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Beggar or Natural Greed | by h.koppdelaney
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Beggar or Natural Greed

I cross my fingers…

 

Psychological aspect: Greed

I am not interested in light; I want your delicious food.

 

HKD

 

Der Schlüssel zur Freiheit von der Angst

(z. B. nicht geliebt zu werden oder nicht genug zu bekommen…)

 

Ihre Tochter fühle sich nicht zu dünn, sagte die mir im Zug gegenübersitzende Frau. Bis zur nächsten Station informierte sie mich Schritt für Schritt über die Magersucht der sechszehnjährigen. Sie ginge regelmäßig mit ihrem Hund an die frische Luft, oft an den Ufern des Flusses und starre immer wieder völlig versunken auf das Wasser.

„Ich mache mir Sorgen“, sagte die Frau. „Ich habe sie gefragt, was sie grübelt, aber sie gibt mir nur ausweichende Antworten.“

Ich erfuhr, dass Pamela Vegetarierin sei, sehr tierlieb und sich Vorwürfe mache, weil sie dem Betteln ihres Hundes immer nachgebe.

„Er hat das an Gewicht zu viel“, sagte die Frau, „was Pamela zu wenig hat.“

Ich hörte eine Viertelstunde aufmerksam zu, denn die Frau hatte mich gefragt, ob sie mich um einen Rat bitten dürfe. Der Sachverhalt war mir nun bis in kleine Details aus der Sicht der Mutter klar geworden, doch der zentrale Punkt erschien mir ihre Angst.

Ihre Angst hatte ihre Scheu überwunden und sie motiviert, einen fremden Mann im Zug anzusprechen und ihn um Rat zu bitten.

Ich fragte sie, ob sie an Gott glaube. Sie senkte ihren Blick und überlegte ein paar Sekunden. Ihre Gegenfrage, ob ich Pfarrer sei, verneinte ich.

„Warum fragen Sie mich dann?“

Ich antwortete ihr, dass Angst häufig die Ursache des verlorenen Vertrauens in die eigene innere Stimme sei.

„Ich habe Angst um meine Tochter!“

„Ihre Tochter ist der Auslöser Ihrer Angst“, entgegnete ich. „Es könnte auch etwas anderes sein. Und nun, so vermute ich, wünschen Sie von mir einen Rat, wie Ihre Tochter von ihrem selbstschädigenden Verhalten befreit werden kann, damit Sie sich nicht mehr um sie ängstigen müssen.“

„Ja, natürlich“, antwortete die Frau.

„Ihre Tochter hat ebenfalls Angst“, sagte ich. "Vor der Zukunft, vor der Schule, vor dem, was die anderen über sie denken und so weiter.“´

„Ich verstehe“, sagte die Frau. „Sie reagiert aus Angst und ich ebenfalls. Aber was machen wir denn jetzt dagegen?“

„Wo liegt der Ursprung der Angst?“ fragte ich.

„Ich hatte Angst vor meinem Vater“, antwortete sie. „Aber meine Tochter hat keine Angst vor mir oder vor meinem Mann. Sie hat Angst vor ihren Mitschülerinnen, die sie verspotten. Da ist viel Druck von Außen, und sie fühlt sich auf sich allein gestellt. Gleichzeitig lehnt sie meine Bemühungen ihr zu helfen ab. Angeblich mische ich mich schon viel zu sehr in ihr Leben ein. Ich habe Angst, dass sie mich eines Tages ganz ablehnt.“

„Angst, nicht oder nicht mehr geliebt zu werden, kenne ich“, sagte ich. „Und so bemühte ich mich um wohlgefälliges Verhalten und schaffte es dennoch nicht, den Ansprüchen der anderen und an mich selbst, gerecht zu werden.“

„Ich möchte doch nur eine gute Mutter sein.“

„Und haben Angst, zu scheitern.“

„Ja“, sagte sie und seufzte. „Ich war meinem Vater nicht gut genug. Und jetzt bin ich eine schlechte Mutter, weil ich meiner Tochter nicht helfen kann.“

„Ich bin auch nicht gut genug“, sagte ich. „Doch ich bin den Weg der Selbstannahme gegangen. Ich habe akzeptiert, dass ich Fehler mache und nie gut genug sein kann.“

„Ich kann mir einige Fehler nicht verzeihen“, sagte die Frau. „Wie könnte ich das?“

„Es gibt eine höhere Kraft in jedem Menschen“, antwortete ich. „Psychologen nennen sie das höhere Selbst, das Über-Ich oder nehmen auch die traditionelle Bezeichnung, Gott. Diese Kraft existiert, wie ich selbst erfahren habe. Da meine Ängste sich mit zunehmender Erfahrung und wachsendem Wissen stark verringerten, kann ich sagen, dass vielleicht auch Ihnen die Bitte um Gnade hilft. Bitten Sie die in Ihnen wohnende göttliche Kraft um die Gnade, von den Ängsten erlöst zu werden.“

„Sie sind doch Pfarrer“, lachte die Frau.

Ich schüttelte den Kopf.

„Dann sind Sie aber Seelsorger.“

Ich nickte verhalten. „Man kann einige meiner Handlungen so interpretieren“, sagte ich. „Kümmern Sie sich um Ihre eigene Seele. Dort liegt der Schlüssel zur Freiheit von Angst.“

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on November 26, 2011