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Dagmar Ferle | by gumtau
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Dagmar Ferle

Dora Ferle-Skopp

 

Dora Ferle-Skopp wurde am 13. Juni 1926 in Königsberg/Ostpreußen als zweites Kind des Pelzhändlers und Kürschnermeisters Georg Skopp und seiner Frau Gertrud geboren.

Sie hatte eine kindlich innige Beziehung zu ihrem Bruder Gerhard, der zwei Jahre älter war. Sie hatte eine glückliche Kindheit und suchte immer die Nähe des sehr geliebten Vaters, der auch Violine spielte. Sie strebte diesem Vorbild nach und begann schon im sechsten Lebensjahr mit dem Geigenunterricht. Ab dem 10. Lebensjahr besuchte sie die Realschule. Diese lag dicht neben dem Dom und der alten Universität, an der Immanuel Kant gelehrt hatte.

Als Dora zwölf-einhalb Jahre alt war zog die Familie in das Haus ein, in dem der siebzehn- einhalb Jahre alte Horst Ferle wohnte. Horst verliebte sich mit dem ersten Blick „unsterblich“ in dieses blonde Mädchen - sehr zum Missfallen ihres Vaters. Horst jedoch blieb „zäh dran“, trug Dora die Büchertasche und den Geigenkasten, wenn er das Glück hatte, sie begleiten zu können.

(In ihrem Buch „Über die Honigbrücke“ erschienen 1993 im Herbig Verlag, München – nannte Dora ihn den „lästigen Begleiter“. )

1939 kam der Kriegsausbruch, die Katastrophe des II. Weltkrieges. Dora kam nach dem Einser-Schulabschluss zum Arbeitsdienst und wurde in das „Generalgouvernement Polen“ in eine dreiklassige Volksschule geschickt, um dort zu unterrichten. In der Beziehung zu Horst folgten bis auf einige Urlaubsbegegnungen Jahre der Trennung und des Nichtwissens über das Schicksal des Anderen. Horst war inzwischen an der Front und wurde in Karelien schwer verwundet und verlor ein Bein. Dora kam zurück in eine Munitionsfabrik in Jüterbog und dann in das total zerstörte Königsberg. Im letzten Moment gelang ihr mit der Mutter und Tante die Flucht über die Ostsee.

Wie durch ein Wunder gab es durch den Suchdienst des Roten Kreuzes ein postalisches Wiederfinden nach 1945, bis man sich dann wirklich im Sommer 1946 bei Hamburg treffen konnte.

Horst kam humpelnd mit seiner Unterschenkelprothese Weihnachten 1946 zu Dora mit dem Entschluss zur Verlobung. Die Heirat fand am 4.9.1948 statt. Horst war inzwischen Versicherungsangestellter geworden und mit seiner Dienststelle nach Bielefeld gezogen. Am 18. Juli 1949 wurde das einzige Kind von Dora und Horst geboren und auf den Namen Dagmar getauft. In den folgenden Jahren kamen viele beruflich bedingte Umzüge, so nach Niedersachsen, nach Hamburg, Gütersloh, wieder Hamburg und schließlich in den Münchner Raum.

Horst hatte inzwischen sein Studium der Anglistik und Literaturwissenschaften in Hamburg mit der Promotion abgeschlossen. Dora hatte unermüdlich ihr Geigenspiel vervollkommnet und spielte in verschiedenen Orchestern die 1. Geige. Sie hatte inzwischen auch mit dem Schreiben begonnen. (einige Kurzgeschichten wurden später veröffentlicht , so in der SZ sowie in Puchheimer Lesebüchern.)

Als ein eigenes Haus 1967 in Eichenau bezogen wurde, malte Dora auf einer Holztafel die Stationen ihres Lebens. Die Tafel hing bis zu ihrem Tod über er Eingangstür und auf ihr schrieb sie den alten Spruch.

“ Dies Haus g´hört mein

Und doch nicht mein,

Wer nach mir kommt

Wird´s auch so sein...“

Dies war die Grundstimmung ihrer Seele.

 

Über einige Jahre zog Dora ein „Frühchen“ auf, einen Buben aus Nigeria, dessen Eltern infolge des Bürgerkrieges in ihrem Lande in Deutschland gestrandet waren. Mehrer Jahre betreute Dora auch eine Mitbürgerin, die an Schizophrenie litt.

