flickr-free-ic3d pan white

Time Jumper

Time Jumper

 

HKD

 

Die Konfusion des Zeitspringers und die Verlagerung der Identität

 

Die Psychologin unterbrach ihren mitreisenden Kollegen und sagte, dass es im Unbewussten keine Zeit gebe. Manche ihrer Traumhandlungen hätten eindeutig in ihrer Vergangenheit stattgefunden und andere wiederum habe sie ihrer Zukunft zuordnen können, weil sich bestimmte Traumereignisse mittlerweile bewahrheitet hätten.

Sie wartete, bis der Zug mit quietschenden Rädern im Bahnhof zum Halten gekommen war, dann beendete sie ihre Argumentation, dass es einen Bereich der Psyche gäbe, in dem die Zeit keine Rolle spiele.

„Der wahrhaft zeitlose Raum“, sagte sie. „Das ist unsere Psyche.“

Der Psychologe fühlte sich missverstanden, denn an der Aussage seiner Kollegin hatte er nichts einzuwenden, er schien sich eher dafür zu interessieren, ob es gelänge, sich in einem Traum die Zeit zu merken.

„Ah“, sagte sie. „Du meinst, ein Gefühl für die Dauer eines Traumes zu bekommen?“

Dann bestätigte sie diesen Umstand, fügte jedoch hinzu, dass das Gefühl täusche. Erst beim Aufwachen stelle sie häufig fest, dass sie nur ihr übliches Nickerchen von zwanzig Minuten gemacht habe, vom Gefühl her die Traumhandlung aber auf eine ganze Stunde schätzen würde.

„Wie gesagt, zahlreiche Bilder von Dali zeigen Uhren und damit die Zeit in einem Prozess der Auflösung. Hinter der Realität des Alltags, im Bereich des Surrealen, herrschen andere Strukturgesetze.“

Ihr Kollege stellte einige spezifische Fragen, die ihre neu übernommene Leitung eines Schlaflabors betrafen, dann kam er auf einen Fall zurück, den sie in ihrem Vortrag im Psychologischen Club geschildert hatte.

Der Mann war in seinem Traum einem Schirm hinterher gesprungen, der ihm von einer Windböe entrissen worden war. Dabei landete er auf einer kleinen Felsinsel, die sich als Insel der Zeitlosigkeit entpuppte. Von hier aus habe er in die unterschiedlichsten Entwicklungsstadien seines eigenen Lebens gesehen und je länger er auf der Insel gestanden habe, sei ihm das Gefühl dafür verlorengegangen, wer und was er im Augenblick sei.

„Er fühlte sich mit allen Zeiten und Existenzen verbunden“, sagte die Psychologin, „und wachte mit einer vollkommenen Zeitverwirrung auf, die ihn noch den ganzen Tag beschäftigte.“

Er habe sie dann telefonisch konsultiert und sie habe ihn gebeten, nicht mehr darüber nachzudenken in welcher Zeit er wann und wie war oder sein könnte, sondern seinen jetzigen Status, den Augenblick zu beobachten.

„Entleeren Sie ihren Geist“, habe sie gesagt, und: „Sehen Sie Ihr einfaches Dasein im Hier und Jetzt. Schalten Sie Ihren Geist um von Verstehen wollen auf Beobachtung.“

„Der Verstand mit seinem analytischen Denken schafft also Probleme dieser Art“, sagte der Kollege.

„Ja“, antwortete die Psychologin. „Zeitlosigkeit ist Stille und aus dieser heraus kann man alles betrachten. Es kommt erst zu Problemen, wenn die Betrachtung aufhört und das Denken einsetzt. Da beginnt die Verwirrung und Suche nach dem: Wer bin ich wirklich? Und in Wirklichkeit bin ich alles. Doch das bin ich nur im Zustand der Betrachtung. Solange ich auf der Suche bin, bin ich fragmentiert und immer nur mit einer Teilpersönlichkeit identifiziert. Das war das Problem des Mannes. Er wusste nicht mehr, wer er wirklich war. Wir haben einige Monate daran gearbeitet, dass er zum Betrachter seiner unterschiedlichen Launen, das heißt seiner Teilpersönlichkeiten werden konnte. Das entspricht einer Identitätsverlagerung von einem Fragment zur Ganzheit.“

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

The Time Jumper’s Confusion and his Identity Shift

 

The psychologist interrupted the colleague she was traveling with to say that time didn’t truly exist in the unconscious mind. Many people assign their dreams to the past, because some of their dream actions have clearly taken place in the past; others in turn assign them to the future, because some dream events since then have come true.

 

She waited until the train with its screeching wheels came to a stop at the station, and then completed her argument by saying that there was an area of ​​the psyche in which time plays no role.

 

"Our psyche is truly a timeless place," she said.

 

Her psychologist colleague felt misunderstood, because although he had no objection to her statements, he felt more interested in whether it were possible to gage time in a dream.

 

"Ah," she said. "You mean, to get a sense of the duration of time in a dream?"

 

After she had confirmed her understanding, she added that this sense of dream time was deceptive. Only after she had awakened from her usual nap of twenty minutes would she frequently discover that from her sense of the dream, she would have estimated that it took a whole hour.

 

"As I said, Dali created numerous pictures that show clocks--and therefore also time--in the process of dissolution. Beyond the reality of everyday life, in the realm of the surreal, other structural laws prevail. "

 

Her colleague then asked a specific question that related to her newly acquired position as the head of a sleep laboratory, by returning to a case which she had described in a paper at the Psychology Club.

 

A man had dreamt that he jumped behind a screen, and that that the wind had then wrested it from him. He landed on a small rocky island, which turned out to be an island of timelessness. On this island, he watched the various stages of his life pass before his eyes; the longer stayed on the island, the more he lost a sense of who and what he is right now.

 

"He felt connected with all time and all existence," said the psychologist, "and woke up with a feeling completely disoriented, which he continued to feel throughout the entire day."

 

He consulted her by phone, and she asked him to stop thinking about what time it was then or what it might be, but to focus on his current mental state--to focus on simply observing the moment.

 

"Empty your mind," she said, and "Do not look beyond being in the here and now. Turn your mind from trying to understand to simple observation. "

 

"The mind’s tendency toward analytical thinking certainly creates this type of problem," her colleague said.

 

"Yes," replied the psychologist. "Timelessness is peaceful, and from it you can observe everything. Problems only arise when the observing stops and thinking begins. This is what caused his disorientation: the search for ‘Who am I really?’

 

“And in fact I am truly everything. But that’s my experience when I'm in a state of witnessing. As long as I'm searching, I'm always fragmented and merely identified with a subpersonality.

That was the man’s problem. He no longer knew who he really was. We have been working for several months because the shifting moods that his inner observer sees could become part of his whole personality. This would bring him a shift from identifying with merely one fragment to wholeness."

  

Translation by Cougar Brenneman - Thanks a lot!! HKD

70,906 views
103 faves
126 comments
Taken on September 22, 2011