Moonstruck

Mondsüchtig

 

Alleine mit dem Mond, allein mit mir.

Bilder erzählen Geschichten und vermitteln unmittelbar ein seelisches Spiegelbild ihres Schöpfers, sofern der Schöpfer authentisch ist in seiner Kreativität. Authentizität entspringt dem Wesenskern. Er hat viele Gesichter und zeigt diese Facetten durch unterschiedliche Talente und Launen.

Eine dieser schöpferischen Launen, die durch mich gelegentlich ihren Ausdruck suchen, vermittelt eine nächtliche, besinnliche und stille Atmosphäre. Magie der Nacht. Faszination. Frieden und doch Unheimlichkeit. Ängstliche Ehrfurcht wie bei einem nächtlichen Spaziergang auf einem abgelegenen Friedhof.

Es hat nach der Hitze des Tages gewittert und vom warmen Boden steigt feiner Nebel empor. Der Mond spiegelt sich in einer großen flachen Pfütze und ein Mönch schreitet über die Ebene in deren Ferne eine schlichte, aus Steinen gebaute Stupa nur noch schemenhaft zu erkennen ist.

Sucht der Mönch nach Erleuchtung oder hat er sie bereits gefunden? Oder ist er mondsüchtig? Ich war süchtig nach den Erfahrungen des Mondes, den Erfahrungen der Unterwelt. Die Oberwelt ist für mich der Alltag, die Unterwelt, das ist die Auszeit, die Phase der Introversion und der Innenschau. Ich spreche von analytischer und transpersonaler Psychologie und von Psychoanalyse. Selbsterfahrung und Selbsterforschung sind ebenfalls Begriffe, die in diesen Zusammenhang gehören.

Die Aufmerksamkeit wird von der Sonne, der Oberwelt abgezogen und dem Mond, der Nacht und der Unterwelt mit all ihren hellen und dunklen Gefühlen, zugewandt. Alles kreist um den eigenen Bauchnabel und das Bewusstsein gewinnt schließlich einen neuen Blick auf die Welt.

Der neue Blick durchschaut Mechanismen und Zusammenhänge, die zuvor verschleiert waren.

Das, was die „Welt im Innersten“ zusammenhält wird mit Begriffen wie Gott, Buddha, Allah und vielen anderen das Absolute umschreibende Worte belegt. Ich verwende auch den Begriff des Tao für das Eine, das Unaussprechliche, für das reine Sein und Erkennen. Die Umschreibung „reines Licht“ gefällt mir hier. Reines Bewusstsein oder absolutes Bewusstsein nenne ich in diesem Zusammenhang ebenfalls.

Nun könnte ich mit dem Finger auf den Mond zeigen, und hinzufügen, dass der volle Mond ein Symbol der Ganzheit und des höheren Selbst ist. Die ganze Welt ist gemeint, die Existenz als solche. Der Mond als umschreibendes Attribut des Weiblichen ist vergleichbar mit der Erde, die im Gegensatz zum männlich Himmlischen ebenfalls das Weiblich vertritt.

Der Mond gilt als weiblich und die Erde ebenfalls. Die Sonne gilt als männlich und der Himmel ebenfalls.

In der weiteren Analogisierung folgen dem Himmel der Intellekt, der Verstand, der Logos, das heißt das erkennende Prinzip. Dem Mond folgen die Gefühle, die Launen, der Eros, mithin das emotionale Prinzip.

Der Mond vertritt die sinnliche, gespürte Seite des Lebens, das Fühlen. Das Denken wird durch die Sonne symbolisiert, wobei die runde Sonnenscheibe ebenso ein Symbol der Ganzheit und des Selbst ist. Das Element des Runden, Ganzen, der Kreis steht im Vordergrund bei dieser Analogie, nicht die Sonne oder der Mond.

Bei dem obigen Bild steht die nächtliche Seite der Ganzheit im Vordergrund. Meditation, Stille, Ruhe, Tiefsinnigkeit, Philosophie und Psychoanalyse. All diese Aspekte gehören in den Zusammenhang mit der Motivationskraft B3.

In Zeiten, in denen ich stark von dieser Energie motiviert werde, drücke ich sie in Bildern aus wie das obige. Die Energie zeigt sich hier von ihrer friedlichen Seite. B3 hat auch einen autoaggressiven Aspekt, der zu Selbstanklage und Selbstzerstörung führt. Im Extrem kann B3 zu einer tiefen Depression führen indem sie alle Lebensfreude wie ein Vampir oder ein schwarzes Loch in sich aufsaugt.

Das ist hier in dem Bild nicht der Fall. Dennoch ist der Mönch fasziniert vom Mond. Wäre er nicht „mondsüchtig“, wäre er kein Mönch sondern vielleicht Taxifahrer in einer großen Metropole.

 

HKD

 

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HKD

 

 

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Taken on July 30, 2010