In der Zeit der der sog. „Friedensbewegung“ nach dem Nato Doppelbeschluss engagierte sie sich als erklärte Pazifistin auch in der EFI, der Eichenauer Friedensinitiative. Sie machte mit ihrem Mann an der Friedenskette mit, zusammen mit drei Bussen von Eichenauerinnen und Eichenauern.

Bei einem Mittagessen zu Dritt mit dem Chef der Nato-Streitkräfte von Westeuropa, mit dem Horst als Cheflektor des List Verlages beruflich zu tun hatte, protestierte sie heftig gegen eine Raketenstationierung auf deutschem Boden. Der General „erstarrte“ sichtlich, als er sah, was eine Bürgerin wagte.

Alle diese Erlebnisse finden sich in ihrer Lebensbeschreibung der Jahre 1945 – 1991, die den Untertitel trägt:“ Auch mein 20. Jahrhundert“, in Erinnerung an den von ihr so geschätzten Kulturphilosophen Ludwig Marcuse, den sie zusammen mit ihrem Mann Horst kennen gelernt hatte.

Anfang der Achtziger Jahre begann Dora auch zu malen. Es waren oft schwermütige Motive, die eine Seite ihrer Seelenlage zeigten. Daneben konnte sie aber z. B. in der Orchestergemeinschaft ungemein munter und lebendig sein.

Die Tochter Dagmar hatte inzwischen an der Musikhochschule in München das Violinstudium begonnen. Wie die Mutter hatte auch Dagmar mit sechs Jahren mit dem Geigenspiel begonnen und in den ersten Jahren von der Mutter Unterricht bekommen. Als die Tochter dann in Hannover weiter studierte und dort das Konzertexamen machte, fiel der Mutter die Trennung sehr schwer. Dagmar wurde dann das erste weibliche Mitglied im NDR Symphonie Orchester, wo sie heute noch die 1. Geige spielt. Die künstlerische Ader der Tochter wurde auch in einem Zusatzstudium an der Kunstakademie deutlich, und Dagmar ist inzwischen auch als Malerin anerkannt.

Die Ehe zwischen Horst und Dora war harmonisch und glücklich für beide Seiten. Zwei verwandte Seelen hatten sich gefunden und ein Stück davon wird auch in den Bildern von Dora aus den Achtziger Jahren deutlich.

Im September 1999 traf das Paar jedoch ein Schicksalsschlag, als Dora in der Psychiatrie der LMU München die Diagnose „Alzheimer“ erhielt. Medikamente bremsten einige Jahre das Fortschreiten dieser tückischen Krankheit. Während dieser Phase trat Dora auch in einigen Fernsehsendungen zum Thema Demenz auf, denn sie erprobte einige neue Medikamente. Doch die Krankheit nahm unerbittlich ihren Lauf und Dora verstarb am 20. Januar 2008 im Pflegeheim der AWO Fürstenfeldbruck „Josephsstift“.

In den letzten Jahren hatte Horst sie dort täglich besucht und aus dem „lästigen Begleiter“ der Jugend war der „ständige Begleiter“ an ihrem Leidensbett geworden – nach einem langen Leben in „liebender Güte“.

Dora wurde auf dem Waldfriedhof in Eichenau begraben.

In ihrem Leben hat sie eine große geistige und räumliche Spanne zurückgelegt, vom „unglücklichen“ Königsberg -heute Kaliningrad- bis zum „Land vor den Bergen“.

Doras Lieblingszitat ist von Eichendorff:

„Und meine Seele spannte

weit ihre Flügel aus,

flog durch die stillen Lande

als flöge sie nach Haus.“

„Wir sehnen uns nach Hause

Und wissen nicht wohin.“

 

Es sei mir noch ein Nachwort mit einem Gedicht erlaubt, denn der Tod hat in unsere Liebe eingegriffen. In unserem Leben konnte man sich den einen ohne den anderen gar nicht vorstellen.

 

Traumdeutung:

„Schnupp“ (oder Sternschnuppe),

die schnelle, aufleuchtende,

wenn ich sterbe, bin ich bei dir,

wir träumen den gleichen Traum,

wir liebkosen uns, wie es immer war,

unsere Gedanken flechten sich

ineinander, gleiche Lösung, gleiches Ziel,

deine Füße gehen mit meinen

weit hinein in die Unendlichkeit,

dort werden wir wohnen, vielleicht ein Meer

wie die Strände der Ostsee,

nie mehr heimatlos --- --- ---

  

Horst Ferle, 25.2.2008

Im August 2013 verstarb Horst Ferle im Pflegeheim in Eichnau

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Taken on July 23, 2013