The open Gate

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HKD

 

Wenn Ehrgeiz überflüssig wird.

 

Etwas trieb mich an, eine große Rolle spielen zu wollen, etwas darzustellen und Anerkennung dafür zu erhalten. Was ist dieses Etwas? Anfangs erscheint es undefinierbar, doch dann werden Worte dafür angeboten, Begriffe wie Trieb, Motivationskraft, Leidenschaft, Gier, und schließlich kommt der Bewertungsvorgang, was dazu führt, dass gewisse Triebkräfte mit dem religiös fundierten Begriff „Sünde“ verdammt werden.

Ehrgeiz wird aus mystischer Sicht tatsächlich als hinderlich für die Befreiung des Geistes gesehen, denn er verhindert den mystischen Zustand des Bewusstseins. Ehrgeiz, in welcher Form auch immer, ist eine klassische Ego-Energie, denn sie führt in den unerbittlichen Kampf um Positionen und Posten in irgendeiner Hierarchie da draußen.

Dieser Weg führt weg vom Inneren, vom tiefsten Wesenskern, dem die heimliche Sehnsucht gilt, denn dieser Wesenskern ist der wahre Geliebte. Die Selbstliebe liegt hier gegründet und nur der Ehrgeiz verhindert sie, denn der Ehrgeiz fühlt sich nie befriedigt. Wie klein oder wie groß seine kosmische Flamme den Geist eines Menschen erhitzt, das Individuum erfährt Ehrgeiz als eine treibende Kraft, die zu Taten anspornt, die dadurch leicht fallen, egal wie groß sie sind.

Ehrgeiz allerdings fixiert auf ein Ziel und macht blind für viele andere Dinge. Vor allem für die Liebe. Wer die Liebe zu sich selbst in steigendem Maße erfährt, wird auf Ehrgeiz verzichten, denn die Liebe verursacht absichtsloses Handeln.

Wer vom Ehrgeiz getrieben wird, kennt diesen inneren Drang, etwas Unbestimmtes oder auch klar Umrissenes erreichen zu wollen. Da passt absichtsloses Handeln nicht, sondern Strategie und Vorausplanung sind angesagt. Und eben in dieses planerische Denken fließt sehr viel Aufmerksamkeit. Der Geist ist gebunden und versucht kämpferisch, die gesteckten Ziele zu erreichen. Kampf und Liebe gehen schlecht zusammen, vor allem in einer Partnerschaft.

Zu einer erfüllten Beziehung auf der emotionalen Ebene gehört die echte, authentische Liebe. Doch wie kann man diese geben, wenn man sie zu sich selbst nicht empfindet? Es ist leicht, von einem anderen süchtig zu verlangen, er möge „mich“ lieben.

Ich brauche Liebe, weil ich selbst mich doch nicht liebe. Stattdessen werde ich immer noch getrieben, besser werden zu wollen als ich bin, um Anerkennung dafür zu erhalten. Für meine Leistung erhalte ich die Belohnung und werde geliebt. Doch von wem?

Ist derjenige, von dem du die Liebe haben möchtest, in der Lage wirklich zu lieben? Ist derjenige überhaupt liebesfähig?

Verliebtheit braucht ein Gegenüber, vom Geschmack her kommt sie der wahren Liebe zu sich selbst allerdings recht nah. Doch wie schmerzhaft empfindet ein verliebter Mensch die Abwesenheit seines Partners, während die Selbstliebe ununterbrochen fließen kann.

Sobald der Selbsthass transzendiert wurde und die narzisstische Selbstverliebtheit in wahres Mitgefühl für sich und andere gewandelt ist, bist du zuhause, bist du angekommen, wo es keine große Rolle spielt, eine große Rolle zu spielen. Im Gegenteil. Hier, bei dir im Hier und Jetzt, brauchst du keinen Ehrgeiz mehr.

Allerdings: Um da draußen in der Wildnis der Ego-Natur deinen Weg nach Hause zu finden, ist er eine gute und notwendige Motivationskraft, denn das Ego strebt anfangs widerstrebend, später mehr und mehr hingegeben seiner Quelle, seiner Heimat entgegen. Um es mit einer religiösen Metapher zu umschreiben: Vater und Sohn wollen sich vereinen und werden schließlich eins. Das heißt, sie kommen sich auf halbem Wege entgegen und vereinen sich in der Mitte.

Diese Mitte zu finden ist der Ehrgeiz auch des Egos vor allem des spirituellen. Nach dem materiellen und dem Ehrgeiz nach Macht, führt der spirituelle Ehrgeiz ins Herz.

Traditionell befinden sich spirituelle Sucher auf dem symbolischen Pilgerpfad. Psychoanalyse ist ein Pfad. Ebenso das Studium der Philosophie, der Religion, der zahlreichen anderen Geisteswissenschaften ebenfalls. Selbsterforschung und Selbsterfahrung stehen auf dem Programm.

Dieses ehrgeizige spirituelle Ego-Bewusstsein verachtet das „unspirituelle geistig arme Flachland.“ Es lehnt den Tanz um das „Goldene Kalb“ ab und wendet sich asketischer Methoden zu, wie es viele Heilssucher zuvor taten. Eine Krankheit, ein finanzieller Zusammenbruch, der Verlust eines Partners kann eine moderne Form der Selbstkasteiung sein.

Die Erfahrung kontinuierlicher Verluste, auch dem des Selbstvertrauens, ist typisch für den dornenreichen Weg durch die Unterwelt der Seele. Dieser Weg ist ein Läuterungsprozess, ein Weg der Katharsis.

Der spirituelle Ehrgeiz gilt daher dem „Sterben des Egos“ und seiner Wandlung, was dem Pilger aber selten in vollem Umfang klar ist. Aber da ist auch die andere, die freudvollere Seite der „Kreuzigung“ des Egos: Es gibt ein Leben nach dem Ego-Tod. Dieses ist eine angenehme Existenz, denn das „restliche Ich“ wird durch die Liebe bestimmt.

Und nun kommt die Stelle, an dem der Ehrgeiz, in die Liebe kommen zu wollen, aufgegeben werden muss, denn solange die Suche läuft, bist du nicht da. Gib allen Ehrgeiz auf. Beende dein Suchen. Angekommen am anderen Ufer, wird das Boot des Ehrgeizes einfach zurückgelassen. Wer das Boot weiter bei sich tragen will, bleibt zu schwer, um zu fliegen. Der Ehrgeiz verhindert es.

Wenn es keinen Pfad mehr gibt, und wenn es kein Boot mehr gibt, wenn du nicht mehr darüber rätseln musst, auf welcher Seite du dich befindest, dann bist du frei von allem, auch von der Suche.

Aller Ehrgeiz nach Hause finden zu wollen wird irrelevant, wenn du dich angekommen fühlst. Das ist die wahre Freiheit von einer Motivationskraft. Man unterdrückt sie nicht, man lässt den inhärenten Sinn sich entfalten.

Ich ehre meinen spirituellen Ehrgeiz und mein Ego, denn ohne diesen Antrieb hätte ich mich nicht finden können.

 

HKD

 

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Taken on October 22, 2010
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