Waiting Woman with Dog

Future or Past?

Which way now?

A moment of Reflection

 

HKD

 

Warten...

 

Sie habe eine Stunde auf ihn gewartet, antwortete sie ihrer mitreisenden Freundin, während der Zug den Bahnhof verließ. Dann sei sie gegangen. Sie betitelte den Verflossenen mit diversen Schimpfworten, die hier aneinanderzureihen mir großes Vergnügen bereitet.

Ich fragte mich natürlich, wie man ein Arschloch, Scheißer, hirnloser Wichser, Großmaul, Versager und Pisser werden kann und schloss richtig, dass es nicht nur um ein ins Wasser gefallenes Treffen ging, vielmehr um das große Finale einer sechsjährigen Beziehung. Sie hatte Mr. Unzuverlässig ein letztes Ultimatum gestellt: und das hat er verpatzt.

Da sei bei ihr eine Klappe gefallen sagte sie, sie habe den Hund genommen, ihre Sachen gepackt und sei ausgezogen. Zum dritten Mal.

Etwa zwanzig Minuten ging es in diesem Stil weiter. Vergeltungspläne wurden geschmiedet und die Rache im Voraus schon ausgekostet.

Beide stellten ihn sich vor – der wohl verdienten Lächerlichkeit preisgegeben – und mit seinen Freunden wäre es dann wohl vorbei.

Die Frau im roten Mantel hatte, wie üblich, auf einem Parkplatz am Waldrand auf ihren Verlobten gewartet. Es sollte mit dem Hund zum Tierarzt gehen. Benny aber sei nicht gekommen, weil er sich bei einem Kumpel, mit dem er zusammen gedient hat, offensichtlich hat volllaufen lassen.

„Ich bin sauer“, sagte sie, „weil er nicht einmal angerufen hat. Ich habe immer ein Handy dabei.“

„Er hat nicht angerufen“, ergänzte die Freundin und lachte, „weil er nicht mehr sprechen konnte!“

„Scheiße, ja, und ich blöde Kuh liebe dieses Arschloch.“

Die Freundin verzog eine nachdenkliche Miene und erkundigte sich, ob das ihr ernst sei, was sie da gerade von sich gegeben habe.

„Nein, nicht wirklich, aber ich kann bei meiner Schwester nicht viel länger bleiben. Es ist alles so kompliziert. Der Weg zur Arbeit, die Sache mit dem Hund, das Einkaufen. Aber immerhin spare ich die Miete, denn ich überweise dem Versager keinen müden Cent mehr.“

Der solle mal endlich lernen, mit Geld umzugehen, meinte die Freundin und schob noch ein paar Untugenden hinterher, die er lassen solle, wie beispielsweise seine regelmäßigen Gelage.

Die von der Liebe enttäuschte bestätigte die Wunschliste und an oberster Stelle stand Verständnis für die Bedürfnisse von Frauen. Dazu gehörte vor allem Kuscheln statt Minutensex.

Schließlich fragte die Freundin, was denn die Astrologin zum Stand der Beziehung gesagt hätte und bekam zur Antwort, dass die Sterne nicht gut stünden. Oder vielleicht sogar doch, das wisse man ja nie. Saturn löse alte Bindungen auf, es herrschten trennende Energien vor.

Die Astrologin habe gesagt, wer sich nicht trennen könne, bliebe in Abhängigkeit, in Symbiose, und damit in einem endlosen Schmerz. Darum helfe Saturn mit Schmerzen. Die Trennung würde auf diese Weise erzwungen.

„Trennung muss echt werden“, zitierte die Frau im roten Mantel die Astrologin. „Es reicht nicht, sich Trennung nur zu wünschen und dann zu heucheln. Auf diese Weise bleibt das innere Band bestehen und das schmerzt bei der Ausdehnung des anderen. Wenn der seine Freiheit in Anspruch nimmt, schmerzt es unausweichlich. Ist man emotional verbunden, besteht eine Art telepathisches Band, wie bei einer Mutter mit ihrem Kind.“

„Ja und was soll man nun praktisch machen?“ fragte die Freundin.

„Den Schmerz annehmen“, gab es zur Antwort. Der Schatten der Liebe sei der Schmerz. Sie habe sich das aufgeschrieben und zog einen Zettel aus ihrer Handtasche hervor.

„Nimm den Schmerz an und durchleide ihn. Schütze dich nicht durch Wut vor dem Schmerz der Vergänglichkeit und des Wandels. Nur dann kannst du aussteigen und die Trennung bewusst vollziehen. Schreckst du vor der Angst oder dem Schmerz der Trennung zurück, gerätst du immer tiefer in den unauflöslichen Mechanismus von Zurückweisung und Verletzung, von Schmerz und Rache. Schließlich willst du so oft Rache üben, bis der andere seine schmerzenden Aktivitäten unterlässt. Der Kreislauf ist unendlich, solange du den Schmerz des Wandels vermeiden willst.“

 

HKD

 

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HKD

 

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Taken on August 22, 2011
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