Kambodscha und Vietnam 2018 – Teil 2
In der zweiten Woche steht Vietnam auf dem Programm. Gut eine Stunde dauert der Flug von Siem Reap nach Saigon. Mit dem Namen der Stadt halte ich es genauso wie die Vietnamesen es in der Mehrheit tun: Sie sagen „Saigon“ und nicht: Ho – Chi – Minh – Stadt. Nach sechs Jahren bin ich nun wieder in Saigon und staune. In der Acht-Millionen Stadt tut sich was. Es ist noch quirliger geworden, Hochhäuser werden immer höher, glitzern vor dem Abendhimmel und bald gibt es eine U-Bahn. Saigon boomt. Auch bei den 2.000.000 motorisierten Zweirädern in der Stadt. Ampeln und Zebrastreifen gelten nur als Vorschlag. Ein Fußgänger braucht viel viel Mut, wenn er über die Straße will. Aber es klappt. Auch wenn gefühlt Tausende Zweiräder angerauscht kommen: Drauflosgehen, Geschwindigkeit halten und ja nicht stehenbleiben. Schon ist man auf der anderen Seite heil angekommen. - Zumindest meistens.

Vor unserer Abreise nach Hanoi besuchen wir noch das Museum und die Tunnelanlage von Cu Chi. Das gesamte Tunnelsystem war 200 Kilometer lang und diente dem Vietkong als Versteck und Stützpunkt für Überfälle auf die US-Armee. Den Amerikanern war es, von paar kleinen Erfolgen abgesehen, nie gelungen, die Nutzung des Systems auszuschalten. Vor unserem Rundgang über das Gelände sehen wir uns – in einem Gebäude - einen patriotischen Film über den Kampf der Vietkong an. Eine Museumsangestellte führt dann die Gruppe zu den verschiedenen Stationen über das Freigelände. Während Schüsse durch den Urwald hallen haben wir in aller Eile den Kampf gegen den Regen aufgenommen. Unsere Maßnahmen: Regenmäntel vom Besucherzentrum.

Ja, die Marktwirtschaft hat Vietnam voll erfasst. Auf einem Schießstand können Besucher sich gegen Bezahlung mit scharfer Munition und echten Waffen aus der Zeit des Kriegs betätigen. Es ist sicher nicht jedermanns Sache, dass ausgerechnet hier Touristen ihren Freizeitspaß mit Waffen haben. Das Areal ist auch eine Gedenkstätte, die von ehemaligen Kriegsteilnehmern besucht wird. Etwas beschönigend wird der Schießplatz vom Betreiber des Geländes als „National Defense Sport Shooting-Ground“ bezeichnet.

Zwei Stunden sind die Athletinnen und Athleten mit dem Flugzeug von Saigon bis Hanoi unterwegs. Von nun an lassen es die Reisenden langsamer angehen. Nach der Stadtbesichtigung und einem Theaterbesuch will ich wissen, wie sich der Verkehr als Verkehrsteilnehmer anfühlt. Mit meinem Rikschafahrer tausche ich die Rollen und nehme mit einem Millionenheer (gefühlt) von Zweiradfahrern den Kampf auf. - Ich hab´s heil, aber völlig durchgeschwitzt überstanden.

Nach dieser Herausforderung mit 3,8 Millionen motorisierten Zweiradfahrern in Hanoi machen wir uns mit dem Bus auf den Weg zur Entspannung in der Halongbucht. Diese Bucht hat eine 120 Kilometer lange Küstenlinie und rund 2.000 Inseln. Die steil aufragenden Kalksteinfelsen sind mit Urwald bedeckt, meist unbewohnt und weisen, durch die Gesteinsart bedingt, oft kleine und größere Höhlen auf. Während des Vietnamkriegs wurden in diesen Kalkhohlräumen Nachschubdepots und Lazarette gebaut. Auf Cat Ba existierte ein Krankenhaus, in dem sich zeitweilig bis zu 300 Personen aufhielten.

Eine Vorstellung von der enormen Größe einer Karsthöhle erhalten wir bei der Besichtigung der Hang Sung Sot Höhle. Sie erstreckt sich über 10.000 m², sieht dramatisch aus, was noch mehr durch die Beleuchtung unterstrichen wird. Beim Verlassen des Hohlraums (30 m über NN) hat man einen phantastischen Blick über das türkisfarbene Wasser und die Kalkberge des Weltnaturerbes Ha Long Bucht.

Vor der Übernachtung auf unserem Schiff „Pelican“ wartet noch die letzte Herausforderung des Tages auf uns: Eine Besteigung einer mit viel dschungelgrün überzogenen, ziemlich kegeligen Insel. Zwar nur knappe schlappe 200 Meter hoch, aber so steil, dass nur Stufen hochführen. Wie erwartet bringen die tropischen Temperaturen dann so manchen Optimisten zum Schnaufen. Ich halte durch. Komme oben an und schaue mit meinem ganzen Gipfelglücksgefühl auf die herab, die die Alternative Strandbad gewählt haben.

Das historische Angkor ist für mich das Bedeutendste, was Menschenhand bis zur Neuzeit geschaffen hat und das Highlight meiner Kambodscha-Vietnam-Reise. Es ist faszinierend, wie schnell eine Kultur zur Blüte kam und überwältigend, welche Bauwerke entstanden sind. Die Anlage von Ta Prom bildete einen passenden Abschluss der geschichtlichen Exkursionen: Bäume erobern das große Khmer-Reich. Bei so manchem kam sicher eine melancholische Stimmung auf.
Auf den Besuch vom „Traditional Water Puppet Programm“ in Hanoi könnte man aus meiner Sicht verzichten und die Zeit besser nutzen. Zum Beispiel für einen Lauf am oder um den Hoan Kiem See. Er liegt knappe 500 Meter vom Hotel LanVien entfernt. Diese und eine andere Runde sind in einer Karte vom Hotel eingezeichnet. Eine JPG-Datei davon befindet sich im Flickr-Album.
Dass der Angkor Empire Marathon in der Regenzeit durchgeführt wird, hat mich vor Reisebeginn ein wenig verunsichert. In der zweiwöchigen Reisezeit kam es nur zu einem wesentlichen Schauer mit Beeinträchtigung (Cu Chi). In Kambodscha und Vietnam brummt das Tourismusgeschäft. Wie ich bereits erwähnt habe, besuchen Siem Reap (139.000 Einw.) 1,4 Mio. Touristen/Jahr. Nach ganz Kambodscha kamen 2015 ca. 5 Mio. Touristen/Jahr. In Ta Prom konnten wir uns ein Bild machen, wie es aussieht, wenn es sich an einer Ecke mal staut. Wenn ich Regenzeit und Trockenzeit aus meiner Erfahrung abwäge, komme ich zu dem Ergebnis, dass die Trockenzeit nicht unbedingt die bessere Lösung ist. Außerdem ist dann das Preisniveau auch anders.
Kambodscha und Vietnam sind sympathische Länder mit freundlichen Menschen. Vor allem habe ich mich über Herzlichkeit und Engagement von unserem kambodschanischen Reiseleiter gefreut. Danke auch an Tom und ganz besonderen Dank an Jessika.

Alle Stationen dieser Reise habe ich in diesem Aufsatz nicht beschrieben. Weitere Informationen befinden sich in den Bildunterschriften und den 133 Fotos im Flickr-Album.
weiter im Text
www.spargelsprinter.homepage.t-online.de/Kambodscha%20201...
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