sie dem Mönch, der sie dankend entgegennahm.

„Die weltlichen Dinge sind süß“, sagte der Bauer, „wenn man sie zur rechten Zeit erntet.“ Er lächelte. „Vielen Dank, dass ich von euch Brüdern Geduld lernen durfte. Doch heute muss ich mich eilen. Nicht nur wegen des Regens.“

Der Mönch brach sein Schweigen und segnete den Bauern und seine Familie, dann zogen beide weiter.

Der Mönch hatte während seiner Jugend erfahren, wie eng seine Zufriedenheit von den schwankenden Umweltbedingungen abhing. Er sprach zu sich: „Geschwister und Eltern können uns das Leben erleichtern oder unerträglich machen. Ihnen habe ich zu verdanken, dass ich im Kloster gelandet bin. Unerträglichkeit ist eine starke Motivation. Sie ist die Wurzel meiner Suche nach Frieden. Ihr gilt mein Dank.“

Er roch an der reifen, süßen Frucht und wie immer, wenn er einen bestimmten Strauch passierte, ließ er die sinnlichen und gedanklichen Aktivitäten mit einer Geste leichten Kopfnickens zurück. Kein Gedanke trübte seine Wahrnehmung, kein Begehren, keine Hoffnung und auch kein Groll. Nur eine stille Freude erfüllte ihn, bis er sich wieder einem Wendepunkt näherte. Als er den Baum mit seiner rechten Hand streifte, schien der Baum zu fragen: „Wie geht es dir heute?“

„Mir geht es gut“, sagte der Mönch. „Ich gehe den Weg der Wunschlosigkeit und erhalte die süßesten Früchte, selbst wenn es regnet.“

 

HKD

 

Deine Begierden bringen dich in Abhängigkeit.

Genügsamkeit ermöglicht die Akzeptanz dessen, was

im Augenblick ist und erlöst aus der Begierde.

Genügsamkeit braucht keine Forderungen zu stellen.

 

HKD

 

„Entspannung ist der Pfad ins Paradies“, sagte der Meister. „Sollte dich dein Schicksal zu kämpferischen Aktionen zwingen, bedenke, dass dein Karma seine Quelle in dir selber hat. Zähme deine Begierden, sonst verstricken sie dich in tiefe Abhängigkeit und endlose Streitereien.“

Der Schüler fragte, wie er seine Sehnsucht kontrollieren könne und der Meister antwortete: „Disziplin des Geistes. Beruhige deinen Geist. Meditiere auf dem Pfad so oft du Gelegenheit findest. Gedankenkontrolle spinnt keine unnützen Geschichten und lässt unvorteilhafte, gierige Gedanken los. Lass dich von deinen Begierden nicht blind verführen. Was immer du tun musst, tue es bewusst.“

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on August 24, 2012