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Watcher with white Dog | by h.koppdelaney
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Watcher with white Dog

Early summer morning in the valley

 

Walking the dog

 

HKD

 

Wie man seine Seele rettet

 

Er habe einen weißen Schäferhund, der begleite ihn immer auf seinem Spaziergang um den Dachmanns Berg mit seinem wunderschönen Blick ins sonnige Tal. Und der Hund habe ihm das Leben gerettet. Eine Taube habe im Gras der Weide gelegen, humpelnd und mit den Flügeln schlagend und er sei, trotz seiner Fülligkeit zwischen dem Weidezaun hindurch zu der Taube geeilt.

Damit der Hund die Taube nicht verschrecke, habe er ihn am Zaunpfahl angebunden. In dem Augenblick in dem er die Taube ergriff, löste sich aus der Herde der Kühe ein Bulle, den er nicht gesehen hatte und dieser rannte auf ihn zu.

In seiner Panik sei er ausgerutscht und hingefallen. Der Hund bellte und zerrte kräftig am Halsband, bis er sich frei gemacht hatte und stürzte auf den Bullen zu.

„Er lenkte ihn ab, bis ich mich wieder aufgerichtet hatte, die Taube noch in der Hand.“

„Das war bestimmt nicht einfach,“ kommentierte das Mädchen neben ihm, das aufmerksam der Geschichte folgte obwohl ihre Mutter sie aufgefordert hatte, den Herrn nicht länger mit Fragen zu löchern.

„Lassen sie nur“, lächelte der korpulente Mann, den ich für Anfang sechzig hielt. „Meine Zugfahrt ist noch lang, und ich fühle mich nicht gestört.“

„Und was wurde aus der Taube?“ fragte die etwa Acht- oder Neunjährige mit dem niedlichen Engelsgesicht..

„Die hatte sich in einem ganz dünnen Bindedraht verfangen. Von dem habe ich sie dann befreit und habe sie wieder fliegen lassen.“

„Und hat der Hund eine Belohnung bekommen?“

„Sogar eine ganz große. Gute Taten müssen doch belohnt werden, nicht wahr?“

„Mein Papa sagt, gute Taten werden heutzutage nicht mehr belohnt.“

„Mmmh“, entgegnete der Mann. „In meiner Welt aber noch. Wie ist es denn in deiner?“

„Mama belohnt mich immer, wenn ich gute Taten tue.“

Die Mutter lächelte erst den Mann verlegen an und dann mich. Dabei habe ich nichts gegen die guten alten Erziehungsmethoden. Jede Gemeinschaft hat ihre eigenen Regeln, und ihre Tabus werden bei Übertretung bestraft und richtiges Handeln wird mir Zertifikaten und Prämien belohnt. Lob und Tadel gehören meiner Ansicht nach ebenso in den ersten Lebensabschnitt wie in den zweiten die Rebellion gehört, die die Zwänge wieder auflösen und die Grenzen erweitern wird.

Hat sich ein Individuum etabliert, muss es sich zur Vervollkommnung seines Selbst vom Kollektiv trennen.

In die mystische Bildsprache übertragen heißt das: Der „Sohn verlässt den Vater“ (Ursprungsfamilie), das zum Kollektiv gehörende Ego-Bewusstsein wird sich auf der Suche (nach dem heiligen Gral) wandeln zum transpersonalen Selbst.

Universales Selbst, höheres Selbst oder wahres Selbst beschreiben als Begriffe stets die Erfahrung des Durchdrungenseins von einem höheren Prinzip, das auch als „göttliches Bewusstsein“ beschrieben werden kann.

Über „göttliches Bewusstsein“ zu schreiben oder von ihm ekstatisch ergriffen zu sein ist wie über Wein zu reden oder von Weingeist berauscht zu sein. Wer über Liebe redet, ohne Liebe zu empfinden, weiß nicht, was den Tierliebhaber bewog, auf die Weide zu klettern. Er konnte gar nicht anders, als dem Gefühl seines Herzens zu folgen.

Meine Spekulationen über sein Herz wurden eines Besseren belehrt, denn als das blonde Mädchen fragte, warum er die Taube gerettet habe, gab er eine spontane Antwort:

„In der Gegend in der ich groß geworden bin erzählen sich die Leute eine Geschichte. Wer in seinem Leben einen Vogel rettet, der rettet seine Seele. Die Vögel lehren dich, wie du mit deiner Seele fliegen kannst.“

Eine wunderschöne Handlungsempfehlung, die für einen Akt der Nächstenliebe eine Belohnung verspricht, die auch mich reizen würde sie zu erhalten. Ich habe andere Regeln eingehalten, doch die Belohnungen blieben aus.

Desillusionierungen entpuppten sich jedoch als Segen, denn sie führten mich bis an jenen Punkt an dem ich durchschaute, dass Regeln das Ego aufbauen und stützen und die Befreiung von den Regeln der Anpassung das Ego wandeln in Richtung freies Bewusstsein. Desillusionierung ist die Wurzel der wahren Freiheit.

„Freiheit“, fuhr der Mann fort, „wird seit jeher mit dem Flug der Vögel verglichen. Bei uns im Tal wohnt ein kleiner Schwarm Kolkraben, und ein Bauer züchtet Tauben.“ Seine Augen strahlten voller Glück: „Freude fliegt über unserem Dorf, Freude und Freiheit.“

 

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on July 25, 2010