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It is snowing | by h.koppdelaney
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It is snowing

Red Jackett instead of red Umbrella :-)))

 

HKD

 

Führungspersönlichkeiten (Psychologischer Aspekt: Motivationskraft A1)

 

„Ich saß im Auto, während es draußen schneite“, erzählte der Mann seiner im Zug mitreisenden Freundin. „Mir fiel eine ältere Frau mit roter Jacke auf, die auf ihren Wagen zusteuerte und im Schneematsch beinahe ausgerutscht wäre. Als meine Mutter aus der Bank zurück kam, fragte sie mich, ob ich die Frau mit der roten Jacke gesehen hätte. Das sei ihre Chefin im Pflegeheim gewesen.“

Die Freundin erkundigte sich nach Details, denn sie hatte zuvor die Frage gestellt, bei welcher Gelegenheit er die energische Frau das letzte Mal gesehen habe.

„Früher, als Kind habe ich sie oft gesehen, wenn Papa Mama von der Arbeit abholte. Und da habe ich die ganzen Geschichten mitbekommen, die im Heim so liefen. Jeder ärgerte jeden. Und die Chefin war regelrecht streitsüchtig. Und dann habe ich sie mehr als zwanzig Jahre nicht gesehen. Erst letzten Winter wieder und vorhin auf dem Bahnsteig, wo sie mich angesprochen hat.“

„Ich war völlig verblüfft, wie direkt sie dich nach deiner Mutter fragte“, sagte die Freundin.

„Ja“, entgegnete der Mann. „Ich hätte sie überhaupt nicht erkannt, wenn Mama mich nicht daran erinnert hätte, wer diese Frau war.“

Die beiden spekulierten nun eine Weile darüber, wie die Frau habe ihn wiedererkennen können, da er doch ganz anders aussähe als jetzt und wie sie seinen Namen hätte erinnern können sei ihr auch ein Rätsel.

„Unfassbar“, sagte die Freundin

„Diese Frau hat ein unglaubliches Gespür für Menschen, sagt Mama.“ Der Mann räusperte sich kurz. „Eine Art sechsten Sinn.“

Dann beschrieb er, wie sie immer wieder überraschend auf den Stationen aufgetaucht sei und kurze Kontrollen durchführte. Seine Mutter habe sich mit ihr arrangiert und sie als Führungspersönlichkeit anerkannt. Sie habe immer gesagt, die Chefin sitze am längeren Hebel. Die Vernunft gebiete daher die Grenzen.

„Wir stecken ja alle zurück“ sagte er. „Ich kann auch nicht Urlaub nehmen, wann ich will.“

„Ich darf gar nicht daran denken“, sagte sie.

„Was meinst du? Dass wir in gewissem Sinn Sklaven des Systems sind?“

„Sklaven der Angst vor Autoritäten“, sagte sie. „Ich habe dich gesehen, vorhin. Du bist sofort in die Defensive gegangen. Dein Verhalten wurde irgendwie… untertänig.“

„Mein Gott, die Frau kennt mich als Kind. Und irgendwie behandelt sie mich noch so.“

„Das ist die eine Seite“, sagte sie. „Auf der anderen Seite gehst du in die unterwürfige Haltung.“

„Wie hätte ich mich ihr gegenüber durchsetzen sollen? Vielleicht denke ich immer noch wie Mama, dass sie Chefin ist und am längeren Hebel sitzt.“

„Ich meine, du hast Angst vor ihr gehabt.“

„Kann schon sein, Autoritäten machen mir Angst.“

„Ok. Das ist das, was ich sage. Die Frage ist nur, warum fehlt mir der Mut zum Kampf?“

„Mut zu einem Kampf gegen eine alte Frau?“

„Komm hör auf. Die hat dich in den Sack gesteckt. Hat dich als Idioten hingestellt.“

Sie imitierte die Stimme der Frau und sagte: „Wie geht’s denn Ihrer Mutter? War immer eine tüchtige Frau. Können Sie ihr sagen. Und was ist aus Ihnen geworden? Ich bin sicher doch was Anständiges. Sie waren immer ein aufgewecktes Kerlchen. Bleiben Sie so… Und das ist ihre Freundin? Oder sind Sie schon verheiratet…? Bla, bla… Und ich blöde Kuh lächele auch noch. Verstehst du? Darum geht es. Ich stehe da wie eine blöde Kuh und du wie ein Ochse. Ich lasse mich melken und dich führen sie an der Nase herum. Ich will wissen, woher hat diese Frau diese Energie?“

„Sie ist eben eine Führungspersönlichkeit. Ich bin das offensichtlich nicht.“

  

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on November 7, 2011