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Eight Flying Doves

The Miracle of the eight white Doves…

 

HKD

 

Das Wunder der acht weißen Tauben…

 

Während der gesamten Zugfahrt saß mir eine vollkommen schweigsame, blasse Gestalt gegenüber, vor der ich eine unbestimmte Angst hatte. Es war ein Mann mittleren Alters doch bereits mit hagerem Gesicht und schütterem Haar. Seine Augen saßen in dunkel umrandeten und leicht eingefallenen Augenhöhlen. Hätte er ein schwarzes Cape getragen mit hochgeschlagener Kapuze, ich hätte ihn für einen Gesandten des Todes halten können, und ich fragte mich selber, wie ich auf diesen klischeehaften Gedanken gekommen war. Und schon fiel mir ein vollkommen anderes Bild des Todes ein, das keine Spur von Bedrückung enthielt.

„Acht weiße Tauben fliegen in einem goldenen Himmel.“ Diese Aussage hatte ein Kind mir gegenüber gemacht, dessen Vater durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Der Junge habe die Tauben über dem Friedhof fliegen sehen, als der Sarg ins Grab gelassen wurde. Vier mal seien sie in die Runde geflogen. Doch alle anderen hätten ins Grab hinunter geblickt und keiner habe die Tauben gesehen.

„Eine der Tauben, das war mein Papa.“

Er sei ihm auch in Träumen erschienen und er habe ihm gesagt, wie gut es ihm jetzt gehe. Und alle hätten sich gewundert, dass er nicht so traurig sei, wie seine älteren Geschwister und vor allem seine Mutter und die Oma und der Opa.

„Aber er ist keine wirkliche Taube“, hatte mir der Junge erklärt. „Er hat nur eine Taube benutzt.“

Auch Gott benutze Tauben, um mit den Menschen zu kommunizieren. Der Heilige Geist sei eine Taube, und den Frieden bringe sie und Hoffnung.

Das habe ihm der Pfarrer erklärt, nachdem er ihn wegen der Tauben gefragt habe. Er habe auch gesagt, dass es einen Taubenzüchter in der Nähe des Friedhofes gebe, aber die Tauben seien bestimmt nicht alle weiß. Er dürfe den Vorfall also gewiss als Wunder betrachten.

Der Junge war damals sieben.

An eine letzte Bemerkung des Pfarrers erinnere ich mich noch.

„Der Tod ist der Freund des Lebens, denn ohne ihn wäre es nicht da.“

Diese Gedanken gingen mir im Kopf herum, als der Zug in den Bahnhof einlief. Die blasse Gestalt erhob sich, ergriff ihren Rucksack und hustete. Dann zog sie ein weißes Taschentuch aus ihrer Tasche, aus dem eine kleine weiße Feder fiel. Sie bemerkte, wie ich den Vorfall mit großem Interesse registrierte und sagte: „Ich züchte Tauben. Weiße Tauben. Ich wünsche Ihnen eine weiterhin angenehme und erhellende Reise!“

 

HKD

  

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

  

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Taken on August 21, 2011