Skurrile Wege zum Pass
Erfahrungsberichte zur Einbürgerung in Europa

Die Einbürgerung stellt eine rechtlich wie sozial wichtige Etappe in der Teilhabe und dem Zugehörigkeitsgefühl aller Menschen in einem Land dar. Ungeachtet dieser Tatsache setzen Politik und Verwaltung in den meisten europäischen Ländern weiterhin sehr hohe und für viele kaum überwindbare Hürden. Als Folge dieser Politik und bürokratischen Praxis stagnieren in Deutschland seit Jahren die Zahlen der Einbürgerungen, in anderen Ländern sind sie sogar stark rückläufig. Auch die zunehmend identitätsfixierte Politik in Europa teilt Menschen in die, die dazu gehören können (dürfen) und die, die „fremd“ bleiben. Diese Einbürgerungspraxis verhindert politische Teilhabe und rechtliche Gleichstellung.

Kate Connolly, gebürtige Britin und langjährige Auslandskorrespondentin, u.a. für „The Guardian“ in Berlin, entschließt sich in Reaktion auf den Brexit, einen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft zu stellen. Die 33 Fragen des Einbürgerungstestes zu beantworten, erlebt sie dabei als eher lästig, einen Anfängerdeutschtest trotz fließender Sprachkenntnisse ablegen zu müssen, nimmt sie mit britischem Humor, den bürokratischen Aufwand beschreibt sie bisweilen als kafkaesk. In ihrem Buch „Exit Brexit. Wie ich Deutsche wurde“ erzählt Kate Connolly ihren persönlichen exit und setzt mit ihrer Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft ein politisches Statement.

Thomas Borchert, gebürtiger Deutscher und langjähriger Korrespondent für Skandinavien, entschließt sich, sich um die dänische Staatsbürgerschaft zu bewerben. Er schreibt von den Absurditäten, die ihm auf dem Weg zur Einbürgerung begegneten. Nachweise über jeden noch so kurzen Aufenthalt bei der Mutter in Deutschland oder die Sorge, durch das Überfahren einer roten Ampel mit dem Fahrrad, die Chancen auf die dänische Staatsbürgerschaft gefährdet zu haben, gehören dazu.

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