Podiumsdiskussion: Wie viel Wohlfahrt braucht die Demokratie?
In der bundesdeutschen Geschichte nach 1945 hat eine „glanzvolle wirtschaftliche Prosperität“ (Hartmut Kaelble) dazu beigetragen, dass die demokratische Kultur breite Zustimmung gewann. Wo genug zu verteilen war, ließ sich Demokratie weitgehend im Konsens organisieren. Die Westdeutschen erlernten in der Folge des Wirtschaftswunders den Zusammenhang von Demokratie und sozialer Sicherheit, den Ostdeutschen wurden nach der Wende blühende Landschaften versprochen. Heute indes zeigen Meinungsumfragen, wie porös das Vertrauen auf diesen Zusammenhang geworden ist. Viele Menschen sind verunsichert, wie sich ihre wirtschaftliche Zukunft gestalten wird – und machen pauschal „die Demokratie“ für ihre Lage verantwortlich.

Tatsächlich scheint heute die Erwartung unglaubwürdig, dass unter dem Druck von Globalisierung und EU-Osterweiterung das aktuelle Wohlstandsniveau zu halten sein wird. Der zu verteilende Kuchen wird kleiner, der Kreis der Marktteilnehmer wächst. Die Vitalität der Demokratien wird sich in Zeiten steigender sozialer Heterogenität und sich verschärfender Verteilungskonflikte zu beweisen haben. Obwohl vorrangig dafür zuständig, formal gerechte Verfahren in den politischen Prozessen zu gewährleisten, sind Demokratien auch Wohlfahrtsregime und werden als solche ganz selbstverständlich in Haft für das Ausmaß sozialer Gerechtigkeit und den Bestandserhalt der öffentlichen Güter genommen.

In welchem Maß und Umfang sind wir abhängig von ökonomischem und sozialem Ausgleich? In welchem Maß müssen wir heute individuellen Wohlstand und öffentliche Versorgung erhalten, um Integration und Vertrauen zur Demokratie und ihren Zumutungen zu erhalten? Was können wir tun, um die Demokratien zukunftsfest zu machen?

Kalender-Eintrag zur Veranstaltung
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