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Martin Walser: "Muttersohn". Buchpremiere auf dem Blauen Sofa | by Das blaue Sofa
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Martin Walser: "Muttersohn". Buchpremiere auf dem Blauen Sofa

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Urlesung | Gespräch

 

Martin Walser: Muttersohn

Wolfgang Herles, ZDF, spricht mit dem Autor über sein Buch

 

Montag, 11. Juli 2011 | 20.00 Uhr

Bibliothekssaal im Kloster Schussenried

 

Wovon handelt dieser Roman?

Es ist leichter zu sagen, wovon er nicht handelt. Er handelt also von allem. Er handelt von 1937 bis 2008, kommt nicht aus ohne Augustin Seuse, Jakob Böhme und Emanuel Swedenborg, handelt aber vor allem von Anton Percy Schlugen, von ihm und mit ihm und durch ihn. Seine Mutter tauft ihn Anton, nennt ihn Percy, selber heißt sie Josefi ne Schlugen, wird Fini genannt. Sie ist

Schneiderin, lebt, auch als sie mit einem Mann zusammenlebt, allein. Jahrelang schreibt sie Briefe an Ewald Kainz, der auf den Stufen des Neuen Schlosses in Stuttgart eine politische Rede hielt. Die Briefe schickt sie nicht ab, sie liest sie ihrem Sohn vor und vermittelt ihm so, dass zu seiner Zeugung kein

Mann nötig gewesen sei. Mit diesem Glauben lebt Percy. Er wird Krankenpfleger im psychiatrischen Landeskrankenhaus Scherblingen, wird gefördert von Professor Augustin Feinlein, der das Krankenhaus leitet und der seinerseits aus der Aussichtslosigkeit einer nicht geglückten Liebe in den Glauben fl ieht. Als Patient wird, nach einem Selbstmordversuch, Ewald Kainz eingeliefert. Der ist nach einer deutlich politischen Biographie Motorradlehrer geworden.

Percy ist inzwischen berühmt, weil er keiner Weltvernunft zuliebe verzichtet auf die von Mutter Fini in ihn eingegangene Botschaft vom Kind ohne leiblichen Vater. Er will, was er glaubt, nicht verbreiten, aber er will glauben dürfen, was er glaubt. Er sucht keinen Vater, aber er fi ndet mehr als einen. Und er wird auch berühmt, weil er zu den Menschen sprechen kann, wie zu ihnen noch nicht gesprochen wurde. Als er von Professor Feinlein zum ersten Mal aufgefordert wird, öffentlich zu reden, sagt er: "Aber vorbereiten tu ich mich nicht. Das fänd ich gemein, vorbereitet zu sprechen zu unvorbereiteten Menschen." Der Professor sagt ihm, da könne er sich auf Sokrates und Christus berufen. Dieses ungeschützte, ganz aus dem Augenblick stammende Sprechen macht Percy berühmt in einer Welt, in der alles in Vorbereitung und Konservierung untergeht. Ein Roman darüber, was die Liebe vermag, was der Glaube vermag,

was die Sprache vermag – und über die Kunst, Motorrad zu fahren.

 

Martin Walser, geboren 1927 in Wasserburg, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Außerdem wurde er mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und zum Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt.

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Taken on July 11, 2011