Virtuelle Ausstellung: Tschernobyl 25 – expeditionen
Am 26. April 1986 explodierte der Atomreaktor in Tschernobyl. Nicht nur Teile der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden verstrahlt. Die radioaktive Wolke überzog halb Europa. Das "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Unmögliche" hat seit dem einen Namen und einen Ort: Tschernobyl. Doch während der Wiederaufbau nach anderen Katastrophen immer auch Hoffnung auf Neubeginn birgt, ist in der verstrahlten Zone jegliche Zukunft ausgeschlossen.

Die Katastrophe war aber nicht nur eine ökologische. Die Entwicklung der Kultur einer ganzen Region wurde unwiderruflich gestoppt. Rund 350.000 Menschen mussten mehr als 400 Dörfer, Weiler und mehrere Städte verlassen. Am Ende einer in Europa vielleicht einzigartigen bäuerlichen Kultur steht auf unvorstellbar lange Zeit die Sperrzone. Entwicklung und Ende der Region sind zugleich ein eindringliches Menetekel enthusiastischer Industrialisierung und unbedingten Fortschrittglaubens der Moderne. Diese beiden Dimensionen bilden den Kern der künstlerischen und kulturtheoretischen Reflexionen und Vermittlungen von Tschernobyl 25 – expeditionen.

Aufgrund ihrer einzigartigen kulturellen Traditionen war die Region Tschornobylske Polissja schon seit den 1950er Jahren Ziel ukrainischer Ethnologen. Fünf Jahre nach der Katastrophe hat eine Gruppe von Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten die Expeditionen in die Zone unter neuen Vorzeichen wieder aufgenommen.

In Kontakt mit dieser Initiative trägt "Tschernobyl" mit künstlerischen und interdisziplinären expeditionen deren Anliegen weiter. Bildende Künstler, Plakatkünstler, Videokünstler, Filmemacher, Literaten, Kulturtheoretiker, Aktivisten aber auch Energiekonzernvertreter aus Deutschland, der Ukraine, Russland und Weißrussland hinterfragen insbesondere die kulturellen Dimensionen der Katastrophe und ihre heutigen Botschaften.

www.tschernobyl25.org
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